Braungrüner Zärtling, Braungrüner Rötling
Entoloma incanum (Fr.) Hesler 1967

Der Braungrüne Zärtling kann in vielen Bereichen Deutschlands, Europas und darüber hinaus entdeckt werden. Neben seinen prächtigen Farben hat er auch einen sehr markanten Geruch nach verbranntem Horn oder Mäusekot, den seine Finder noch lange im Gedächtnis behalten. Als Lebensräume sind basenreiche, aber stickstoffarme Magerwiesen bekannt, die in unserer durch intensive Landwirtschaft überdüngten Landschaft leider stark beeinträchtigt sind. Der EU-geförderte Energiepflanzenanbau gefährdet auf diese Weise noch die letzten Lebensräume von Tausenden Pflanzen-, Pilz- und Tierarten.

Der Braungrüne Zärtling besiedelt wie der Papageigrüne Saftling – Pilz des Jahres 2003 – vorwiegend ungedüngte und extensiv bewirtschaftete Magerwiesen, selten kann er auch in lichten Wäldern angetroffen werden. In den Alpen steigt die Art bis in die subalpine Höhenlage auf. Der Pilz ist eine Zeigerart für kalkhaltige und nährstoffarme Böden. Anders als Waldpilze wie Steinpilz oder Pfifferling benötigt der Braungrüne Zärtling keine Bäume als Symbiosepartner. Ob sich der Rötling ausschließlich von Pflanzenresten ernährt oder ob er eine Lebensgemeinschaft mit Blütenpflanzen oder Gräsern bildet, ist noch nicht erforscht.

Der Braungrüne Zärtling gehört zur vielgestaltigen und artenreichen Gattung der Rötlinge. Diese umfasst in Europa mehr als 350 Arten. Der Pilz bildet kleine, zierliche Fruchtkörper, die durch ihre Tarnfarben im Gras nur schwer zu entdecken sind. Er trägt einen bis zu 3 cm breiten, gelb- bis olivbraun gefärbten Hut. Zunächst gewölbt, flacht er später ab und entwickelt in der Mitte eine nabelartige Vertiefung. Die Art ist so dünnfleischig, dass bei durchfeuchteten Exemplaren die Lamellen auf der Hutoberseite als radiale Riefen durchscheinen. Bei Trockenheit blassen die Farben aus und die Riefung verschwindet. In der Hutmitte ist die Oberfläche oft feinflockig strukturiert.

Die anfangs gelb-weißlichen Lamellen zeigen manchmal einen grünen Schein und nehmen bei Reife durch das ausfallende Sporenpulver einen Rosaton an. Auffallend ist der leuchtend hellgrüne Stiel, der an Druckstellen oder bei Verletzung innerhalb kurzer Zeit blaugrün verfärbt. Er kann bis zu 6 cm lang und 3 mm dick werden und besitzt eine weißfilzig bekleidete Stielbasis. Nahezu einmalig im Reich der Pilze ist der unangenehm stechende Geruch des Fleischs nach „Mäuseklo“ oder verbranntem Horn, vor allem bei alten und angetrockneten Fruchtkörpern.

Dokumente

Bilder

Bild zum Pilz des Jahres 2013

Bild zum Pilz des Jahres 2013 | Bild: Karl Wehr

Bild zum Pilz des Jahres 2013

Bild zum Pilz des Jahres 2013 | Bild: Peter Karasch

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