Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V.
   
 

Aktuelles: Schäden an Erlen


 

Schäden an Erlen
von Dr. T. Jung und M. Blaschke, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)

Vielleicht sind dem einen oder anderen in den letzten Jahren abgestorbene Erlen entlang von Fluss- und Bachläufen oder auch in Erlenbeständen auf feuchtem Standort aufgefallen.
Eine der Hauptursachen für diese Schäden an den Erlen wird durch eine Erkrankung, die Phytophthora-Wurzelhalsfäule der Erle, verursacht. Die Gattung Phytophthora gehört zu den Cellulosepilzen (= "Unechte Pilze", Oomycota) und beinhaltet zahlreiche pflanzenpathogene Arten. Der bekannteste Vertreter dürfte Phytophthora infestans, der Erreger der Kartoffelfäule sein.

Bei dem Erreger der Erlenerkrankung handelt es sich genau genommen um einen Hybriden aus zwei Phytophthora-Arten. Die begeißelten Zoosporen infizieren über die Wurzel oder die untersten Abschnitte des Stammfußes die Erlen. Im Bereich des lebenswichtigen Kambiums zwischen Rinde und Holzkörper sowie in der inneren Rinde wächst das Myzel der Phytophthora zungenförmig nach oben. Das infizierte Gewebe stirbt kurz darauf ab. Äußerlich wird dieser Schaden hauptsächlich durch rostrote bzw. nach Oxidation schwarzbraun verfärbte sogenannte Teerflecken ersichtlich. Hierbei handelt es sich um ausgetretenen Baumsaft, der auch als Schleimfluss bezeichnet wird. Bei jungen Erlen kommt es zudem zu einer dunklen Verfärbung unter der dünnen Rinde.

Im Laufe der Zeit fällt die Rinde an der geschädigten Stelle ein, und es entstehen Nekrosen am Stammfuß. Oft beginnt der Schaden mit einer oder wenigen zungenförmigen Nekrosen, und der Baum versucht diese im Laufe der Vegetationsperiode wieder von den Seiten her zu überwallen. Im folgenden Jahr kann der Pilz allerdings wieder ausbrechen und bestehende Nekrosen vergrößern oder an einer anderen Stelle den Stamm erneut infizieren. Die hohe Ansammlung von nicht in die Wurzeln transportierten Zuckern führt häufig noch einmal zu einer verstärkten Blüte und Zapfenbildung der Bäume – ein Zeichen, das oft auch noch als “letztes Aufbäumen“ der Pflanzen betrachtet wird. Die zunehmende Rindenzerstörung führt dazu, dass das Wurzelsystem langsam „verhungert“ wodurch die Krone nicht mehr ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird. Charakteristische Symptome einer fortgeschrittenen Erkrankung sind deshalb eine Auflichtung und ein Zurücksterben der Krone, sowie oftmals eine Vergilbung der Blätter. Gelingt es der Phytophthora den Stamm zu umfassen, stirbt die Erle recht rasch ab.
Im Gegensatz zu den meisten der Chitinpilzen (= "Echte Pilze") sind die Phytophthora-Arten an ein Leben in enger Verbindung mit dem Wasser sehr gut angepasst. So besitzen die Zoosporen Geißeln mit denen sie sich über kurze Strecken im Fluss- oder Bodenwasser aktiv fortbewegen können. Aus diesem Grund wird die Bildung von Sporen auch durch Wasser forciert. Überflutungen spielen für die Verbreitung dieser Art somit eine nicht unerhebliche Rolle.

Für weitere Informationen möchten wir auf eine über Internet erreichbare Veröffentlichung zu diesem Thema hinweisen:
http://www.lwf.uni-muenchen.de/veroef/veroef2000/lwfakt24/beitrag9.htm
und die Möglichkeit unser Merkblatt Nr. 6 als pdf-Datei herunterzuladen:
http://www.lwf.uni-muenchen.de/veroef/frame/lwfmerk.htm

Abb. 1: Krone einer geschädigten Schwarzerle Abb. 2: Stammfuß einer jungen Schwarzerle mit Schleimflussflecken und Rindenrissen durch eine neu entstehenden Nekrose
   
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