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6. Jahrgang, Nr. 1 (Mai 1996)
Beilage zur Zeitschrift für Mykologie

DGfM-Mitteilungen

für Pilzsachverständige (Pilzberater),
Mitarbeiter der PILZKARTIERUNG 2000,
pilzkundliche Arbeitsgemeinschaften und Vereine,
sowie für alle DGfM-Mitglieder

 
 

Akademiepreis der Bayerischen Akademie der Wissenschaft an Herrn A. Einhellinger

Herr A. Einhellinger hat am 2. Dezember 1995 den Akademiepreis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Anerkennung seiner Leistungen zur Erforschung der bayerischen Flora und Fauna erhalten. Der Vorstand und alle Mitglieder der DGfM gratulieren Herrn Einhellinger zu dieser Ehrung sehr herzlich. Herr Prof. Dr. Hannes Hertel hat Herrn Einhellinger am 5. Dezember dazu einen Brief geschrieben, den wir an dieser Stelle mit freundlicher Erlaubnis des Senders abdrucken dürfen:

"Lieber Herr Einhellinger,

ganz herzlich möchte ich Ihnen zur Preisverleihung durch die Bayerische Akademie der Wissenschaften gratulieren! Ich freue mich, daß Ihnen diese große Ehre zuerkannt wurde. Sie wird viel seltener vergeben als Ehrendoktorwürden. Letztere gibt es oft mehrere pro Universität und Jahr, die Akademie aber hat in ganz Bayern pro Jahr nur einen einzigen Preisträger! Sie haben diese Ehrung wahrhaftig verdient und der Präsident ist in seiner Laudatio auf viele Ihrer mykologischen Leistungen eingegangen. Insbesondere Ihre Arbeiten zur Gattung Russula und Ihre Erforschung des Kapuzinerhölzls wurden von ihm hervorgehoben.

Ihre Kapuzinerhölzl-Daten habe auch ich schon in vielen Vorlesungen und Vorträge eingebaut. Ich kenne überhaupt kein weiteres Beispiel für ein Vegetationsgebiet, das so oft und so intensiv floristisch untersucht worden wäre. Ihre Ergebnisse zeigen, wie bruchstüclkhaft doch unsere Kenntnisse aller übriger Biotope sind, die doch (vergleichsweise) höchstens stichprobenhaft besammelt sind. Was mag in einem Stück Amazonas-lJrwald zum Vorschein kommen, wenn man es mit Ihrer Gründlichkeit hunderte Male sorgfältig begehen würde?

Auch Ihre ornithologische Periode klang an. Ich denke, es war 1958, als ich Sie (damals war ich Mitglied des Deutschen Jugendbundes für Naturbeobachtung) zum ersten Mal amn Speichersee getroffen hatte. Zusammen mit Uli NEBELSIEK, Malnfred SCHMITT (der seit Jahrzehnten in Johannesburg lebt, aber noch immer begeisterter Ornithologe geblieben ist), Ingo MÜLLER, Rainer WÜST (dem Sohn von Walter WÜST) und anderen, sind wir in diesem Jahren oft jeden zweiten Sonntag nach Ismaning geradelt.

Ich habe es zutieft bedauert, daß gesundheitliche Gründe Ihr Erscheinen am Samstag Vormittag nicht erlaubt haben. Hoffentlich sind Sie inzwischen wieder wohlauf! Der Herkulessaal war bis auf den letzten Platz besetzt (obwohl nur geladene Gäste Einlaß fanden). Die Gäste alle in festlicher Kleidung, die Akademiemitglieder in ihren roten Roben und Baretten, mit goldenen Ketten und Stolas (was mich persönlich eher leicht amüsiert/irritiert. weil es mich eher an eine traditionsverstrickte Kardinalsversammlung im Vatikan, als an eine Versammlung von modern denkenden Wissenschaftlern denken läßt). Der Bericht des Präsidenten hätte besser etwas kürzer sein sollen; er war anstrengend. Zu Ihrer Ernennung aber gab es dann anhaltenden Applaus und das hat mich sehr gefreut.

Weil ich zuhause ausländische Gäste warten hatte, mußte ich schnell nach Hause und konnte nicht sehr lange warten. Trotzdem gelang es, wenigstens einige Mykologen unter der

Menge auszumachen, die ebenfalls gekommen waren: so die Herren BRESINSKY, OBERWINKLER, STEGLICH und Frau Triebel.

Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit nochmals sehr herzlich bei lhnen bedanken. daß Sie über die Jahrzehnte hinweg Ihre so zahlreichen interessanten Funde der Botanischen Staatssammlung München zur Aufbewahrung anvertraut haben. Sie sind zu einem höchst wertvollen Bestandteil unserer Sammlung geworden und wir werden sie sorgsam wahren! Nun wünsche ich Ihnen eine rasche Wiederherstellung und ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein glückliches, gesundes Neues Jahr!

Mit sehr herzlichen Grüßen,

Ihr Hannes Hertel"

   
     
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