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Herr A. Einhellinger hat am 2. Dezember 1995 den Akademiepreis der Bayerischen
Akademie der Wissenschaften in Anerkennung seiner Leistungen zur Erforschung
der bayerischen Flora und Fauna erhalten. Der Vorstand und alle Mitglieder
der DGfM gratulieren Herrn Einhellinger zu dieser Ehrung sehr herzlich.
Herr Prof. Dr. Hannes Hertel hat Herrn Einhellinger am 5. Dezember dazu
einen Brief geschrieben, den wir an dieser Stelle mit freundlicher Erlaubnis
des Senders abdrucken dürfen:
"Lieber Herr Einhellinger,
ganz herzlich möchte ich Ihnen zur Preisverleihung durch die Bayerische
Akademie der Wissenschaften gratulieren! Ich freue mich, daß Ihnen
diese große Ehre zuerkannt wurde. Sie wird viel seltener vergeben
als Ehrendoktorwürden. Letztere gibt es oft mehrere pro Universität
und Jahr, die Akademie aber hat in ganz Bayern pro Jahr nur einen einzigen
Preisträger! Sie haben diese Ehrung wahrhaftig verdient und der Präsident
ist in seiner Laudatio auf viele Ihrer mykologischen Leistungen eingegangen.
Insbesondere Ihre Arbeiten zur Gattung Russula und Ihre Erforschung des
Kapuzinerhölzls wurden von ihm hervorgehoben.
Ihre Kapuzinerhölzl-Daten habe auch ich schon in vielen Vorlesungen
und Vorträge eingebaut. Ich kenne überhaupt kein weiteres Beispiel
für ein Vegetationsgebiet, das so oft und so intensiv floristisch
untersucht worden wäre. Ihre Ergebnisse zeigen, wie bruchstüclkhaft
doch unsere Kenntnisse aller übriger Biotope sind, die doch (vergleichsweise)
höchstens stichprobenhaft besammelt sind. Was mag in einem Stück
Amazonas-lJrwald zum Vorschein kommen, wenn man es mit Ihrer Gründlichkeit
hunderte Male sorgfältig begehen würde?
Auch Ihre ornithologische Periode klang an. Ich denke, es war 1958,
als ich Sie (damals war ich Mitglied des Deutschen Jugendbundes für
Naturbeobachtung) zum ersten Mal amn Speichersee getroffen hatte. Zusammen
mit Uli NEBELSIEK, Malnfred SCHMITT (der seit Jahrzehnten in Johannesburg
lebt, aber noch immer begeisterter Ornithologe geblieben ist), Ingo MÜLLER,
Rainer WÜST (dem Sohn von Walter WÜST) und anderen, sind wir
in diesem Jahren oft jeden zweiten Sonntag nach Ismaning geradelt.
Ich habe es zutieft bedauert, daß gesundheitliche Gründe
Ihr Erscheinen am Samstag Vormittag nicht erlaubt haben. Hoffentlich sind
Sie inzwischen wieder wohlauf! Der Herkulessaal war bis auf den letzten
Platz besetzt (obwohl nur geladene Gäste Einlaß fanden). Die
Gäste alle in festlicher Kleidung, die Akademiemitglieder in ihren
roten Roben und Baretten, mit goldenen Ketten und Stolas (was mich persönlich
eher leicht amüsiert/irritiert. weil es mich eher an eine traditionsverstrickte
Kardinalsversammlung im Vatikan, als an eine Versammlung von modern denkenden
Wissenschaftlern denken läßt). Der Bericht des Präsidenten
hätte besser etwas kürzer sein sollen; er war anstrengend. Zu
Ihrer Ernennung aber gab es dann anhaltenden Applaus und das hat mich
sehr gefreut.
Weil ich zuhause ausländische Gäste warten hatte, mußte
ich schnell nach Hause und konnte nicht sehr lange warten. Trotzdem gelang
es, wenigstens einige Mykologen unter der
Menge auszumachen, die ebenfalls gekommen waren: so die Herren BRESINSKY,
OBERWINKLER, STEGLICH und Frau Triebel.
Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit nochmals sehr herzlich bei
lhnen bedanken. daß Sie über die Jahrzehnte hinweg Ihre so
zahlreichen interessanten Funde der Botanischen Staatssammlung München
zur Aufbewahrung anvertraut haben. Sie sind zu einem höchst wertvollen
Bestandteil unserer Sammlung geworden und wir werden sie sorgsam wahren!
Nun wünsche ich Ihnen eine rasche Wiederherstellung und ein schönes
Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein glückliches, gesundes
Neues Jahr!
Mit sehr herzlichen Grüßen,
Ihr Hannes Hertel"
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