Eine Pilzvergiftung mit Hygrophoropsis aurantiaca
Harry Andersson
Am 24.09.1995 wurde ich telefonisch vom Kreiskrankenhaus A. über
eine mutmaßliche Pilzvergiftung durch Pfifferlinge informiert.
Die Patientin berichtete, daß sie, wie schon seit mehreren Jahren,
nur Pfifferlinge gesammelt habe. Die Pilze sammelte sie in einem Mischwald.
Die Mahlzeit hatte sie zwischen 12.30 - 13.00 Uhr eingenommen. Die Symptome
-Hautkribbeln und -jucken, Übelkeit, Durchfall und leichtes Erbrechen
traten gegen 14.00 Uhr auf. Die in den Zeiten vorher gesammelten "Pfifferlingsmahlzeiten"
waren symptomlos geblieben. Ihr Ehemann und ihre Mutter hatten ebenfalls
an dieser Mahlzeit teilgenommen, fühlten sich aber wohl und zeigten
auch später keine Symptome.
Zur Artbestimmung wurden mir Putzreste roher Fruchtkörper, zubereitete
Pilze sowie Erbrochenes übergeben. Sowohl die makroskopische als
auch die mikroskopische Untersuchung aller Proben ergab, daß es
sich ausschließlich um Hygrophoropsis aurantiaca (Wulf. ex Fr.)R.Mre.
(Falscher Pfifferling) handelte. Die Symptome der Patientin klangen gegen
18.30 Uhr wieder ab.
Die Patientin hat wahrscheinlich seit mehreren Jahren Hygrophoropsis
aurantiaca mit Cantharellus cibarius verwechselt. Flammer & Horak (1983)
führen den falschen Pfifferling unter Pilzindigestion auf. Wegen
der geschilderten Magen-Darm-Symptome in Verbindung mit Hautjucken könnte
es sich hier um eine allergische Reaktion gehandelt haben. Die Gattungen
Paxillus, Hygrophoropsis und Omphalotus bilden die Familie der Paxillaceae.
Hygrophoropsis aurantiaca wird in einigen Pilzbüchern als eßbar
bezeichnet.
Literatur:
FLAMMER,R. & E.HORAK (1983), Giftpilze - Pilzgifte: 34-46.
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