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6. Jahrgang, Nr. 2 (Dezember 1996)
Beilage zur Zeitschrift für Mykologie

DGfM-Mitteilungen

für Pilzsachverständige (Pilzberater),
Mitarbeiter der PILZKARTIERUNG 2000,
pilzkundliche Arbeitsgemeinschaften und Vereine,
sowie für alle DGfM-Mitglieder

 
 

Tagungsbericht von der XIV. Europäischen Cortinarientagung in Hornberg

Andreas Gminder

Vom 21.09. bis 26.09.1996 wurde unter der Leitung von Walter Pätzold in Hornberg zum zweiten Mal nach 1991 die europäische Cortinarientagung durchgeführt. Etwas über 100 Teilnehmer hatten sich angemeldet, wobei rund 20 Personen das angebotene Beiprogramm nützten und weitere 10 Personen zum Tagungspersonal zu rechnen waren. Die verbleibenden 70 eigentlichen Teilnehmer konnten jeden Tag zwischen zwei Exkursionen wählen, die stets in ökologisch identische Gebiete führten.

Nachdem am Samstag die Begrüßung durch Walter Pätzold erfolgte, gefolgt von den Ansprachen des Bürgermeisters der Stadt Hornberg und von German J. Krieglsteiner, sowie die Grußworte von Dr. Schroeter übermittelt wurden, konnte nach der Mittagspause zur ersten Exkursion gestartet werden. Sie führte entweder zum Rendsberg-Moor oder nach Triberg zur "Geutsche", ebenfalls ein saures, sehr feuchtes Gebiet. Die ersten rund 30 Cortinarienarten wurden gefunden, daneben aber auch reichlich interessante "Nicht-Cortinarien". An besonderen Funden erwähnenswert: Cortinarius ionophyllus, Fayodia gracilipes und Mycena atrochalybaea. Nach Fundbearbeitung und Abendessen schloß der Tag mit einem Lichtbildervortrag von Walter Pätzold über Funga, Flora, Geographie und Kultur der Region Mittlerer Schwarzwald.

Die Exkursionen am Sonntag, 22.09., führten in die Gegend um Seedorf und Beschenhof, die wegen ihrer kleinräumigen Verzahnung von Muschelkalk- und Buntsandsteinböden eine sehr abwechslungsreiche und vielfältige Pilzflora bieten. So wurden dann auch alleine auf der Beschenhof-Exkursion über 100 Arten notiert, davon 37 verschiedene Cortinarien! Besonders in Erinnerung blieben mir Clitocybe houghtonii, Hygrophoropsis olida und Cortinarius fragrantior. Vor der Abendpause kommentierte Walter Pätzold die aufgelegten Funde der letzten beiden Tage. Abends zeigte Achim Bollmann einen Lichtbildervortrag über seltene oder problematische Cortinarien der Stuttgarter Gegend, anschließend wurde der nächstjährige Tagungsort Härnösand in Wort und Bild vorgestellt.

Montags ging es dann in die bekannten Weißtannen-Mischwälder auf Muschelkalk. Leider war auch dieses Mal nicht der optimale Cortinarien-Aspekt vorhanden, so fehlten beispielsweise C. atrovirens und caesiocortinatus. Dennoch war die Ausbeute stattlich und die Teilnehmer konnten zufrieden sein. Allein aus Flözlingen wurden über 120 Arten gemeldet, darunter C. cephalixus und melleopallens. Abends fanden wiederum zwei Vorträge statt. Zuerst berichtete Tor Erik Brandrud über seine Forschungsergebnisse in der Variecolores-Gruppe, anschließend zeigte und kommentierte Dr. Imre Rimoczi Verbreitungskarten einiger Cortinarienarten in Ungarn.

Am Dienstag, den 24.09., waren längere Exkursionen an den östlichen Schwarzwaldrand geplant. Es wurden zwei Fichten-Tannen-Wälder auf Muschelkalk besucht, die im Wesentlichen die gleiche Artenzusammensetzung wie die Wälder vom Vortag hatten. Selbstverständlich gab es aber auch einige besondere Funde, wie z. B. Cortinarius haasii oder Scutiger cristatus. Parallel dazu wurde noch eine Auto-Exkursion in die Nähe (Fohrenbühl) angeregt, vor allem für diejenigen, die gerne nochmals ein naß-saures Biotop besuchen und/oder nicht so lange unterwegs sein wollten. Das vorgesehen Programm mußte etwas abgeändert werden, da die beabsichtigte Neugründung der JEC bereits an diesem Tag stattfinden mußte und nicht wie geplant erst am Mittwoch durchgeführt werden konnte. Die Gründungsversammlung nahm einen beträchtlichen Teil des Nachmittags in Anspruch (näheres dazu siehe gesonderten Bericht von W.Pätzold). Am Abend wurde zu einem geselligen Abendessen ins Schloß-Hotel geladen. In gemütlicher Runde, bei Begleitmusik durch Karin Pätzold und Schüler, ließ es sich gut feiern und für manchen wurde es recht spät. Dennoch waren (wie jeden Tag) die ersten Arbeitswilligen bereits um 7.30 Uhr vor der Stadthalle. Überhaupt war es erstaunlich zu beobachten, mit welcher Ausdauer gearbeitet wurde, denn vor 24.00 Uhr konnte die Halle meist nicht geschlossen werden!

Am Mittwoch führten das Ehepaar Doris und Peter Laber die Teilnehmer in das Gebiet zwischen Feldberg und Titisee und stellte u. a. auch eine ihrer Probeflächen vor. Diese Exkursionen brachten wiederum etliche bisher nicht gefundene Arten. Im ersten Gebiet ("Dorneck") wurden über 100 Arten notiert. Besonders hervorheben kann man vielleicht C. balteatoalbus, ochrophyllus, Hebeloma bryogenes und Omphalina oniscus. Einige Privatexkursionen in Richtung Donaueschingen brachten ebenfalls noch interessante Funde(C. corrosus, caesiocanescens, odorifer), die jedoch nicht in der "offiziellen" Fundliste geführt wurden. Am Spätnachmittag wurde wiederum von Walter Pätzold eine allgemeine Fundbesprechung abgehalten. Für den letzten Tag, Donnerstag, waren keine Exkursionen mehr geplant. Viele Teilnehmer reisten bereits an diesem Tag ab, obwohl auch noch am Freitag bis Mittag hätte abgebaut werden können. Nach der offiziellen Verabschiedung um 14.00 Uhr durch Walter Pätzold verliefen sich die restlichen Cortinarienfreunde recht schnell, so daß das Tagungspersonal die Halle bis abends komplett räumen und reinigen konnte.

Insgesamt war die Tagung, so glaube ich, eine rundum gelungene Veranstaltung. Trotz einigen gravierenden, nicht vorhersehbaren Änderungen im Ablauf kam niemals Chaos oder Leerlauf auf. Das fast ständig geöffnete Tagungscafé entwickelte sich schnell zum gemütlichen Treffpunkt, was bei einer derartigen Kuchenauswahl nicht weiters verwunderlich war.

Natürlich war jeder sehr gespannt auf das Pilzaufkommen in der Gegend. Man muß ehrlicherweise zugeben, daß es schon Zeiten mit mehr Pilzen gab, doch konnte letztendlich jeder genügend Interessantes finden, zumal die meisten Teilnehmer nicht unbedingt auf Cortinarien fixiert waren. Insgesamt habe ich im Verlauf der Tagung dann immerhin 95 Cortinarien-Arten notiert, darunter einige noch nicht gültig publizierte, die wunschgemäß nicht in den Fundlisten geführt werden. Insgesamt konnten in den 11 Exkursionen 375 verschiedene Arten gefunden werden, sicherlich kein schlechtes Ergebnis! Dazu käme sicherlich noch die eine oder andere Art, die nicht aufgelegt wurde. Doch muß man an dieser Stelle anmerken, daß die meisten Teilnehmer ihre Funde bereitwillig ausstellten und damit allen zugänglich machten, was nun nicht immer so der Fall ist. Bezüglich der großen Zahl an Funden möchte ich an dieser Stelle auch nochmals all denen danken, die sich die Mühe machten, während der Exkursionen Fundlisten zu schreiben. Besonders auf Dr. Esteri Ohenoja und Dr. Francesco Bellú geht ein großer Teil der Daten zurück. Selbstverständlich werden diese an die DGfM-Kartierung weitergeleitet.

Die mir bekannt gewordenen Funde sind in beigefügter Tabelle (Artenliste) aufgeführt.

   
     
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