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Andreas Gminder
Vom 21.09. bis 26.09.1996 wurde unter der Leitung von Walter Pätzold
in Hornberg zum zweiten Mal nach 1991 die europäische Cortinarientagung
durchgeführt. Etwas über 100 Teilnehmer hatten sich angemeldet,
wobei rund 20 Personen das angebotene Beiprogramm nützten und weitere
10 Personen zum Tagungspersonal zu rechnen waren. Die verbleibenden 70
eigentlichen Teilnehmer konnten jeden Tag zwischen zwei Exkursionen wählen,
die stets in ökologisch identische Gebiete führten.
Nachdem am Samstag die Begrüßung durch Walter Pätzold
erfolgte, gefolgt von den Ansprachen des Bürgermeisters der Stadt
Hornberg und von German J. Krieglsteiner, sowie die Grußworte von
Dr. Schroeter übermittelt wurden, konnte nach der Mittagspause zur
ersten Exkursion gestartet werden. Sie führte entweder zum Rendsberg-Moor
oder nach Triberg zur "Geutsche", ebenfalls ein saures, sehr
feuchtes Gebiet. Die ersten rund 30 Cortinarienarten wurden gefunden,
daneben aber auch reichlich interessante "Nicht-Cortinarien".
An besonderen Funden erwähnenswert: Cortinarius ionophyllus,
Fayodia gracilipes und Mycena atrochalybaea. Nach Fundbearbeitung
und Abendessen schloß der Tag mit einem Lichtbildervortrag von Walter
Pätzold über Funga, Flora, Geographie und Kultur der Region
Mittlerer Schwarzwald.
Die Exkursionen am Sonntag, 22.09., führten in die Gegend um Seedorf
und Beschenhof, die wegen ihrer kleinräumigen Verzahnung von Muschelkalk-
und Buntsandsteinböden eine sehr abwechslungsreiche und vielfältige
Pilzflora bieten. So wurden dann auch alleine auf der Beschenhof-Exkursion
über 100 Arten notiert, davon 37 verschiedene Cortinarien! Besonders
in Erinnerung blieben mir Clitocybe houghtonii, Hygrophoropsis
olida und Cortinarius fragrantior. Vor der Abendpause kommentierte
Walter Pätzold die aufgelegten Funde der letzten beiden Tage. Abends
zeigte Achim Bollmann einen Lichtbildervortrag über seltene oder
problematische Cortinarien der Stuttgarter Gegend, anschließend
wurde der nächstjährige Tagungsort Härnösand in Wort
und Bild vorgestellt.
Montags ging es dann in die bekannten Weißtannen-Mischwälder
auf Muschelkalk. Leider war auch dieses Mal nicht der optimale Cortinarien-Aspekt
vorhanden, so fehlten beispielsweise C. atrovirens und caesiocortinatus.
Dennoch war die Ausbeute stattlich und die Teilnehmer konnten zufrieden
sein. Allein aus Flözlingen wurden über 120 Arten gemeldet,
darunter C. cephalixus und melleopallens. Abends fanden
wiederum zwei Vorträge statt. Zuerst berichtete Tor Erik Brandrud
über seine Forschungsergebnisse in der Variecolores-Gruppe,
anschließend zeigte und kommentierte Dr. Imre Rimoczi Verbreitungskarten
einiger Cortinarienarten in Ungarn.
Am Dienstag, den 24.09., waren längere Exkursionen an den östlichen
Schwarzwaldrand geplant. Es wurden zwei Fichten-Tannen-Wälder auf
Muschelkalk besucht, die im Wesentlichen die gleiche Artenzusammensetzung
wie die Wälder vom Vortag hatten. Selbstverständlich gab es
aber auch einige besondere Funde, wie z. B. Cortinarius haasii
oder Scutiger cristatus. Parallel dazu wurde noch eine Auto-Exkursion
in die Nähe (Fohrenbühl) angeregt, vor allem für diejenigen,
die gerne nochmals ein naß-saures Biotop besuchen und/oder nicht
so lange unterwegs sein wollten. Das vorgesehen Programm mußte etwas
abgeändert werden, da die beabsichtigte Neugründung der JEC
bereits an diesem Tag stattfinden mußte und nicht wie geplant erst
am Mittwoch durchgeführt werden konnte. Die Gründungsversammlung
nahm einen beträchtlichen Teil des Nachmittags in Anspruch (näheres
dazu siehe gesonderten Bericht von W.Pätzold). Am Abend wurde zu
einem geselligen Abendessen ins Schloß-Hotel geladen. In gemütlicher
Runde, bei Begleitmusik durch Karin Pätzold und Schüler, ließ
es sich gut feiern und für manchen wurde es recht spät. Dennoch
waren (wie jeden Tag) die ersten Arbeitswilligen bereits um 7.30 Uhr vor
der Stadthalle. Überhaupt war es erstaunlich zu beobachten, mit welcher
Ausdauer gearbeitet wurde, denn vor 24.00 Uhr konnte die Halle meist nicht
geschlossen werden!
Am Mittwoch führten das Ehepaar Doris und Peter Laber die Teilnehmer
in das Gebiet zwischen Feldberg und Titisee und stellte u. a. auch eine
ihrer Probeflächen vor. Diese Exkursionen brachten wiederum etliche
bisher nicht gefundene Arten. Im ersten Gebiet ("Dorneck") wurden
über 100 Arten notiert. Besonders hervorheben kann man vielleicht
C. balteatoalbus, ochrophyllus, Hebeloma bryogenes
und Omphalina oniscus. Einige Privatexkursionen in Richtung Donaueschingen
brachten ebenfalls noch interessante Funde(C. corrosus, caesiocanescens,
odorifer), die jedoch nicht in der "offiziellen" Fundliste
geführt wurden. Am Spätnachmittag wurde wiederum von Walter
Pätzold eine allgemeine Fundbesprechung abgehalten. Für den
letzten Tag, Donnerstag, waren keine Exkursionen mehr geplant. Viele Teilnehmer
reisten bereits an diesem Tag ab, obwohl auch noch am Freitag bis Mittag
hätte abgebaut werden können. Nach der offiziellen Verabschiedung
um 14.00 Uhr durch Walter Pätzold verliefen sich die restlichen Cortinarienfreunde
recht schnell, so daß das Tagungspersonal die Halle bis abends komplett
räumen und reinigen konnte.
Insgesamt war die Tagung, so glaube ich, eine rundum gelungene Veranstaltung.
Trotz einigen gravierenden, nicht vorhersehbaren Änderungen im Ablauf
kam niemals Chaos oder Leerlauf auf. Das fast ständig geöffnete
Tagungscafé entwickelte sich schnell zum gemütlichen Treffpunkt,
was bei einer derartigen Kuchenauswahl nicht weiters verwunderlich war.
Natürlich war jeder sehr gespannt auf das Pilzaufkommen in der
Gegend. Man muß ehrlicherweise zugeben, daß es schon Zeiten
mit mehr Pilzen gab, doch konnte letztendlich jeder genügend Interessantes
finden, zumal die meisten Teilnehmer nicht unbedingt auf Cortinarien fixiert
waren. Insgesamt habe ich im Verlauf der Tagung dann immerhin 95 Cortinarien-Arten
notiert, darunter einige noch nicht gültig publizierte, die wunschgemäß
nicht in den Fundlisten geführt werden. Insgesamt konnten in den
11 Exkursionen 375 verschiedene Arten gefunden werden, sicherlich kein
schlechtes Ergebnis! Dazu käme sicherlich noch die eine oder andere
Art, die nicht aufgelegt wurde. Doch muß man an dieser Stelle anmerken,
daß die meisten Teilnehmer ihre Funde bereitwillig ausstellten und
damit allen zugänglich machten, was nun nicht immer so der Fall ist.
Bezüglich der großen Zahl an Funden möchte ich an dieser
Stelle auch nochmals all denen danken, die sich die Mühe machten,
während der Exkursionen Fundlisten zu schreiben. Besonders auf Dr.
Esteri Ohenoja und Dr. Francesco Bellú geht ein großer Teil
der Daten zurück. Selbstverständlich werden diese an die DGfM-Kartierung
weitergeleitet.
Die mir bekannt gewordenen Funde sind in beigefügter Tabelle
(Artenliste) aufgeführt.
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