W. Herzig Apolda (Ausschnitte):
"1. Meine Meinung zum Leserbrief J.Schliemann:
... Die Zerfallsprodukte der Kernfusion und deren Transport im Wasser
tun ihr übriges. Das Meerwasser ist voller Leben, aber dort nun nicht
mehr. Hat der Herr schon mal was von Ökosystem und Biozönose
gehört?
2. zu Prof.Heyke:
A) ... Ein drastischer Stil muß jedoch nicht gleich schlecht sein.
Die Erkenntnis über die Notwendigkeit desselben liegt 100 Jahre zurück,
oder kennen Sie Heinrich Heine nicht?
B) Ein Boulevard-Blättchen wird sich kaum für ökologische
Probleme interessieren.
C) Irrtum Ihrerseits: Einen besseren Informations- und Pressewart können
wir uns nicht wünschen.
D) Wenn Sie drei Kernfusionen in freier Natur in einer relativ kurzen
Periode nicht als Umweltproblem erkennen, frage ich mich, was das sonst
ist. Wenn der atomare Holocaust erst da ist, den man mit einer liberalen
Haltung fördert, brauchen wir uns über "Umweltprobleme"
nicht mehr zu unterhalten.
E) Warum fühlen Sie sich bedroht? Die sogenannten "hysterischen,
neurotischen und sektiererischen Strömungen" sind weiter nichts
als der Gegendruck der Bürger wegen einer ungesunden Politik. Das
wird nicht zur "kollektiven Psychose" führen. ..."
A. Bollmann, Stuttgart:
"Da haben Sie ja einiges einstecken müssen an polemischer
Kritik. Ich hoffe, es wirft Sie nicht um!"
P. Reil, Bösingen:
"Ihr damaliges 'Atom-Editorial' empfand ich als Äußerung
eines Natur-Liebenden über die ihm und vielen anderen (auch ganzer
Staaten) gefährlich und sinnlos erscheinenden Atomtests. Es ist ein
legitimes Recht seine Meinung frei zu äußern, auch (oder gerade)
in einer Fachzeitschrift.
Daß nicht jeder mit selbiger Meinung einverstanden ist, dies auch
in Leserbriefen äußert, ist genauso in Ordnung.
Jedoch vermisse ich bei einigen Zuschriften die Sachlichkeit, die fachlichen
Argumente. Zu schnell werden statt dessen Vokabeln wie untragbar, geringe
Kenntnis, neurotisch, hysterisch, .... gebraucht. Der Ruf nach dem von
oben verordneten Maulkorb wird laut, der Pressewart soll nur das äußern
was (wem?) gefällt, oder nur was unverfänglich scheint. Die
DGfM solle auf ihn verzichten. (Ob der Leserbriefschreiber auch bereit
wäre, den Posten mitsamt den anfallenden Arbeiten zu übernehmen?).
Ich jedenfalls kann und will mir eine "meinungsfreie" Zeitschrift
für Mykologie nicht vorstellen. Ich muß nicht mit allen Äußerungen
konform gehen, auch im fachlichen Teil nicht! Wissenschaft wird schließlich
durch These und Antithese lebendig. Dadurch gibt es Bewegung und Fortkommen.
Die "Gelben Seiten" sind ein wichtiges Forum für den
Meinungsaustausch unter den Mitgliedern und müssen es auch bleiben.
Machen Sie weiterhin Ihre Arbeit so gut und engagiert wie bisher, Herr
Ebert. ...
...ganz persönlich bin ich der Ansicht, daß Sie Ihre Arbeit
sehr gut machen. Es wird immer Leute geben, die einen persönlich
angreifen und diffamieren, weil sie mit irgend etwas nicht einverstanden
sind, was man geäußert hat. ... Ich wünsche Ihnen, daß
Sie sich nicht davon abbringen lassen, Ihren eingeschlagenen Weg weiter
zu gehen."
N.Heine, Grund:
"...weiterhin...Mut zur persönlichen Meinungsäußerung!
Auch und gerade wenn die dargebotenen persönlichen Meinungen und
Ausdrucksformen keine ungeteilte Zustimmung finden (so wie es Herr J.Schliemann,
Aumühle/Hamburg gerne hätte).
Nur so können doch konstruktive Diskussionen entfacht werden! Folglich
ist nicht Ihr Beitrag das "Ärgernis", sondern viel eher
die von Arroganz und Zynismus geprägte Entgleisung des Herrn Prof.Heyke."
Anmerkung des Schriftleiters:
Um die Diskussion über Atomtests, Meinungsfreiheit, aber auch
zu meiner Person zum Abschluß zu bringen, zitiere ich zwei Meldungen,
die erste aus verschiedenen Nachrichtensendungen deutscher Fernseh-anstalten:
"Am 13.01.1996, eine Woche vor dem Besuch des französischen
Präsidenten Chirac im Vatikan, spricht sich der Pabst öffentlich
gegen Atomversuche aus, ohne allerdings ein bestimmtes Land zu nennen."
Ich befand mich also mit meiner Meinung nicht in "schlechter
Gesellschaft".
Die zweite Meldung entnehme ich einer Schlagzeile der Zeitschrift
GEO, Heft 8/1996:
"112 Journalisten wurden 1995 weltweit wegen ihrer Berichterstattung
inhaftiert und 50 ermordet."
So gesehen, und in Anbetracht meiner einstimmigen Wiederwahl in der
Mitgliederversammlung am 5. Oktober in Bad Mergentheim, bin ich doch ganz
gut "weggekommen", oder?
Heinz-J. Ebert
Zum Thema "Entlohnung für Pilzsachverständige":
W.Herzig, Apolda:
Auch ich habe mich in der Giftnotrufzentrale Jena eintragen lassen und
wäre froh, wenn bei einem eventuellen, aber nicht erhofften Einsatz
eine genau berechnete Aufwandsentschädigungsrechnung erfolgte. Wenn
allerdings manche Leute vorher zu uns kommen, wäre das für sie
wesentlich billiger und gesünder. Ich habe jedenfalls die Feststellung
gemacht, daß die Trinkgelder bei der Pilzberatung proportional mit
der gefundenen Menge an Giftpilzen im Korb stehen.
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