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  DGfM -> Publications -> DGfM-Mittlg -> Dezember 1996 -> myk. Provinz
   
   
 

6. Jahrgang, Nr. 2 (Dezember 1996)
Beilage zur Zeitschrift für Mykologie

DGfM-Mitteilungen

für Pilzsachverständige (Pilzberater),
Mitarbeiter der PILZKARTIERUNG 2000,
pilzkundliche Arbeitsgemeinschaften und Vereine,
sowie für alle DGfM-Mitglieder

 
 

Bericht aus der mykologischen Provinz 4

Heinz-J. Ebert

Bereits seit dem Jahre 1993 schreibt unser Mitglied Egon FÖHR in der Jahresschrift DENDROCOPOS - Faunistik, Floristik und Naturschutz im Regierungsbezirk Trier, über die Pilzvorkommen im Raum Trier. Seit Mitte der achziger Jahre wurden von ihm die Makromyceten in der Stadt Trier erfaßt, bestimmt, belegt und kartiert. Bei der Nomenklatur richtet er sich nach Krieglsteiner, Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands. In den bisher vier erschienenen Folgen wurden folgende Arten auch mit SW-Foto und Mikrozeichnung dokumentiert: Crepidotus cesatii, Rickenella setipes, Coprinus nudiceps, Lepiota pseudofelina, L. subincarnata, Mitrula paludosa, Otidea onotica, Cordyceps gracilis, Melanotus horizontalis, Hymenoscyphus imberbis.

Bisher wurden Checklisten der Boletales, Agaricales, Russulales, Aphyllophorales, Auriculariales, Tremellales, Dacryomycetales, Gastromycetidae, Ascomycetes (1. Teil) behandelt.

Herausgeber von Dendrocopos sind die NABU-Ortsgruppe Saarburg und die GNOR-Arbeitskreise Trier und Eifel. Bezugsadresse für Interessenten: Gerhard Appa, Brückenstr.6, 54329 Konz.

Schon im März des Jahre erschien, herausgegeben von unsrer Arbeitsgemeinschaft Mykologie Ostwürttemberg (AMO) der Band X der BEITRÄGE ZUR KENNTNIS DER PILZE MITTELEUROPAS.

Der Band gliedert sich in vier Abschnitte:

-baden-württembergische Mykologen der Vergangenheit,
-taxonomische Studien,
-Tätigkeiten der AMO und Projekt Großpilze Baden-Württembergs und
-Naturlehrpfade.

Im ersten Abschnitt wird auf Leben und mykologische Tätigkeit von DGfP-Mitglied Karl MAY (1901-1956), sowie von Johann Simon KERNER (1755-1838) eingegangen.

Im taxonomischen Abschnitt setzt zunächst M.ENDERLE seine Psathyrella-Studien fort und beschreibt P.agraria ad int., P.artemisiae, P.fagetophila nov.sp.(=P.murcida ss.auct.), P.fulvescens, P.cortinarioides (=P.frustulenta ss.auct.europ.), P.kauffmanii und P.cf.lacuum. Sodann vergleichen A.GMINDER und M.ENDERLE anhand von Typusstudien und mehrerer Aufsammlungen von Entoloma lepidissimum und beschreiben die neue Varietät pauciangulatum. Im nächsten Beitrag beleuchtet R.KÄRCHER in der Fortsetzung der von ihm und Dr.D.SEIBT begonnenen Russula-Studien den Formenkreis um die Grünen Heringstäublinge, die in eine Nadelwald- und zwei Laubwaldarten unterteilt werden müssen. Die teils neuen Namen lauten R.clavipes, R.cicatricata und R.schaefferi. Es folgen gleich drei Beiträge von G.J.KRIEGLSTEINER, der in jedem der vier Abschnitte dieses Bandes weitere, insgesamt sechs Beiträge schrieb. Unter dem Titel "Was ist Pleurotellus chioneus" stellt er die im Verbreitungsatlas fehlende Gattung vor und macht zunächst auf einen Fehler im Gattungsschlüssel der Kleinen Kryptogamenflora von MOSER aufmerksam, der Grund für fehlende Fundmeldungen von Pleurotellus sein dürfte: sowohl Pleurotellus, als auch die Gattung Ripartites werden nach dem Merkmal "Sporenpulver rosa" ausgeschlüsselt, wobei deren Sporen aber in Wirklichkeit bräunlich sind. Nach einem ausführlichen Studium der Gattung Pleurotellus in der Literatur spekuliert er schließlich über Verwandschaftsbeziehungen zwischen den Cortinariaceae (incl.Crepidotaceae) und den Entolomataceae. In seinem nächsten Beitrag "Über Sinn und Unsinn taxonomischen Fixierens" betont KRIEGLSTEINER erneut die Bedeutungslosigkeit der Publikation einer "forma", die von vielen Taxonomen zu rasch und leichtfertig emendiert werden. Dies belegt er unter anderem auch durch einen Vergleich mit der Phanerogamenbotanik. In der Exkursionsflora von OBERDORFER sind in der Gattung Hieracium (Habichtskräuter) außer "Arten" auch noch Kleinarten, Unterarten und Zwischenarten ausgeschlüsselt, ohne daß die Variabilität einer Art erkannt oder anerkannt wird. In der Natur kommen mitunter alle an ein und dem selben Standort vor, ein Chaos entsteht, wenn dann eine Bestimmung vorgenommen werden soll. In "Skizzen zur Ökologie des Judasohrs in Baden-Württemberg" werden die gesammelten Daten statistisch ausgewertet, eine Mikrozeichnung unseres neuen Ehrenmitgliedes Frau Dr.MASER ergänzt den Beitrag, und Ökologie, Phänologie und sonstige wichtige Fragen werden ausführlich behandelt. Der Substratliste könnte der Rezensent noch einen Fund auf Laburnum vulgare (Goldregen) aus Rheinland-Pfalz hinzufügen. Nach den Beiträgen unseres Ehrenvorsitzenden folgt ein solcher des Vorsitzenden, Dr.H.SCHMID, "Pilzartenrückgang - Fiktion oder Realität? Durch Vergleich des Artenaufkommens eines mykologisch gut untersuchten NSG aus der Zeit von 1970-1988 mit dem darauf folgenden Zeitraum 1989-1993 errechnet er einen Artenrückgang von erschreckenden 45 %. Uns bleibt nur die Hoffnung, daß der Vergleichszeitraum zu kurz war, um eine gesicherte Aussage zu treffen. K.SIEPE in seinem Beitrag "Über einige seltene oder neue Ascomyceten in BW" beschreibt und dokumentiert Hyaloscypha vitreola, Trochila laurocerasi, Ophiobolus rudis und Schizothecium conicum. Der bekannte Pyrenomycetenexperte, Dr.H.WALDNER, beschreibt und dokumentiert Ophiobolus acuminatus.

Im 3.Abschnitt des Bandes folgen Buchbesprechungen, eine ausführliche Darstellung des Projekts "Die Großpilze Baden-Württembergs" von G.J.KRIEGLSTEINER, und ein Beitrag von A.KAISER, der auf vergangene und zukünftige Tätigkeiten der AMO eingeht. Demnach weht dort nun ein anderer Wind, denn wie anders sind folgende Sätze zu verstehen: "Die Zeiten, in denen er (Krieglsteiner) sich ... abmühte, einer großen Zahl passiver "Pilzfreunde" einen interessanten Tag zu organisieren, sind nun vorbei." - "Krieglsteiner mußte nach 20 Jahren AMO erkennen, daß es ... wenig Sinn macht, seine Kräfte weiterhin denen zu widmen, die sich lediglich ein- bis dreimal im Jahr einen angenehmen Tag machen wollen ... ." In diesem Zusammenhang ist die Rede von "unverantwortlicher Zeitvergeudung", und daß "es keinen Zweck hat, ständig Hunde zum Jagen zu tragen, die es dann aber doch vorziehen, lieber nicht zu jagen ...", sowie daß Krieglsteiner darauf verzichte, "solche Zeitgenossen weiterhin auf die Liste der Mitarbeiter zu setzen, selbst dann, wenn es sich um gute Pilzkenner handelt."

Dies ist die Radikal-Lösung eines Problemes, unter dem jeder Verein, jede Arbeitsgemeinschaft leidet: die Inaktivität einzelner Mitglieder, die sich vielleicht überfordert fühlen, die vielleicht wirklich keine Lust haben, oder für die eben andere Dinge des Lebens (Familie, Beruf usw.) Priorität haben. Vielleicht ist die AMO die erste Vereinigung, die solche Mitglieder ausschließt. Im letzten Beitrag dieses Bandes "Paradigmenwechsel. Ein Aufruf zum Thema Naturlehrpfade in Mitteleuropa" stellt G.J.KRIEGLSTEINER "sinnvolle" und "völlig unsinnige" Projekte dieser Art gegenüber. Er stellt im Einzelnen dar, wie die Naturlehrpfade der Zukunft auszusehen haben. Wichtig sei es dabei, die Natur und ihre vielfältigen Zusammenhänge zu erklären und nicht den Nutzen, den Profit, welcher mit der anthropogenen Bewirtschaftung erzielt werden kann. In diesem Beitrag wird deutlich, wie wenig KRIEGLSTEINER "nur" die Pilze sieht, sondern vielmehr das Gesamtgefüge. Aus naturschutzpolitischer Sicht handelt es sich um den wichtigsten Beitrag des Bandes X. Er sollte den Naturschutzverbänden und Behörden aller Art (Forst, Fremdenverkehr, Naturschutz) zur Verfügung gestellt und bekannt gemacht werden.

Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, daß in diesem Band insgesamt 23 Pilzarten farbig abgebildet sind.

Es wurde bereits auf die Vereinsmitteilungen der Pilzfreunde Südhessen Sulzbach e.V. hingewiesen, von denen anläßlich des 10-jährigen Vereinsjubiläums ein zweites, 98 Seiten starkes Sonderheft erschienen ist. Mit 13 - größtenteils eingeklebten - Farbfotos ist der Preis von 10,-DM durchaus gerechtfertigt. Nach Grußworten des Vorsitzenden H.Sandau und des DGfM-Ehrenvorsitzenden folgen acht zum Teil größere Beiträge. W.HÜTTER schreibt über seine Beschäftigung mit Myxomycetes. In seinem Beitrag "Drei seltene Blätterpilze mit auffälligem Mehlgeruch" beschreibt und dokumentiert W.POHL Ossicaulis (Clitocybe) lignatilis, Hohenbuehelia grisea und Calocybe constricta. In "Die Taunus-Boletus-Story" beschreibt K.PHILIPP einen Dickröhrling, der Boletus luridiformis nahesteht, aber kein blauendes Fleisch hat. Es folgt ein Beitrag von M.ENDERLE "Bemerkenswerte Agaricales Funde XIII. 33. Beitrag zur Kenntnis der Ulmer Pilzflora." Vier Arten, Galerina autumnalis, Laccaria laccata var. pallidifolia, Tephrocybe inolens und Tephrocybe mephitica werden mit Farbfotos und Mikrozeichnungen dokumentiert sowie ausführlich beschrieben. In dem danach folgenden Beitrag "Der Milchbrätling (Lactarius volemus Fr.) sowie die beiden heimischen Brätlingstäublinge (Russula amoena Quél. und R.violeipes Quél.)" geht R.KÄRCHER zunächst auf den deutlichen Rückgang des Milchbrätlings ein, der aus "eifeler Sicht" nur bestätigt werden kann. Sodann beschreibt er die ökologische, chemische und mikroskopische Unterscheidung der beiden Brätlingstäublinge. Sodann gibt er einen Bestimmungsschlüssel zu der Subsektion Virescentinae. Ausführliche Mikrozeichnungen schließen sich dem Beitrag an. H. SANDAU schließt sich mit dem Beitrag "Die Pilzflora des Eichwaldes in der Gemarkung Sulzbach/Ts. sowie dessen unmittelbarer Umgebung." an. Es handelt sich um eine Checkliste von 290 Arten mit dazugehörigen Synonymen und ökologischen Angaben, die im Erfassungszeitraum von Mai 1994 bis November 1995 notiert, zum Teil auch belegt und dokumentiert worden sind. Anschließend folgt ein Beitrag von H.EBERT, "§ 324 a StGB, Strafrechtlicher Schutz des Bodens", der auf der Jubiläumstagung der DGfM im Mai 1996 bereits als Vortrag gehalten worden war. Interessenten wenden sich an die Schriftleitung des Heftes: Karl Schreiter, Libellenweg 94, 60259 Frankfurt am Main.

Erst kürzlich war die Geburtsstunde einer neuen mykologischen Zeitschrift: MYCOLOGIA BAVARICA, Bavarian Journal of Mykology. Nach einer Einführung von Prof.Dr.R.Agerer, der eine weitere mykologische Zeitschrift ausdrücklich rechtfertigt, folgen neun Fachaufsätze nicht nur bayerischer Autoren. Es wird auch darauf hingewiesen, daß Arbeiten zur Taxonomie, Systematik, Morphologie, Ökologie und Floristik der Pilze veröffentlicht werden, wobei die bayerische Pilzflora schwerpunktmäßig, aber nicht ausschließlich berücksichtigt werden soll. Das Heft erscheint "bis auf weiteres" einmal im Jahr und kostet 25,-DM. Mit 10 Farbfotos werden 11 Arten dokumentiert. Von der in Ausbreitung befindliche Stropharia aurantiaca wird durch P.KARASCH der bayerische Erstfund beschrieben. Danach folgt "Ein Frühlingsfund von Omphalina cyanophila" von R.Boesmiller ausführlich beschrieben und dokumentiert, sowie mit weiteren Funden verglichen. "Leucoagaricus carneifolius, ein seltener und kritischer Egerlingsschirmling" wird von H.GRÜNERT beschrieben, dokumentiert und zu L densifolius abgegrenzt. E.GARNWEIDNER beschreibt "Hebelomina neerlandica - Erstfund für Deutschland." Die Art wird auch ausführlich dokumentiert. Nun folgt ein Beitrag unseres neuen Ricken-Preisträgers J.CHRISTAN: "Einführung in die Gattung Ramaria I". Eine unterschiedliche Interpretation der Einteilungen von CORNER (1970), MARR & STUNZ (1973), PETERSEN (1975, 1983) sowie SCHILD (1995) wird aufgezeigt und diskutiert. In Teil I einer vorgesehenen Serie "Porlinge zwischen Inn und Salzach - eine Zwischenbilanz nach dreißig Jahren" beschreibt T.R.LOHMEYER seine Funde der Hymenochaetaceae mit den Gattungen Coltricia, Inonotus, Onnia und Phellinus. Grundlage und Ursprung dieser Arbeit ist eine Teilnahme von LOHMEYER am Wettbewerb "Jugend forscht" im Jahre 1969, die von Dr.H.JAHN seinerzeit wissenschaftlich betreut worden war. Nach der Einführung und der Vorstellung des Gebietes folgen Beschreibungen und teils Dokumentationen von 27 Arten der v.g. Gattungen. Danach wird ein deutscher Erstfund von Gyromitra (Discina) spinosospora beschrieben von A.KOCH, J.CHRISTAN und T.R.LOHMEYER. Eine Umkombination von Discina in Gyromitra war durchzuführen, weil die beiden Gattungen nicht voneinander abzugrenzen sind. Im Anschluß folgt die Beschreibung eines bayerischen Erstfundes von Sowerbyella rhenana durch G.BAUER. Die schöne Art, die bei KRIEGLSTEINER nur dreimal gepunktet ist, wurde 1995 auch in der Eifel nachgewiesen, ebenfalls in einem Buchenwald, auf Basalt-/ Lavaboden. Vermutlich werden die Fk. von vielen Mykologen am Standort als banale Aleuria angesprochen. Im letzten Beitrag dieses ersten Heftes beschreibt und dokumentiert W.DÄMON einen "Fund von Pseudombrophila guldeniae in den Hohen Tauern", wo die Art zusammen mit Byssonectria terrestris nachgewiesen wurde.

Den Herausgebern ist zu dem 64 Seiten starken ersten Heft zu gratulieren. Eine solche Qualität wurde noch nie gleich am Anfang erreicht.

Wichtiger Hinweis: Nach Mitteilung des Schriftleiters der APN-Mitteilungsblätter sind fast alle Hefte dieser mykologischen Zeitschrift in Restbeständen vorhanden. Bestellung bei:

Ewald Kajan, Maxstr.9, D-47166 Duisburg, Tel.: 0203-559567. Lieferung nur solange Vorrat reicht, ein Nachdruck ist nicht vorgesehen.

   
     
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