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Bericht aus der mykologischen Provinz 4
Heinz-J. Ebert
Bereits seit dem Jahre 1993 schreibt unser Mitglied Egon FÖHR
in der Jahresschrift DENDROCOPOS - Faunistik, Floristik und Naturschutz
im Regierungsbezirk Trier, über die Pilzvorkommen im Raum Trier.
Seit Mitte der achziger Jahre wurden von ihm die Makromyceten in der Stadt
Trier erfaßt, bestimmt, belegt und kartiert. Bei der Nomenklatur
richtet er sich nach Krieglsteiner, Verbreitungsatlas der Großpilze
Deutschlands. In den bisher vier erschienenen Folgen wurden folgende Arten
auch mit SW-Foto und Mikrozeichnung dokumentiert: Crepidotus cesatii,
Rickenella setipes, Coprinus nudiceps, Lepiota pseudofelina, L. subincarnata,
Mitrula paludosa, Otidea onotica, Cordyceps gracilis, Melanotus horizontalis,
Hymenoscyphus imberbis.
Bisher wurden Checklisten der Boletales, Agaricales, Russulales, Aphyllophorales,
Auriculariales, Tremellales, Dacryomycetales, Gastromycetidae, Ascomycetes
(1. Teil) behandelt.
Herausgeber von Dendrocopos sind die NABU-Ortsgruppe
Saarburg und die GNOR-Arbeitskreise Trier und Eifel. Bezugsadresse
für Interessenten: Gerhard Appa, Brückenstr.6, 54329 Konz.
Schon im März des Jahre erschien, herausgegeben von unsrer Arbeitsgemeinschaft
Mykologie Ostwürttemberg (AMO) der Band X der BEITRÄGE
ZUR KENNTNIS DER PILZE MITTELEUROPAS.
Der Band gliedert sich in vier Abschnitte:
-baden-württembergische Mykologen der Vergangenheit,
-taxonomische Studien,
-Tätigkeiten der AMO und Projekt Großpilze Baden-Württembergs
und
-Naturlehrpfade.
Im ersten Abschnitt wird auf Leben und mykologische Tätigkeit von
DGfP-Mitglied Karl MAY (1901-1956), sowie von Johann Simon KERNER
(1755-1838) eingegangen.
Im taxonomischen Abschnitt setzt zunächst M.ENDERLE seine
Psathyrella-Studien fort und beschreibt P.agraria ad int., P.artemisiae,
P.fagetophila nov.sp.(=P.murcida ss.auct.), P.fulvescens, P.cortinarioides
(=P.frustulenta ss.auct.europ.), P.kauffmanii und P.cf.lacuum. Sodann
vergleichen A.GMINDER und M.ENDERLE anhand von Typusstudien
und mehrerer Aufsammlungen von Entoloma lepidissimum und beschreiben die
neue Varietät pauciangulatum. Im nächsten Beitrag beleuchtet
R.KÄRCHER in der Fortsetzung der von ihm und Dr.D.SEIBT
begonnenen Russula-Studien den Formenkreis um die Grünen Heringstäublinge,
die in eine Nadelwald- und zwei Laubwaldarten unterteilt werden müssen.
Die teils neuen Namen lauten R.clavipes, R.cicatricata und R.schaefferi.
Es folgen gleich drei Beiträge von G.J.KRIEGLSTEINER, der
in jedem der vier Abschnitte dieses Bandes weitere, insgesamt sechs Beiträge
schrieb. Unter dem Titel "Was ist Pleurotellus chioneus" stellt
er die im Verbreitungsatlas fehlende Gattung vor und macht zunächst
auf einen Fehler im Gattungsschlüssel der Kleinen Kryptogamenflora
von MOSER aufmerksam, der Grund für fehlende Fundmeldungen
von Pleurotellus sein dürfte: sowohl Pleurotellus, als auch die Gattung
Ripartites werden nach dem Merkmal "Sporenpulver rosa" ausgeschlüsselt,
wobei deren Sporen aber in Wirklichkeit bräunlich sind. Nach einem
ausführlichen Studium der Gattung Pleurotellus in der Literatur spekuliert
er schließlich über Verwandschaftsbeziehungen zwischen den
Cortinariaceae (incl.Crepidotaceae) und den Entolomataceae. In seinem
nächsten Beitrag "Über Sinn und Unsinn taxonomischen Fixierens"
betont KRIEGLSTEINER erneut die Bedeutungslosigkeit der Publikation
einer "forma", die von vielen Taxonomen zu rasch und leichtfertig
emendiert werden. Dies belegt er unter anderem auch durch einen Vergleich
mit der Phanerogamenbotanik. In der Exkursionsflora von OBERDORFER
sind in der Gattung Hieracium (Habichtskräuter) außer "Arten"
auch noch Kleinarten, Unterarten und Zwischenarten ausgeschlüsselt,
ohne daß die Variabilität einer Art erkannt oder anerkannt
wird. In der Natur kommen mitunter alle an ein und dem selben Standort
vor, ein Chaos entsteht, wenn dann eine Bestimmung vorgenommen werden
soll. In "Skizzen zur Ökologie des Judasohrs in Baden-Württemberg"
werden die gesammelten Daten statistisch ausgewertet, eine Mikrozeichnung
unseres neuen Ehrenmitgliedes Frau Dr.MASER ergänzt den Beitrag,
und Ökologie, Phänologie und sonstige wichtige Fragen werden
ausführlich behandelt. Der Substratliste könnte der Rezensent
noch einen Fund auf Laburnum vulgare (Goldregen) aus Rheinland-Pfalz hinzufügen.
Nach den Beiträgen unseres Ehrenvorsitzenden folgt ein solcher des
Vorsitzenden, Dr.H.SCHMID, "Pilzartenrückgang - Fiktion
oder Realität? Durch Vergleich des Artenaufkommens eines mykologisch
gut untersuchten NSG aus der Zeit von 1970-1988 mit dem darauf folgenden
Zeitraum 1989-1993 errechnet er einen Artenrückgang von erschreckenden
45 %. Uns bleibt nur die Hoffnung, daß der Vergleichszeitraum zu
kurz war, um eine gesicherte Aussage zu treffen. K.SIEPE in seinem
Beitrag "Über einige seltene oder neue Ascomyceten in BW"
beschreibt und dokumentiert Hyaloscypha vitreola, Trochila laurocerasi,
Ophiobolus rudis und Schizothecium conicum. Der bekannte Pyrenomycetenexperte,
Dr.H.WALDNER, beschreibt und dokumentiert Ophiobolus acuminatus.
Im 3.Abschnitt des Bandes folgen Buchbesprechungen, eine ausführliche
Darstellung des Projekts "Die Großpilze Baden-Württembergs"
von G.J.KRIEGLSTEINER, und ein Beitrag von A.KAISER, der
auf vergangene und zukünftige Tätigkeiten der AMO
eingeht. Demnach weht dort nun ein anderer Wind, denn wie anders sind
folgende Sätze zu verstehen: "Die Zeiten, in denen er (Krieglsteiner)
sich ... abmühte, einer großen Zahl passiver "Pilzfreunde"
einen interessanten Tag zu organisieren, sind nun vorbei." - "Krieglsteiner
mußte nach 20 Jahren AMO erkennen, daß es ... wenig Sinn macht,
seine Kräfte weiterhin denen zu widmen, die sich lediglich ein- bis
dreimal im Jahr einen angenehmen Tag machen wollen ... ." In diesem
Zusammenhang ist die Rede von "unverantwortlicher Zeitvergeudung",
und daß "es keinen Zweck hat, ständig Hunde zum Jagen
zu tragen, die es dann aber doch vorziehen, lieber nicht zu jagen ...",
sowie daß Krieglsteiner darauf verzichte, "solche Zeitgenossen
weiterhin auf die Liste der Mitarbeiter zu setzen, selbst dann, wenn es
sich um gute Pilzkenner handelt."
Dies ist die Radikal-Lösung eines Problemes, unter dem jeder Verein,
jede Arbeitsgemeinschaft leidet: die Inaktivität einzelner Mitglieder,
die sich vielleicht überfordert fühlen, die vielleicht wirklich
keine Lust haben, oder für die eben andere Dinge des Lebens (Familie,
Beruf usw.) Priorität haben. Vielleicht ist die AMO die erste Vereinigung,
die solche Mitglieder ausschließt. Im letzten Beitrag dieses Bandes
"Paradigmenwechsel. Ein Aufruf zum Thema Naturlehrpfade in Mitteleuropa"
stellt G.J.KRIEGLSTEINER "sinnvolle" und "völlig
unsinnige" Projekte dieser Art gegenüber. Er stellt im Einzelnen
dar, wie die Naturlehrpfade der Zukunft auszusehen haben. Wichtig sei
es dabei, die Natur und ihre vielfältigen Zusammenhänge zu erklären
und nicht den Nutzen, den Profit, welcher mit der anthropogenen Bewirtschaftung
erzielt werden kann. In diesem Beitrag wird deutlich, wie wenig KRIEGLSTEINER
"nur" die Pilze sieht, sondern vielmehr das Gesamtgefüge.
Aus naturschutzpolitischer Sicht handelt es sich um den wichtigsten Beitrag
des Bandes X. Er sollte den Naturschutzverbänden und Behörden
aller Art (Forst, Fremdenverkehr, Naturschutz) zur Verfügung gestellt
und bekannt gemacht werden.
Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, daß in diesem
Band insgesamt 23 Pilzarten farbig abgebildet sind.
Es wurde bereits auf die Vereinsmitteilungen der Pilzfreunde Südhessen
Sulzbach e.V. hingewiesen, von denen anläßlich des
10-jährigen Vereinsjubiläums ein zweites, 98 Seiten starkes
Sonderheft erschienen ist. Mit 13 - größtenteils eingeklebten
- Farbfotos ist der Preis von 10,-DM durchaus gerechtfertigt. Nach Grußworten
des Vorsitzenden H.Sandau und des DGfM-Ehrenvorsitzenden
folgen acht zum Teil größere Beiträge. W.HÜTTER
schreibt über seine Beschäftigung mit Myxomycetes. In seinem
Beitrag "Drei seltene Blätterpilze mit auffälligem Mehlgeruch"
beschreibt und dokumentiert W.POHL Ossicaulis (Clitocybe) lignatilis,
Hohenbuehelia grisea und Calocybe constricta. In "Die Taunus-Boletus-Story"
beschreibt K.PHILIPP einen Dickröhrling, der Boletus luridiformis
nahesteht, aber kein blauendes Fleisch hat. Es folgt ein Beitrag von M.ENDERLE
"Bemerkenswerte Agaricales Funde XIII. 33. Beitrag zur Kenntnis der
Ulmer Pilzflora." Vier Arten, Galerina autumnalis, Laccaria laccata
var. pallidifolia, Tephrocybe inolens und Tephrocybe mephitica werden
mit Farbfotos und Mikrozeichnungen dokumentiert sowie ausführlich
beschrieben. In dem danach folgenden Beitrag "Der Milchbrätling
(Lactarius volemus Fr.) sowie die beiden heimischen Brätlingstäublinge
(Russula amoena Quél. und R.violeipes Quél.)" geht
R.KÄRCHER zunächst auf den deutlichen Rückgang des
Milchbrätlings ein, der aus "eifeler Sicht" nur bestätigt
werden kann. Sodann beschreibt er die ökologische, chemische und
mikroskopische Unterscheidung der beiden Brätlingstäublinge.
Sodann gibt er einen Bestimmungsschlüssel zu der Subsektion Virescentinae.
Ausführliche Mikrozeichnungen schließen sich dem Beitrag an.
H. SANDAU schließt sich mit dem Beitrag "Die Pilzflora
des Eichwaldes in der Gemarkung Sulzbach/Ts. sowie dessen unmittelbarer
Umgebung." an. Es handelt sich um eine Checkliste von 290 Arten mit
dazugehörigen Synonymen und ökologischen Angaben, die im Erfassungszeitraum
von Mai 1994 bis November 1995 notiert, zum Teil auch belegt und dokumentiert
worden sind. Anschließend folgt ein Beitrag von H.EBERT,
"§ 324 a StGB, Strafrechtlicher Schutz des Bodens", der
auf der Jubiläumstagung der DGfM im Mai 1996 bereits
als Vortrag gehalten worden war. Interessenten wenden sich an die Schriftleitung
des Heftes: Karl Schreiter, Libellenweg 94, 60259 Frankfurt am Main.
Erst kürzlich war die Geburtsstunde einer neuen mykologischen Zeitschrift:
MYCOLOGIA BAVARICA, Bavarian Journal of Mykology. Nach einer Einführung
von Prof.Dr.R.Agerer, der eine weitere mykologische Zeitschrift ausdrücklich
rechtfertigt, folgen neun Fachaufsätze nicht nur bayerischer Autoren.
Es wird auch darauf hingewiesen, daß Arbeiten zur Taxonomie, Systematik,
Morphologie, Ökologie und Floristik der Pilze veröffentlicht
werden, wobei die bayerische Pilzflora schwerpunktmäßig, aber
nicht ausschließlich berücksichtigt werden soll. Das Heft erscheint
"bis auf weiteres" einmal im Jahr und kostet 25,-DM. Mit 10
Farbfotos werden 11 Arten dokumentiert. Von der in Ausbreitung befindliche
Stropharia aurantiaca wird durch P.KARASCH der bayerische Erstfund
beschrieben. Danach folgt "Ein Frühlingsfund von Omphalina cyanophila"
von R.Boesmiller ausführlich beschrieben und dokumentiert, sowie
mit weiteren Funden verglichen. "Leucoagaricus carneifolius, ein
seltener und kritischer Egerlingsschirmling" wird von H.GRÜNERT
beschrieben, dokumentiert und zu L densifolius abgegrenzt. E.GARNWEIDNER
beschreibt "Hebelomina neerlandica - Erstfund für Deutschland."
Die Art wird auch ausführlich dokumentiert. Nun folgt ein Beitrag
unseres neuen Ricken-Preisträgers J.CHRISTAN: "Einführung
in die Gattung Ramaria I". Eine unterschiedliche Interpretation der
Einteilungen von CORNER (1970), MARR & STUNZ
(1973), PETERSEN (1975, 1983) sowie SCHILD (1995) wird aufgezeigt
und diskutiert. In Teil I einer vorgesehenen Serie "Porlinge zwischen
Inn und Salzach - eine Zwischenbilanz nach dreißig Jahren"
beschreibt T.R.LOHMEYER seine Funde der Hymenochaetaceae mit den
Gattungen Coltricia, Inonotus, Onnia und Phellinus. Grundlage und Ursprung
dieser Arbeit ist eine Teilnahme von LOHMEYER am Wettbewerb "Jugend
forscht" im Jahre 1969, die von Dr.H.JAHN seinerzeit wissenschaftlich
betreut worden war. Nach der Einführung und der Vorstellung des Gebietes
folgen Beschreibungen und teils Dokumentationen von 27 Arten der v.g.
Gattungen. Danach wird ein deutscher Erstfund von Gyromitra (Discina)
spinosospora beschrieben von A.KOCH, J.CHRISTAN und T.R.LOHMEYER.
Eine Umkombination von Discina in Gyromitra war durchzuführen, weil
die beiden Gattungen nicht voneinander abzugrenzen sind. Im Anschluß
folgt die Beschreibung eines bayerischen Erstfundes von Sowerbyella rhenana
durch G.BAUER. Die schöne Art, die bei KRIEGLSTEINER
nur dreimal gepunktet ist, wurde 1995 auch in der Eifel nachgewiesen,
ebenfalls in einem Buchenwald, auf Basalt-/ Lavaboden. Vermutlich werden
die Fk. von vielen Mykologen am Standort als banale Aleuria angesprochen.
Im letzten Beitrag dieses ersten Heftes beschreibt und dokumentiert W.DÄMON
einen "Fund von Pseudombrophila guldeniae in den Hohen Tauern",
wo die Art zusammen mit Byssonectria terrestris nachgewiesen wurde.
Den Herausgebern ist zu dem 64 Seiten starken ersten Heft zu gratulieren.
Eine solche Qualität wurde noch nie gleich am Anfang erreicht.
Wichtiger Hinweis: Nach Mitteilung des Schriftleiters der APN-Mitteilungsblätter
sind fast alle Hefte dieser mykologischen Zeitschrift in Restbeständen
vorhanden. Bestellung bei:
Ewald Kajan, Maxstr.9, D-47166 Duisburg, Tel.: 0203-559567. Lieferung
nur solange Vorrat reicht, ein Nachdruck ist nicht vorgesehen.
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