Der Adalbert-Ricken-Preis 2016 wurde an Ditte Bandini für ihre herausragene Arbeit bei der Erforschung der Risspilze (Inocybe) verliehen.

 

Laudatio von Wolfgang Prüfert, gehalten am 14.9.2016

Als ich vor zwei Jahren die Laudatio zum Adalbert-Ricken-Preis halten durfte, haben wir mit Björn Wergen einen Preisträger geehrt, der schon als Kind begonnen hat, sich mit Pilzen zu beschäftigen. Mit Frau Dr. Ditte Bandini haben wir ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass man auch noch ein paar Jahre später mit den Pilzen beginnen und dennoch Außergewöhnliches erreichen kann.

Ich erinnere mich an das Jahr 2010, als ich mit Ditte Bandini auf den Wiesenpilztagen in Beichlingen war. Damals stand sie noch am Anfang ihrer mykologischen Karriere. Heute, nur sechs Jahre später, gilt sie als eine der führenden Spezialisten für Risspilze in Europa. Wie schafft man es, sich in nur sechs Jahren vom Anfängerniveau zur gefragten Expertin zu entwickeln? Auf diese Frage möchte ich im Folgenden versuchen, Antworten zu finden.

Das Erste, was man benötigt, ist das wissenschaftliche Handwerkszeug. Wer Wikipedia zu Ditte Bandini befragt, findet viel zu ihrer wissenschaftlichen Karriere in Völkerkunde und Indologie an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Bis heute steht dort aber noch nichts zu Ihren mykologischen Aktivitäten – wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändert. Eigene Beobachtungen sorgfältig zu dokumentieren, die gesamte Literatur zu durchforsten und jede dort getroffene Annahme kritisch zu hinterfragen und mit eigenen Beobachtungen zu vergleichen – das ist Ihre selbstverständliche Arbeitsweise und macht auch ihre mykologischen Publikationen zu einer Quelle echten neuen Wissens.

Das Zweite, was man benötigt, ist eine gewisse Beharrlichkeit. Diese Beharrlichkeit hat Ditte auf Exkursionen durch ganz Europa bis in den hohen Norden geführt, um neue Proben für ihre Untersuchungen zu sammeln. Die private Forschung erfolgt also mit hoher Intensität. Bei ihr schlägt diese Intensität aber nicht in eine Ditte Bandini zusammen mit Bernd Oertel bei Verbissenheit um, sondern sie bleibt dabei im persönlichen Umgang bemerkenswert locker.

Das Dritte, was man benötigt, ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Wer am liebsten allein im stillen Kämmerlein arbeitet, kann sehr effektiv viele Fleißarbeiten erledigen, aber es fehlt an einer gewissen Breite, die sich erst durch den Austausch mit anderen ergibt. Sicher kennen Sie das Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach: „Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt“. Es sind nicht nur die hochrangigen europäischen Risspilzforscher, mit denen Ditte Bandini in Korrespondenz steht. Auf der Webseite www.inocybe.org stehen 120 Namen in der Danksagung, in verschiedenen Pilzforen gibt sie bereitwillig jedem Fragenden eine Auskunft zu den dort vorgestellten Risspilzen.

Das Vierte, das man benötigt, ist ein guter Lehrer. Es schmälert Dittes Leistungen in keiner Weise, wenn ich sage, dass ihr mykologischer Erfolg ohne Bernd Oertel wohl in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Aber Bernd Oertel als Lehrer zu haben, ist ein ganz besonderer Glücksfall: wie kaum ein anderer beherrscht er die Arbeitsweisen der Amateur- und Feldmykologen ebenso wie die universitären Labortätigkeiten. Egal ob es um mikroskopische und fotografische Praxis oder um das Rechnen von phylogenetischen Bäumen auf Basis der Gensequenzen geht – von Bernd Oertel können wir alle noch etwas lernen. Also zählt Ditte Bandini wohl zu seinen begabtesten Schülerinnen. Ihr Fortschritt war schnell genug, dass inzwischen die beiden ihre Inocybe-Forschung gemeinsam auf Augenhöhe vorantreiben können. Nachdem ich nun meine Gedanken geäußert habe, warum ich Ditte für eine außergewöhnliche Mykologin halte, möchte ich kurz noch ein paar Worte zu Ihren bisherigen Ergebnissen sagen.

Ich glaube, ihre erste Publikation zur Gattung Inocybe reicht bis 2012 zurück: in der Zeitschrift für Mykologie, ein Artikel zu Inocybe treneri. 2014 erschien dann in der Reihe “Fungi non delineati” der Doppelband 73/74, in dem sie als Ko-Autorin mit Erminio Ferrari viele Risspilzarten beschreibt. Auf Ihrer Webseite www.inocybe.org findet man zurzeit 211 Arten und Varietäten, die jeweils mit Beschreibung und hervorragenden Bildern und Mikrofotos illustriert sind.

Liebe Ditte, wir hoffen, dass Dir diese Preisverleihung ein weiterer Ansporn ist, Deine Arbeit fortzusetzen. Auch wenn Du gerade mal in der undankbaren Untergattung Mallocybe für Ordnung sorgen musst. Und wir alle warten gespannt auf das Erscheinen Deiner Monographie der europäischen Risspilze.
 

Veröffentlicht in den DGfM-Mitteilungen 2017/1

Ditte Bandini und das Präsidium| Foto: G. Schabel

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