Der diesjährige Preisträger des Adalbert Ricken-Preises ist Thomas Lehr und es ist mir eine besondere Freude, dass ich ihn hier vorstellen und seine Arbeit in der Mykologie würdigen darf, da wir schon seit mehr als 10 Jahren freundschaftlich verbunden sind.


Thomas Lehr wurde am 05.04.1975 in Frankfurt geboren und als Lokalpatriot legt er nicht nur viel Wert auf den Zusatz „am Main“, sondern er fühlt sich der Stadt und der ganzen Region auch mykologisch sehr verbunden. Er lebt seit nunmehr gut 34 Jahren in der Nähe von Frankfurt, in Hofheim am Rand des Taunus. Die Liebe zu den Pilzen bekam er quasi mit der Muttermilch, ist seine Mutter doch Tschechin. Schon im Kinderwagen wurde er zum Speisepilzsammeln mit in den Wald genommen.
Für seine Ausbildung schlug er jedoch einen anderen Weg ein: 1994 begann er das Studium der Geschichte, Geographie und Germanistik in Frankfurt am Main, dass er 2001 mit dem Magister abschloss.
Zwischenzeitlich hatte seine von der Kindheit übrig gebliebene mykophage Prägung deutlich mykophile Tendenzen angenommen und in diesem Stadium der „Fruchtkörperentwicklung“ lernte ich ihn 1998 in der PilzAG Spessart kennen. In diesem Jahr wurde er auch Mitglied bei den Pilzfreunden Südhessen und bereits 1999 trat er der DGfM bei. Nur ein Jahr später schaffte er sich ein Mikroskop an und 2004 folgten erste Publikationen.
Bei dieser zügigen Entwicklung zum ernsthaften Amateurmykologen kam ihm sicher auch sein Historiker-Studium zur Hilfe, war er es doch gewohnt, besonders akribisch zu arbeiten und viel zu recherchieren. Anders herum waren der Karriere als Historiker die Pilze weniger hilfreich, da sein Pilz-Enthusiasmus doch hin und wieder zur Vernachlässigung seiner Dissertation führte, die er aber vor kurzem zum Abschluss brachte.
Die Schwerpunkte seiner pilzkundlichen Tätigkeit liegen in der Regionalfloristik, die sich auch in der Mitarbeit an der Homepage www.fundkorb.de ausdrückt, und in der morphologisch-taxonomischen Bearbeitung verschiedener Pilzgruppen. Stellvertretend möchte ich den Flörsheimer Kalkbruch nennen, der durch seine Publikationen über die Grenzen Südhessens hinaus bekannt wurde. Hier ist in den nächsten Jahren mit einem größeren, zusammenfassenden Aufsatz zu rechnen. Auf taxonomischer Seite ist seine Arbeit über die Filzröhrlinge besonders erwähnenswert, die unter anderem  Eingang fand in die zusammen mit Jürgen Schreiner für die Zeitschrift für Mykologie verfasste Arbeit über Xerocomus cisalpinus. Erst Dokumentation von Unterschieden, dann Erfassung von Variabilität und schließlich kritisches Hinterfragen taxonomischer Abgrenzungen beschreibt seinen Arbeitsstil und erklärt daher trotz aller Umtriebigkeit seine Zurückhaltung bei der Beschreibung neuer Varietäten oder gar Arten.