Wahl des Pilz des Jahres 2027
von Nadine Eiben
Auch in diesem Jahr rufen wir alle Pilzbegeisterte auf für ihren Kandidaten zum "Pilz des Jahres 2027" abzustimmen. Es stehen fünf Milchlings-Arten zur Wahl. Abgestimmt werden kann bis zum 14. Juni 2026.
Die Kandidaten im Porträt
Bild: Gerhard Schuster
Edelreizker, Echter Reizker, Lactarius deliciosus (L. : Fr.) Gray
Der Edelreizker ist streng an seinen Baumpartner, die Kiefer gebunden und erscheint im Herbst zumeist in grasigen Kiefernwäldern. Die Echten- oder Blutreizker sind durch ihre rote Milch sehr einfach und eindeutig zu bestimmen. Am beliebtesten unter ihnen als Speisepilz ist der häufige Edelreizker mit seiner orangeroten Milch.
Der Hut ist orange bis ocker gefärbt mit mehr oder weniger deutlich erkennbaren konzentrischen Ringen. Bei Feuchtigkeit ist die Oberfläche leicht klebrig, bei Trockenheit hell bereift. Meist um die 10cm im Durchmesser, kann der Hut auch mal 20cm breit werden, mit einem mehr oder weniger welliger Hutrand, der jung gewölbt, später trichterförmig ist. Die orange bis blassorange gefärbten, zerbrechlichen Lamellen sind etwas am Stiel herunterlaufend oder angewachsen. Der Stiel ist hohl oder mit hellerem Filz gefüllt und mit dunkelorangen Grübchen bedeckt.
Der Edelreizker kommt auf fast allen Böden vor. Sandige Böden werden aber bevorzugt. Allzu starken Stickstoffeintrag, also zu viel Gülle und staunassen Untergrund, verträgt er nicht.
Bild: Matthias Theiss
Lila Milchling Lactarius lilacinus (Lasch) Fr. 1838
Der Lila Milchling wächst in feuchten bis sumpfigen Au-, Laubmisch- und Bruchwäldern. Er kommt stets in Symbiose mit Erlenarten (Alnus spp.) vor, mit denen er eine obligate Mykorrhiza eingeht.
Die Fruchtkörper sind jung auffallend wein- bis altrosa, blassen dann aus und sind im Alter fast ohne Rosaton. Sein Hut ist 2–8 cm groß, jung mit eingebogenem Rand, später ausgebreitet und schließlich trichterförmig. Er ist matt und filzig. Die angewachsenen und leicht herablaufenden Lamellen sind zunächst cremefarben, dann ocker mit rosa Schimmer. Der zylindrische Stiel hat eine ockerfarbene Spitze und eine weiß-filzige Basis. Die Milch von Lactarius lilacinus ist farbbeständig und zunächst mild, dann schärflich.
Die Art ist nahezu unverwechselbar und somit schon im Feld bestimmbar. Der Lila Milchling gilt als europäischer Endemit. Außereuropäische Vorkommen sind bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Die ermittelten Bestände dieses Erlenbegleiters sind seit mehreren Jahrzehnten rückläufig – mit einer sich weiter verschlechternden, kritischen Entwicklung. Der Pilz ist in ganz Europa verbreitet, wobei die Schwerpunkte seines Vorkommens in Skandinavien liegen. Deutschland gehört gleichwohl zu seinem Hauptareal, insbesondere das nördliche Flachland, Bayern und Baden-Württemberg. Der Lila Milchling gehört deshalb in Deutschland zu den sogenannten Verantwortungsarten, also zu den Pilzen, für deren Schutz Deutschland in besonderer Weise Verantwortung tragen sollte.
Bild: Matthias Theiss
Olivbrauner Milchling, Tannenreizker, Mordsschwamm - Lactarius turpis (Weinm.) Fr. 1838
Der Olivbraune Milchling ist ein recht kräftiger, stämmiger Pilz mit düsteren Farben. Ob der Name „hässlich“ (lat. turpis) angebracht ist liegt im Auge des Betrachters. Ebenso wenig ist er ein Mordsbruder (älterer Name Lactarius necator =Mörder) oder bevorzugt ausschließlich Tannen.
Die intensive Schärfe seiner reichlich fließenden, weißen Milch zeichnet ihn aber deutlich aus. Der düster olivbraun gefärbte Hut kann einen Durchmesser von 20 cm erreichen. Er hat zunächst einen eingerollten Rand, eine etwas niedergedrückte Mitte und wird zunehmend trichterförmig. Die schmutzig weißen Lamellen sind leicht bogenförmig. Der sehr kräftige, gedrungene Stiel kann Grübchen aufweisen und ist wie der Hut gefärbt. Alle Milchlinge sind als Mykorrhizapilze für den Naturkreislauf nützlich. Hier bevorzugt der Olivbraune Milchling Birken und Fichten als Symbiosepartner und nährstoffarme Böden. Trotz der großen Schärfe wird der Olivbraune Milchling in Nord- und Osteuropa mit Fermentationsprozessen zu Speisezwecken verarbeitet. Nach neueren Erkenntnissen enthält der Pilz das Mutagen Necatorin, das durch das Abkochen nur verringert wird. Ein Verzehr, auch nach besonderer Zubereitung, wird deshalb nicht empfohlen.
Bild: Gerhard Schuster
Schwarzkopf Milchling Lactarius lignyotus Fr.
Die Art ist mäßig häufig aber stark rückläufig und kommt von August bis Oktober in Gebirgsnadelwäldern auf sauren Böden vor. Als Mykorrhizapartner bevorzugt der Schwarzkopf-Milchling Fichten. Er wird in der Roten Liste als gefährdet eingestuft.
Das typische Merkmal dieses schönen, mittelgroßen Milchlings ist der scharfe Kontrast zwischen dem schwarzbraunen Hut und Stiel und den weißen Lamellen. Die Stielspitze ist gefurcht und geht mit einem abrupten Farbwechsel in die leicht herablaufenden Lamellen über. Der aufgeschirmte Hut ist eingesenkt und mittig mit einem mehr oder weniger deutlichen Buckel, der Papille versehen. Die Oberfläche ist matt und samtig. Die Milch ist weißlich und färbt sich bei Luftkontakt langsam blass lachsrosa. Leider fehlt er im Flachland völlig und kommt nur in den Hochlagen der höchsten Mittelgebirge und in den Alpen vor. Dort wird dieser geschätzte Speisepilz auch Schornsteinfeger oder Essenkehrer genannt.
Bild: Matthias Theiss
Zottiger Violettmilchling Lactarius repraesentaneus Britzelm. 1885
Die große, leuchtend chromgelbe Art mit weißer Milch, die sich mit Sauerstoff auch isoliert lila verfärbt, gehört zu den selten gewordenen und stark gefährdeten Milchlingen in Deutschland.
Der jung zottige Hutrand und die langsam anlaufende, graulila Fleischverfärbung im Anschnitt sind gute Bestimmungsmerkmale. Der Geschmack ist zunächst mild, wird aber bald bitter, zusammenziehend. Der würzige Geruch erinnert an Hyazinthen.
Der Zottige Violettmilchling benötigt nasse, anmoorige Lebensräume mit Fichten oder Birken. Das sind meist montane Moorränder oder hochmontane Fichtenwälder, wo er in Wassergräben oder direkt am Ufer von Bergbächen wächst. Die meisten bekannten Fundstellen liegen über saurem Urgestein in den alten Wäldern des Bayerischen Waldes, im Harz und Schwarzwald. Aufgrund dieser Standortansprüche ist er auch als Naturnähezeiger geeignet.