Cryptostroma corticale, der Erreger der Ahorn-Rußrindenkrankheit, befällt die im Rekordhitzejahr 2018 durch lange Trockenheit und Wassermangel gestressten Ahorne und bringt sie zum Absterben. Wir informieren Sie über die Symptome erkrankter Bäume und das Gesundheitsrisiko für den Menschen durch das Einatmen von Sporen.


Merkmale der Rußrindenkrankheit

Hierzulande ist vor allem der Bergahorn (Acer pseudoplatanus) betroffen, seltener auch Spitzahorn (A. platanoides), Silberahorn (A. saccharinum) und Feldahorn (A. campestre). Die Erkrankung häuft sich nach Jahren mit langer Trockenheit und Wassermangel. Wald- und Parkbäume sind gleichermaßen gefährdet. Altbäume mit guter Wasserversorgung sind weniger anfällig.

C. corticale bringt den Wirt binnen eines Jahres oder mehrerer Jahre zum Absterben. Typische Symptome sind Rinden- und Kambiumnekrosen, längliche Rindenrisse und schwärzlich fleckender Schleimfluß am Stamm. Später beginnen die Blätter zu welken und abzufallen, wodurch das Kronensterben immer deutlicher zu erkennen ist. Markant ist zudem grün bis blau verfärbtes Splintholz im Anschnitt.

An toten Bäumen blättert schließlich die Stammrinde ab, wodurch die Sporenlager des Pilzes freigelegt werden. Sie bilden einen schwarzen, nahezu flächigen Belag, dessen rußähnliche Erscheinung zum Namen der Erkrankung inspirierte. Pro Quadratzentimeter werden 100 bis 170 Millionen winziger Konidien abgeben. Diese enorme Masse ungeschlechtlicher Sporen färbt oftmals die Vegetation am Stammfuß durch Winddrift und Regenablauf auffällig schwarz.
 

Sporen oder Konidien in der Atemluft

Generell kann das Einatmen von Sporen oder Konidien aller Pilzarten bei gesunden Menschen zu Niesreiz und bei überempfindlichen Menschen zu allergischen Reaktionen unterschiedlichen Ausmaßes führen. Besonders gefährdet sind Personen mit Immunschwäche, also z. B. HIV-Patienten, Organ- und Stammzell-Transplantierte, Patienten unter Chemotherapie und Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen (COPD).

Ausgesprochen gefährlich für diese Risikogruppe sind die Sporen des Spaltblättlings (Schizophyllum commune) und einiger weniger anderen Pilzarten, die zu schweren lokalen und systemischen Mykosen führen können. Bekannt geworden sind auch Fälle mit schweren und fatalen Lungenentzündungen, verursacht durch die Konidien von Hormographiella-Arten. Die Gattung Hormographiella umfasst die Nebenfruchtformen einiger Faserlingsverwandte:

  • H. aspergillata Guarro, Gené & De Vroey 1992, eine Nebenfruchtform des Struppigen Tintlings (Coprinus cinereus),
  • H. candelabrata Gené & Guarro 1992, eine Nebenfruchtform deren Hauptfruchtform bislang unbekannt ist,
  • H. verticillata Guarro, Gené & E. Guého 1992, eine Nebenfruchtform des Haus-Tintlings (Coprinellus domesticus).

Auch das Einatmen großer Sporenmengen von Stäublingen im weiteren Sinne („Puffballs“) kann bei empfindlichen Personen zu Atembeschwerden bis zur Lungenentzündung führen (Lycoperdonosis).

Eine besonders hohe allergogene Potenz haben offenbar die Konidien von Cryptostroma corticale, der Erreger der Ahorn-Rußrindenkrankheit. Dieser imperfekte Gefäßpilz (Hyphomycet) stammt aus Nordamerika und wurde hierzulande erstmals 2005 in Baden-Württemberg nachgewiesen.
 

Erkrankungen von Menschen

Aus Deutschland sind bislang (27.3.2019) keine humanen Erkrankungen bekannt, wenngleich sie bei zunehmend trockenen und regenarmen Sommern zu erwarten sind.

Spoerke und Rumack (1994) zitieren wenige Fälle aus den USA, in denen Arbeiter in Papierfabriken und Sägewerken an „Wood-Pulp Workers‘ Disease“ erkrankten. Das Krankheitsbild umfasste Schüttelfrost, Fieber und Atemnot. Verursacht wurden die Symptome durch den verlängerten Kontakt mit verschimmeltem Holz und das Abschälen der Rinde von Ahornbäumen.

Bei Arbeitern in der Papierindustrie wurden Atemwegserkrankungen mit fortschreitender funktioneller Einschränkung beobachtet:

Arbeiter, die Ahornstämme schälten und zersägten, entwickelten eine granulomatöse [1] interstitielle [2] Lungenentzündung mit ausgeprägter Atemnot, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Laboruntersuchungen ergaben hohe Anteile ausgefällter Antikörper gegen C. corticale.

Ein Arbeiter litt seit 7 Jahren unter zunehmender Atemnot mit Gewichtsverlust und Husten. Diagnostiziert wurde eine chronische interstitielle Lungenentzündung, wie bei den meisten Betroffenen.
 
[1] „Granulome“ sind herdförmige Prozesse.
[2] „Interstitiell“ betrifft das Zwischengewebe der Lunge (Interstitium) und der Lungenbläschen.
 

Risikoeinschätzung und Empfehlungen

Für einen sonst gesunden Waldspaziergänger oder Pilzsammler besteht keine Gesundheitsgefährdung. Dagegen sollten Personen wie z. B. Waldarbeiter, die einen intensiveren Kontakt mit befallenen Bäumen haben, das Einatmen von Konidien vermeiden.

Die Rodung erfordert eine Partikelfilter-Atemmaske und geeignete Schutzkleidung. Fürs Fällen wird feuchtes Wetter empfohlen, um ein Aufwirbeln der Konidien zu vermeiden. Aus gleichem Grund hat der Transport abgedeckt zu erfolgen. Das Holz ist einer Verbrennung zuzuführen, eignet sich aber nicht als Brennholz für Haushalte. (SVLFG 2018)

 

Prof. Dr. med. Siegmar Berndt
DGfM-Toxikologe

Redaktionell unterstützt durch:

Andreas Kunze
Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit

 

Literatur

PFEILSTETTER E (2018) Pflanzengesundheitliche Maßnahmen; Express-Risikoanalyse zu Cryptostroma corticale aufgrund mehrerer Auftreten in Bayern. Julius Kühn-Institut (JKI) Braunschweig. Institut für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit. 3.8.2018.

SPOERKE DG & RUMACK BH (1994) Handbook of Mushroom Poisoning. CRC-Press London/Tokyo. 464 S.

SVLFG (2018) Erreger der Rußrindenkrankheit des Ahorns: Cryptostroma corticale. Betriebsanweisung B.01.18. Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) Kassel.

 

Lizenz

Die beiden Mikrofotos der Konidien von Cryptostroma corticale stehen unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung-Nicht kommerziell-Share Alike 4.0 International“ (CC BY-NC-SA 4.0).

Bilder

Das flächige, rußähnlich gefärbte Sporenlager von Cryptostroma corticale mit reichlich Konidienstaub

Das flächige, rußähnlich gefärbte Sporenlager von Cryptostroma corticale mit reichlich Konidienstaub | Bild: Dr. Wolfgang Prüfert

Vor allem am Stammfuß befallener Ahorne blättert die Rinde gerne ab.

Vor allem am Stammfuß befallener Ahorne blättert die Rinde gerne ab. | Bild: Dr. Wolfgang Prüfert

Konidien von Cryptostroma corticale im Lichtmikroskop mit einem 40x-Objektiv, Präparation in Lactophenol

Konidien von Cryptostroma corticale im Lichtmikroskop mit einem 40x-Objektiv, Präparation in Lactophenol | Bild: Malcolm Storey, www.bioimages.org.uk. Einige Rechte vorbehalten (CC BY-NC-SA 4.0)

Konidien von Cryptostroma corticale im Lichtmikroskop mit einem 100x-Objektiv, Präparation in Lactophenol

Konidien von Cryptostroma corticale im Lichtmikroskop mit einem 100x-Objektiv, Präparation in Lactophenol | Bild: Malcolm Storey, www.bioimages.org.uk. Einige Rechte vorbehalten (CC BY-NC-SA 4.0)