Die Deutsche Phytomedizinische Gesellschaft (DPG) verlieh Prof. Dr. Marco Thines am Donnerstag die „Rudolf Heitefuß-Auszeichnung für wissenschaftliche Leistungen“ angesichts seiner Verdienste in der Erforschung filamentöser Schaderreger. Die DGfM gratuliert ihrem Präsidenten zu diesem Wissenschaftspreis!

 

Schein- und Brandpilze im Fokus

Scheinpilze (Oomyceten) und Brandpilze sind in der Bevölkerung kaum bekannt, obwohl sie auf der ganzen Welt vorkommen und nahezu jeden Lebensraum unter verschiedensten Klimabedingungen besiedeln. Zu ihnen gehören die Erreger einiger weit verbreiteter Pflanzenkrankheiten, darunter die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln und Tomaten sowie die Falschen Mehltaue. Vor allem beim ökologischen Getreideanbau gewinnen Brandpilze zunehmend an Bedeutung. Weltweit verursachen pflanzenparasitische Oomyceten und Brandpilze jährliche Verluste in Milliardenhöhe.

Trotz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung wurde bisher nur ein Bruchteil ihrer tatsächlichen Biodiversität entdeckt. Prof. Dr. Marco Thines vom Senckenberg Forschungsinstitut und Klima Forschungszentrum (Frankfurt am Main) nutzt in seiner Arbeitsgruppe Zellbiologie, Ökologie, Evolutionsbiologie, Taxonomie, Genomik und molekulare Phytopathologie um die biologische Vielfalt von Pflanzenparasiten und ihren Wirten zu erforschen.
 

Ehrung für Biodiversitätsforschung

Für seine Forschung verlieh ihm die DPG am 18. März 2021 die „Rudolf Heitefuß-Auszeichnung für wissenschaftlichen Leistungen“. Aus der Laudatio von Prof. Dr. Ralph Hückelhoven der Technischen Universität München:

Thines gelingt es bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten stets auch Erkenntnisse für die praktische Anwendung in der Landwirtschaft zu gewinnen. Darüber hinaus ist seine Unterstützung bei der Diagnostik neuartiger Schaderreger den deutschen Pflanzenschutzdiensten oftmals dienlich gewesen.
 

Stationen und Engagement

Bereits in seiner Promotion an der Universität Hohenheim beschäftigte sich Thines mit biotrophen Oomyceten. Nach einem zweijährigen Exkurs in die Journalistik und der Gründung eines Startups im Bereich der Diagnostik leitete er von 2007 bis 2010 die Arbeitsgruppe zur Biodiversität der Oomyceten am Institut für Botanik der Universität Hohenheim. 2009 wurde er für seine Forschung über die Taxonomie und Evolution pflanzenpathogener Oomyceten habilitiert. Seit 2010 ist er Professor am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt, wo er das Forschungsgebiet “Evolutionäre Analyse und Biologische Archive“ leitet.

Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie ist es Marco Thines besonders wichtig, die Ergebnisse seiner Forschung so aufzubereiten, dass sie im praktischen Pflanzenschutz umgesetzt werden können. Darüber hinaus setzt er sich dafür ein, die Möglichkeiten und Grenzen modernster Techniken allgemeinverständlich zu vermitteln, beispielsweise im Modul „Molekulare Bestimmung von Pilzen“ der von der DGfM getragenen Ausbildung zum Fachberater für Mykologie.
 

Über die Deutsche Phytomedizinische Gesellschaft e.V. (DPG)

Die DPG fördert seit 1928 Forschung, Lehre und Beratung auf dem Gebiet der Phytomedizin, z. B. zu Krankheiten, Schädlingen, Unkrauteinflüssen oder Wachstumsstörungen an Kulturpflanzen, Maßnahmen zur Gesunderhaltung von Pflanzen und der praktischen Anwendung der Erkenntnisse.

 

Literatur und Weblinks

Bilder

Prof. Dr. Marco Thines, seit Oktober 2014 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM)

Prof. Dr. Marco Thines, seit Oktober 2014 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM)