Blaugrünverfärbender Kahlkopf (Psilocybe cyanescens) | Foto: Caleb Brown, MushroomObserver.org, CC-BY-SA-3.0

Herr Frank Demmler, Lauter/Sa., berichtete über die Vergiftung einer Frau im Oktober 2009 mit Blaugrünverfärbenden Kahlköpfen, die sie in ihrem Garten (auf Rindenmulch?) gefunden und davon eine Handvoll als „Stockschwämmchen“ (!) gebraten und gegessen hatte.

Am 16.9.2009 fand ein Pilzfreund in seinem Garten ein paar Pilze. Sie waren unterirdisch gewachsen und von einem Marder, wie die Spuren zeigten, freigekratzt worden. Die Pilzkenntnisse des Pilzfreundes sind nicht schlecht. Sein „Taschenbuch für Pilzfreunde“ von Bruno Hennig (1968), aus dem Gustav Fischer Verlag in Jena hat er fleißig gelesen. Dort steht auf Seite 30: „Wer einige Male Trüffeln entdeckt hat, hört mit dem Suchen nicht mehr auf”. In späteren Ausgaben fehlt diese Passage. Sehr lange schon hat er sich gewünscht, Trüffeln zu finden.

Frau Hermine Lotz-Winter, Mörfelden-Walldorf, wurde von einer Kinderklinik mit der Untersuchung eines 4 cm² großen Pilzfragmentes beauftragt, das die Mutter ihrer eineinhalb jährigen Tochter aus dem Mund entfernt und in einer Plastiktüte aufbewahrt hatte.

Gifthäubling (Galerina marginata) | Foto: Edward Barge (landsnorkler), commons.wikimedia.org, CC-BY-SA-3.0

Herr Karl-Heinz Joke, Gaildorf, konnte auf Grund mikroskopischer Untersuchung des Erbrochenen von Vater und 10-jährigem Sohn und noch vorhandener Putzreste neben verschiedenen Speisepilzen Galerina marginata nachweisen.

Großer Stachelschirmling (Lepiota aspera) | Foto: Wolfgang Prüfert

Herr Volker Buch, Langen, und Herr Manfred Lorenz, Jonsdorf, berichteten über ein „Antabus-Syndrom“ mit klassischem Verlauf und Ausprägung nach Genuss von Stachelschirmlingen und Alkohol bei einem Ehepaar und einer Einzelperson.

Den ersten mir bekannt gewordenen Fall eines Ehepaares hatte Erhard Ludwig, Berlin, (2009) beschrieben (Der Tintling 61, S. 69). Auf einer Fortbildungsveranstaltung der GIZ München im November 2010 teilte mir Frau Bettina Haberl, München, zwei weitere Vergiftungen aus dem Jahre 2010 mit. Alle Betroffenen hatten die Stachelschirmlinge mit Parasole verwechselt.

Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) | Foto: Andreas Kunze

Im letzten ungewöhnlich pilzreichen Herbst kam es zu einer Häufung auch schwerer Vergiftungen. Ende September wurde von der Berliner Charité die Behandlung von sieben Knollenblätterpilz-Vergiftungen gemeldet. Harry Andersson berichtete über eine tödlich verlaufene Grüner-Knollenblätterpilz-Vergiftung einer 69-jährigen Frau aus Osteuropa.

Kahler Krempling (Paxillus involutus) | Foto: Strobilomyces, commons.wikimedia.org, CC-BY-SA-3.0-migrated

Herr Fritz Krauch und Ehefrau, Bad Wünnenberg, und ich waren bereits im Februar 2009 mit Pilzvergiftungen befasst. Drei Russlanddeutsche – Vater, Tochter und Sohn – hatten im Herbst gesammelte und sauer eingelegte „Pfifferlinge“ verzehrt.

Wegen vermeintlichem Schwangerschaftserbrechen wurde die 22-jährige gravide Frau zunächst in der Frauenklinik untersucht und erst nach mehreren Stunden in eine Innere Abteilung verlegt. Sie litt ebenso wie ihr Bruder, der zu Hause geblieben war, an einem vorübergehenden gastrointestinalen Syndrom ohne Folgen.

Krönchenträuschling (Stropharia coronilla) | Foto: Andreas Kunze

Der Betreuer einer Schafherde auf einem Bauernhof berichtet von deutlichen Verhaltensstörungen der Tiere. Sie taumelten, waren träge und schliefen viel – ein Tier verendete. Auffallend war das üppige Wachstum von Fruchtkörpern des Krönchenträuschlings. Nachdem die Schafe auf einer anderen Weide grasten, verschwanden die Symptome.

Nebelgrauer Trichterling (Clitocybe nebularis) | Foto: Archenzo, commons.wikimedia.org, CC-BY-SA-3.0

Herr Georg Schabel, Gerstetten, schilderte eine Vergiftung mit Nebelgrauen Trichterlingen.

Eine Frau hatte sie am Nachmittag gesammelt, ungenügend gekocht, auch das Kochwasser nicht weg geschüttet und um 18:30 Uhr zusammen mit ihrem Ehemann verspeist. Gegen 20 Uhr wurde sie wegen heftigen Erbrechens im Krankenhaus aufgenommen, wo man ihr ein Beruhigungs- und ein Mittel gegen Erbrechen (!) gegeben habe.

Ockerscheidiger Eierwulstling (Amanita proxima) | Foto: Davide Puddu, MushroomObserver.org, CC-BY-SA-3.0

Amanita proxima ähnelt dem Echten Eierwulstling (A. ovoidea), der im Mittelmeergebiet ein begehrter Speisepilz ist. Inzwischen sind ca. 60 Vergiftungsfälle bekannt geworden, die vermutlich durch den Ockerscheidigen Eierwulstling ausgelöst wurden. Alle Vergiftungen traten in Frankreich auf.

Pantherpilz (Amanita pantherina) | Foto: H. Krisp, commons.wikimedia.org, CC-BY-SA-3.0

Herr Georg Simrock, Fuldabrück, musste sich um die sehr schwere Vergiftung einer Frau kümmern, die nach seiner Untersuchung von Pilzresten in einem Abfalleimer Pantherpilze verzehrt und bewusstlos auf die Intensivstation eines Krankenhauses gebracht worden war. Nach 3 Tagen konnte sie auf eine Normalstation verlegt werden.

Parasol (Macrolepiota procera) | Foto: Matthias Weinhold, Pilzportal.info

Herr Karl-Heinz Johe, Gaildorf-Eutendorf, schilderte eine individuelle allergische Reaktion vom Soforttyp einer Frau nach Genuss gut gegarter „panierter Schnitzel“ aus Parasolhüten.

Birkenpilz (Leccinum scabrum) | Foto: Vesna Maric (kalipso), MushroomObserver.org, CC-BY-SA-3.0

Herr Horst Staub, Mannheim, schilderte den Fall eines 29-jährigen Italieners, der einige Wochen zuvor Pilze gesammelt und tiefgefroren hatte. Nach Verzehr der Pilze klagte er über heftigstes Brennen im Mund und Rachen, gefolgt von Herzrasen und Kaltschweissigkeit. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall wurden verneint. Wegen erhöhter Leberwerte wurde in der Klinik das Phalloides-Programm eingeleitet. Nachdem kein weiterer Anstieg der Transaminasen erfolgte, Amanitin im Urin negativ war und es dem Patienten wieder gut ging, wurde die Silibinin-Therapie beendet.

Speisemorchel | Foto: Andreas Kunze

Herr Günther Schier, Dassel, berichtete die Vergiftung von vier Familienangehörigen, die Ende Mai nach ihren Angaben eine „Unmenge an Morcheln“ gesammelt und alle am Abend verspeist hatten.

Herr Peter Roland, Leipzig, war mit einer Vergiftung durch den Spindelfüßigen Riesenegerling befasst. 3–3,5 Stunden nach dem Verzehr der gedünsteten Pilze kam es zu einem sehr heftigen gastrointestinalem Syndrom begleitet von Ohrensausen und Zittern.

Spindeliger Rübling (Gymnopus fusipes) | Foto: Davide Puddu, MushroomObserver.org, CC-BY-SA-3.0

Herr Jesko Kleine aus Leipzig berichtete über zwei schwere, nach Latenzzeiten von 5 und 7 Stunden aufgetretene gastrointestinale Vergiftungen (3 Tage Intensivstation). Die Angaben in den gängigen Pilzbüchern reichen von essbar über ungenießbar bis giftig (kurze Mitteilung im Tintling Nr. 60, S. 76, 2009).

Von einem sehr bizarren Vergiftungsfall berichtet ebenfalls die Toxikologische Abteilung der TU München (Dr. med. Pfab Vortrag beim Verein für Pilzkunde München). Die Vergiftung trat in Süddeutschland auf. Eine Frau hat einen ihr unbekannten Pilz mit weißem Hut (Lamellenfarbe unbekannt), wie sie angab, verzehrt, da sich ein mitgekochter Silberlöffel nicht verfärbte.