Habichtspilz, Habichtsstacheling, Rehpilz
Sarcodon imbricatus (L.) P. Karst. 1881

„Der Hut fleischig, nabelförmig, hellbraun mit dicken, fast aufrechten, dunkleren Schuppen bedeckt; die Unterseite des Hutes mit sehr spitzen, dichtstehenden, gelblichen Schuppen besetzt; der Strunk kurz, dick, glatt, gelblich, nicht in der Mitte des Hutes, sondern mehr seitwärts stehend. Wächst zur Herbstzeit in Nadelwäldern; ist eßbar.“ So beschrieb im Jahre 1840 der Lehrer für Naturgeschichte am Magdalenen-Gymnasium zu Breslau, Samuel Schilling, im „Gemeinnütziges Handbuch der Botanik oder Gewächskunde“ den Habichtspilz, ohne freilich zu ahnen, daß die 1921 gegründete Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) über 150 Jahre später diese Art zum „Pilz des Jahres 1996“ ausersehen sollte.

Die Bezeichnung „Unterseite des Hutes mit sehr spitzen, dichtstehenden, gelblichen Schuppen“ ist nach heutigem Verständnis falsch, denn wir nennen eine solche Fruchtschicht inzwischen Stacheln oder Stoppeln. Diese Form der Fruchtschicht dient – genau wie Lamellen, Röhren, Leisten und Poren – der Oberflächenvergrößerung bei derjenigen Fläche eines Pilzfruchtkörpers, auf der die Sporen gebildet werden; man könnte diese Fläche auch als das Sexualorgan des Pilzfruchtkörpers bezeichnen.

Hier eine moderne und genauere Beschreibung des Habichtspilzes (aus Breitenbach, Kränzlin: "Pilze der Schweiz", Band 2):

Hut 100–200(–300) mm breit, jung konvex, dann abgeflacht mit vertiefter Mitte, im Alter trichterförmig mit durchbohrtem Zentrum, unregelmäßig rund, Oberseite mit großen, aufgerichteten Schuppen, diese +/- regelmäßig konzentrisch angeordnet, dunkel- bis schwarzbraun mit rötlichem Schimmer auf hellerem, filzigem Grunde, im Zentrum fleischig dick, gegen Rand hin dünner und weniger stark aufgerichtet, Rand heller bis weißlich, heruntergebogen bis eingerollt, Unterseite stachelig, jung weiß, dann grau bis purpurbraun, Stacheln bis 10 x 1 mm, am Stiel herablaufend, Stiel 40–70 x 20–40 mm, zylindrisch bis keulig-bauchig, samtig, matt, jung weißlich, dann bräunlich, Basis heller bis weißlich, voll. Fleisch weiß, auch an Stielbasis, Geruch schwach angenehm würzig, Geschmack mild bis bitterlich.

Der Habichtspilz ist bodenvag, bevorzugt aber doch saure oder durch Nadelstreu abgesauerte Waldböden. In tieferen Lagen soll er besonders unter Kiefern, im Bergland mehr unter Fichte vorkommen. Während er bis zur ersten Hälfte dieses Jahrhunderts noch so häufig war, daß man ihn als beliebten Speisepilz sogar auf Märkten handelte, wurde er im Laufe der letzten drei Jahrzehnte so selten, daß jüngere Pilzexperten ihn nur noch aus Büchern kennen. Als der Habichtspilz während der Dreiländertagung der DGfM anfangs Oktober in Bad Mergentheim bei einer Exkursion gefunden werden konnte, war dies eine kleine Sensation.

Wegen seiner Seltenheit taucht er in neueren Pilzkochbüchern kaum noch auf. In einem gerade erschienenen solchen Buch wird der Habichtspilz nur noch getrocknet und grammweise als Würzpilz empfohlen. Er sollte deshalb von den Pilzsammlern geschont, und vom Gesetzgeber in den ohnehin überarbeitungsbedürftigen Anhang C5 der Bundesartenschutzverordnung übernommen und damit geschützt werden.

Bilder

Die Hutoberfläche des Habichtspilzes zeigt grobe, dunkel zugespitze Schuppen.

Die Hutoberfläche des Habichtspilzes zeigt grobe, dunkel zugespitze Schuppen. | Bild: Andreas Kunze

Die Hutunterseite des Habitspilzes ist mit grauen Stacheln besetzt, die am Stiel leicht herablaufen.

Die Hutunterseite des Habitspilzes ist mit grauen Stacheln besetzt, die am Stiel leicht herablaufen. | Bild: Andreas Kunze

Der Habichtspilz hat ein graues, würzig riechendes Fleisch.

Der Habichtspilz hat ein graues, würzig riechendes Fleisch. | Bild: Andreas Kunze