Echter Hausschwamm, Tränender Hausschwamm
Serpula lacrymans (Wulfen) P. Karst. 1884

Seit jeher gehört der Echte Hausschwamm zu den gefürchtetsten Schädlingen in Gebäuden, gebärdet er sich doch nicht selten unberechenbar, selbst in Fällen, wenn er schon erfolgreich bekämpft schien. Schon 1789 wird im Allgemeinen Magazin für die bürgerliche Baukunst „Von der Verhütung und Vertilgung des laufenden Schwammes in dem Holzwerke der Gebäude“ berichtet. 1866, 1885 und 1912 erschienen umfangreiche Abhandlungen über Leben, Vorkommen und die zerstörerische Wirkungsweise des Pilzes, und auch heute noch wird an ihm geforscht.

Der Echte Hausschwamm entfaltet seine zerstörerische Wirkung oft schon im Verborgenen, d. h. bevor seine auffallenden Fruchtkörper in Erscheinung treten. Er greift das Holz an, entzieht ihm mit Hilfe ausgeschiedener Enzyme die faserige Cellulose und lässt das Lignin als bröckelige, oft würfelige, braune Substanz zurück – die typischen Zeichen einer Braunfäule. Zu diesem Zeitpunkt ist es um die Belastbarkeit des Holzes längst geschehen: Dielenbretter sind eingebrochen, tragende Balken geknickt. Wenn die Fruchtkörper erscheinen und gar schon brauner Sporenstaub die Wände und Böden belegt, ist meist schon nichts mehr zu retten. Am Ende zerfällt das abgebaute Holz oft zu braunem Staub.

Die Fruchtkörperbildung beginnt immer als weißer Filz. In der Mitte einer solchen markstück- bis untertellergroßen Vorstufe zeigt sich bald eine leicht ockerliche Verfärbung und die labyrinthische, braune Oberfläche, auf der die Sporen entstehen. Der Fruchtkörper selbst ist vielgestaltig, von krustenförmig bis konsolenförmig mit weißem und dicht filzigem Rand. Häufig passt er sich in seiner Form der Holzoberfläche an.

Waren es früher meist moderige, schlecht beheizte Fachwerkhäuser mit ebenerdiger Gründung, in denen der Echte Hausschwamm wütete, so sind heute vor allem Wald- oder Berghütten betroffen, wenn auch keineswegs ausschließlich. Neubauten mit Kondenswasser an Wärmebrücken oder mit Wassereintrittstellen sind gleichfalls gefährdet. Nicht selten geht die Infektion von im Keller verbautem Nadelholz aus. Einmal Fuß gefasst, macht Serpula lacrymans aber auch vor Buche, Eiche und anderem Laubholz nicht halt. Selbst wenn ihm einmal das Holz zu trocken ist, kann er mit Hilfe seiner wurzelartigen Organe, seiner Rhizomorphen, mit wasserleitenden Gefäßen über viele Meter hin Feuchtigkeit herantransportieren. Dabei überwindet er auf seinem Wege sogar Mauern und durchwächst kleinste Ritzen. Ausgeschiedene Flüssigkeitstropfen neugebildeter Fruchtkörper an recht trockenen Orten sind Hinweis auf den Wassertransport.

Der Echte Hausschwamm ist in Deutschland weit verbreitet und fehlt in keinem Bundesland. Dort, wo er sein Unwesen treibt, ist eine gründliche Gebäudesanierung erforderlich – und die kann teuer kommen: Kosten von 10.000 bis 30.000 Euro sind nicht ungewöhnlich. In schlimmen Fällen muss das betroffene Haus wegen akuter Einsturzgefahr geräumt werden.
Bauherren sollten darauf achten, dass es nicht zu verborgenen Wasserstaustellen kommt und Kellerräume sowie Dachböden gut durchlüftet werden. Die Sanierung sollten nur Firmen vornehmen, die auf die Hausschwammbekämpfung spezialisiert sind. Da noch weitere Bauholzpilze mit anderer Schadwirkung bekannt sind, ist eine sorgfältige Begutachtung des Befalls erforderlich.

Die „Deutsche Gesellschaft für Mykologie“ hat den Echten Hausschwamm zum „Pilz des Jahres 2004“ gewählt, um auf seine oft unterschätzte wirtschaftliche Bedeutung und Häufigkeit hinzuweisen und um zu zeigen, dass Pilze durchaus in der Lage sind, unser geliebtes „Dach über dem Kopf“ zu bedrohen.

Bilder

Der Hausschwamm zählt zu den aggressiven Holzschädlingen.

Der Hausschwamm zählt zu den aggressiven Holzschädlingen. | Bild: Peter Karasch