Bereits der Verzehr kleiner Mengen kann zum Tod führen.

► Pilz liefert Bäumen Wasser und Mineralstoffe im Tausch gegen Zucker.

► Pilzsachverständige und Pilzberater schützen Sammler vor Vergiftungen.

► Ehrenamtliche brauchen mehr Anerkennung und öffentliche Unterstützung.

 

Kollm, 22. September 2018 — Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat während der Tagung zum 30-jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Mykologen den Grünen Knollenblätterpilz als „Pilz des Jahres 2019“ vorgestellt.

Der fürs Gesundheitswesen bedeutendste Giftpilz enthält leberschädigende Amatoxine. Schon der Verzehr von 50 Gramm eines Pilzfruchtkörpers ist lebensgefährlich. Ohne medizinische Versorgung droht binnen 3 bis 10 Tagen der Tod durch multiples Organversagen.
 

Lebenspartner von Pflanzen

Der in Deutschland weit verbreitete Symbiont lebt vor allem mit Buchen und Eichen zusammen. Durch sein feines Fadengeflecht (Myzel) im Boden vergrößert der Grüne Knollenblätterpilz die Wurzeloberfläche um das 1.000-fache und liefert seinem Partner Wasser sowie Nährstoffe im Tausch gegen Zuckerverbindungen. Deshalb sind Pilze für gesunde und stabile Ökosysteme unverzichtbar. Die Fruchtkörper erscheinen zwischen Juli und Oktober, vor allem in trockenen und warmen Sommern nach ergiebigen Regenfällen.
 

Merkmale im Überblick

Der olivgrüne, eingewachsen-radialfaserige Hut schirmt bei Reife flach auf und erreicht einen Durchmesser von bis zu 12 cm. Die freien Lamellen auf der Hutunterseite und das Sporenpulver sind weißlich gefärbt. Am bis zu 10 cm langen und an die 2 cm dicken Stiel hängt ein flüchtiger weißer und geriefter Ring. Die knollige Basis steckt in einer lappigen und offen abstehenden Scheide. Markant ist ein süßlicher, an Kunsthonig erinnernder Geruch.
 

Verwechslungen mit Speisepilzen

Der Giftpilz wird meist mit essbaren Täublingen und Champignons verwechselt. Durch die freien, weißen Lamellen und die knollige, sackartig umhüllte Stielbasis ist Amanita phalloides aber gut zu erkennen. Das untere Stielende kann jedoch in der Streu verborgen sein. Deshalb sollten Sammler ähnliche Lamellenpilze aus dem Boden hebeln, statt sie abzuschneiden. Außerdem existiert von der Art eine Varietät mit weißen Fruchtkörpern, die aufgrund fehlender Grüntöne noch leichter mit Champignons verwechselt werden kann. Hier sind die Stielbasis und die Lamellen die einzigen sicheren Unterscheidungsmerkmale.
 

Vorbeugung durch Pilzberatung

Seit mehr als 100 Jahren führen Pilzsachverständige und Pilzberater jedes Jahr tausende Beratungsgespräche, um Pilzfreundinnen und Pilzfreunde in Deutschland ihr Hobby zu fördern und sie vor Vergiftungen zu bewahren. Dabei arbeiten sie bundesweit mit den Giftzentralen zusammen. Die DGfM wünscht sich mehr Anerkennung und eine stärkere öffentliche Unterstützung für diese wichtigen Aufgaben. Das Gesundheitswesen wird in dem Bereich vorwiegend durch ehrenamtlich Tätige gestützt.
 

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Pressefotos

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Der Verzehr des Grünen Knollenblätterpilzes schädigt die Leber und kann unbehandelt tödlich enden. (Foto: Dr. Matthias Theiss)
  
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Die pigmentlose Varietät des Giftpilzes sieht essbaren weißen Champignons noch ähnlicher. (Foto: Rainer Wald)

 

Über die Deutsche Gesellschaft für Mykologie

Gegründet 1921, vertritt die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) die Interessen von Pilzfreunden und Mykologen in Deutschland. Sie definiert die Qualifikationen zum PilzCoach, Pilzsachverständigen und universitär geprüften Fachberater für Mykologie.

Die DGfM veranstaltet Fachtagungen und gibt die „Zeitschrift für Mykologie“ sowie das englischsprachige Journal „Mycological Progress“ heraus. Zudem vergibt sie Förderpreise für besondere mykologische Forschungstätigkeiten. Seit 1994 kürt die DGfM alljährlich den „Pilz des Jahres“.

Als nichtstaatliche Organisation setzt sie sich für den Arten- und Biotopschutz von Pilzen ein. Sie koordiniert die bundesweite Pilzkartierung und veröffentlicht Verbreitungskarten auf www.pilze-deutschland.de.

Bilder

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DGfM-Pressefoto__PdJ-2019__Gruener-Knollenblaetterpilz-1__Dr-Matthias-Theiss.jpg | Bild: Dr. Matthias Theiss

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DGfM-Pressefoto__PdJ-2019__Gruener-Knollenblaetterpilz-2__Rainer-Wald.jpg | Bild: Rainer Wald