Ansätze zur Erfassung der taxonomischen Struktur der Ascomycetengattung Cosmospora und ihrer Nebenfruchtformen

Die Ascomycetengattung Cosmospora (Nectriaceae, Hypocreales) wurde 1999, vorwiegend für Mitglieder der ehemaligen Nectria episphaeria-Gruppe, wieder eingeführt. Über ein Jahrhundert lang wurden gleich mehrere Hyphomyceten-Gattungen als Nebenfruchtformen mit Cosmospora in Verbindung gebracht, nämlich Acremonium, Chaetopsina, Fusarium, Stilbella, Verticillium und Volutella. Daher wurde schon seit längerem vermutet, dass Cosmospora polyphyletischen Ursprungs ist, jedoch ohne taxonomische Fakten zu schaffen. Entsprechend müssen bekannte und akzeptierte Anamorph-Teleomorph-Verbindungen von Cosmospora nochmals hinterfragt und kritisch überprüft werden. Als Beispiel wird die Verbindung von Fusarium ciliatum mit verschiedenen „Nectria“- Vertretern, nämlich Nectria decora und Cosmospora diminuta, eingehender beschrieben. Bisher ist nur wenig über die Ökologie und Bedeutung von Cosmospora-Arten in der Natur bekannt. Naturnahe Laub- und Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten sind für Hobby- und Berufsmykologen ergiebige „Jagdgründe“, nicht nur um Nectria-verwandte Pilze zu sammeln. Die Tatsache, dass einige Cosmosporen nur auf bestimmten Pilz- und Pflanzenarten vorkommen, deutet klar auf eine Wirtsspezifität hin. Das Verständnis des ökologischen Kontexts wird u.a. auch bei der Suche nach frischen Belegen altbekannter Arten helfen, um diese für eine auf DNA-Sequenzen basierende Analyse verfügbar zu machen. Damit wird die entscheidende Verbindung zwischen modernen molekularen Phylogenien und traditioneller taxonomischer Arbeit der vergangenen Jahrhunderte hergestellt. Mittels des geschaffenen Fundaments, phylogenetischer Studien sowie modernsten Nachweisund Isolierungsmethoden warten zahlreiche neue Cosmospora-Arten darauf entdeckt zu werden. Vier wichtige Beispiele für und dringend benötigte Epitypifizierungen (nämlich C. episphaeria, C. purtonii, C. flavoviridis, und C. wegeliniana) werden näher beschrieben – eine anspruchsvolle Gemeinschaftsaufgabe für Hobbymykologen und Taxonomen.
Autor: Gräfenhan, T.
Jahr: 2009
Ausgabe: Z. Mykol. 75(2)
Seiten: 175–188
gehört zu Heft: Z. Mykol. 75(2)
Schlagworte: taxonomy, morphology, phylogeny, DNA barcode, host fungus, host plant, Fusarium, Nectria, anamorph-teleomorph relationships
Download: ansaetze-zur-erfassung-der-taxonomischen-struktur-der-ascomycetengattung-cosmospora-und-ihrer-nebenfruchtformen.pdf 744,38 KB


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