Hydrophobie von Basidiosporen als Merkmal der Gasteromycetation

Aufgrund morphologischer, anatomischer und molekularbiologischer Studien hat sich herausgestellt, dass die Vertreter der Agaricomycetidae (= Homobasidiomycetidae), die angio- oder cleistocarpe Fruchtkörper (Gasterothecien) bilden, nahezu alle von Verwandtschaftskreisen abgeleitet sind, bei denen gymno- oder hemiangiocarpe Fruchtkörper (Hymenothecien) dominieren. Der phylogenetische Prozess, der zur Entstehung der Sippen mit gastroiden Fruchtkörpern geführt hat, wird als Gasteromycetation bezeichnet. Er hat sich in verschiedenen Verwandtschaftskreisen der Agaricomycetidae unabhängig voneinander vollzogen und in vielen Fällen zu morphologisch-anatomisch ähnlichen Fruchtkörpermerkmalen geführt. Zu diesen gehört die Hydrophobie der Sporen bei Gasterothecien mit anemochorer oder ombro-anemochorer Sporenverbreitung. In der vorliegenden Arbeit wird eine Methode zur Quantifizierung der Hydrophobie von Sporen durch Messung der Randwinkel von Wassertröpfchen auf festgelegten Sporenteppichen vorgestellt. Außerdem wird die ökologische Bedeutung der Hydrophobie für die Sporenverbreitung angiocarper Basidiomata mit trockenem Sporenpulver diskutiert. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Hydrophobie der Sporen einer Auswahl von Hymenothecien deutlich geringer ist als die einer Auswahl von stäubenden Gasterothecien. Die secotioiden Basidiomata nehmen eine Zwischenstellung ein. Experimentell wird nachgewiesen, dass hydrophobe Sporen beim Durchqueren einer feinen Tröpfchenwolke selektiv an Tröpfchen mit einem Durchmesser von 50 bis 200 μm oftmals oberflächendeckend anhaften. Diese Fähigkeit wird als verbreitungsbiologischer Selektionsvorteil bewertet.
Autor: Dörfelt, H.; Ruske, E.
Jahr: 2010
Ausgabe: Z. Mykol. 76(2)
Seiten: 153-170
gehört zu Heft: Z. Mykol. 76(2)
Schlagworte: anemochory, basidiospores, gasteromycetation, gasterothecia, hydrophobia, hymenothecia, ombro-anemochory, spore liberation, spore propagation


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