Herr Fritz Krauch und Ehefrau, Bad Wünnenberg, und ich waren bereits im Februar 2009 mit Pilzvergiftungen befasst. Drei Russlanddeutsche – Vater, Tochter und Sohn – hatten im Herbst gesammelte und sauer eingelegte „Pfifferlinge“ verzehrt.

Wegen vermeintlichem Schwangerschaftserbrechen wurde die 22-jährige gravide Frau zunächst in der Frauenklinik untersucht und erst nach mehreren Stunden in eine Innere Abteilung verlegt. Sie litt ebenso wie ihr Bruder, der zu Hause geblieben war, an einem vorübergehenden gastrointestinalen Syndrom ohne Folgen.

Die mir gegen 23 Uhr vorgelegten dunkelbraunen, matschigen kleinen Lamellenpilzhüte ohne Stiele in einem säuerlich riechenden Sud konnten mikroskopisch als Kahle Kremplinge bestimmt werden.

Sehr viel schwerer war der Vater, der im Heimatkrankenhaus behandelt wurde, betroffen. Hier konnte Herr Krauch ebenfalls sauer eingelegte Kahle Kremplinge identifizieren.
Die behandelnde Ärztin, die ich noch in der Nacht auf die Gefahr eines Paxillus-Syndroms hingewiesen hatte, stellte mir den Krankheitsbericht zu Verfügung. Danach war es bei dem 45-Jährigen ca. 3 Stunden nach der Pilzmahlzeit zu heftiger Übelkeit, mehrfachem Erbrechen, kolikartigen Bauchschmerzen und Durchfall gekommen. Nachdem er bei der Aufnahme noch kreislaufstabil gewesen sei und unauffällige Laborwerte gehabt habe, sei er plötzlich zyanotisch geworden und in einen Schockzustand geraten. Die Kontrolle der Laborwerte ergab jetzt die Zeichen einer mäßig ausgeprägten Hämolyse. Nach symptomatischer Behandlung zunächst auf der Intensivstation, konnte er nach 3 Tagen beschwerdefrei entlassen werden. Er wurde über seine Vergiftung aufgeklärt und nachdrücklich vor nochmaligem Verzehr Kahler Kremplinge gewarnt.

Prof. Dr. Siemar Berndt, DGfM-Toxikologe

Kahler Krempling (Paxillus involutus) | Foto: Strobilomyces, commons.wikimedia.org, CC-BY-SA-3.0-migrated