Birkenpilz (Leccinum scabrum) | Foto: Vesna Maric (kalipso), MushroomObserver.org, CC-BY-SA-3.0

Herr Horst Staub, Mannheim, schilderte den Fall eines 29-jährigen Italieners, der einige Wochen zuvor Pilze gesammelt und tiefgefroren hatte. Nach Verzehr der Pilze klagte er über heftigstes Brennen im Mund und Rachen, gefolgt von Herzrasen und Kaltschweissigkeit. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall wurden verneint. Wegen erhöhter Leberwerte wurde in der Klinik das Phalloides-Programm eingeleitet. Nachdem kein weiterer Anstieg der Transaminasen erfolgte, Amanitin im Urin negativ war und es dem Patienten wieder gut ging, wurde die Silibinin-Therapie beendet.

Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) | Foto: Andreas Kunze

Im letzten ungewöhnlich pilzreichen Herbst kam es zu einer Häufung auch schwerer Vergiftungen. Ende September wurde von der Berliner Charité die Behandlung von sieben Knollenblätterpilz-Vergiftungen gemeldet. Harry Andersson berichtete über eine tödlich verlaufene Grüner-Knollenblätterpilz-Vergiftung einer 69-jährigen Frau aus Osteuropa.

Großer Stachelschirmling (Lepiota aspera) | Foto: Wolfgang Prüfert

Herr Volker Buch, Langen, und Herr Manfred Lorenz, Jonsdorf, berichteten über ein „Antabus-Syndrom“ mit klassischem Verlauf und Ausprägung nach Genuss von Stachelschirmlingen und Alkohol bei einem Ehepaar und einer Einzelperson.

Den ersten mir bekannt gewordenen Fall eines Ehepaares hatte Erhard Ludwig, Berlin, (2009) beschrieben (Der Tintling 61, S. 69). Auf einer Fortbildungsveranstaltung der GIZ München im November 2010 teilte mir Frau Bettina Haberl, München, zwei weitere Vergiftungen aus dem Jahre 2010 mit. Alle Betroffenen hatten die Stachelschirmlinge mit Parasole verwechselt.

Frau Hermine Lotz-Winter, Mörfelden-Walldorf, wurde von einer Kinderklinik mit der Untersuchung eines 4 cm² großen Pilzfragmentes beauftragt, das die Mutter ihrer eineinhalb jährigen Tochter aus dem Mund entfernt und in einer Plastiktüte aufbewahrt hatte.

Speisemorchel | Foto: Andreas Kunze

Herr Günther Schier, Dassel, berichtete die Vergiftung von vier Familienangehörigen, die Ende Mai nach ihren Angaben eine „Unmenge an Morcheln“ gesammelt und alle am Abend verspeist hatten.

Parasol (Macrolepiota procera) | Foto: Matthias Weinhold, Pilzportal.info

Herr Karl-Heinz Johe, Gaildorf-Eutendorf, schilderte eine individuelle allergische Reaktion vom Soforttyp einer Frau nach Genuss gut gegarter „panierter Schnitzel“ aus Parasolhüten.

Nebelgrauer Trichterling (Clitocybe nebularis) | Foto: Archenzo, commons.wikimedia.org, CC-BY-SA-3.0

Herr Georg Schabel, Gerstetten, schilderte eine Vergiftung mit Nebelgrauen Trichterlingen.

Eine Frau hatte sie am Nachmittag gesammelt, ungenügend gekocht, auch das Kochwasser nicht weg geschüttet und um 18:30 Uhr zusammen mit ihrem Ehemann verspeist. Gegen 20 Uhr wurde sie wegen heftigen Erbrechens im Krankenhaus aufgenommen, wo man ihr ein Beruhigungs- und ein Mittel gegen Erbrechen (!) gegeben habe.