Frau Hermine Lotz-Winter, Mörfelden-Walldorf, wurde von einer Kinderklinik mit der Untersuchung eines 4 cm² großen Pilzfragmentes beauftragt, das die Mutter ihrer eineinhalb jährigen Tochter aus dem Mund entfernt und in einer Plastiktüte aufbewahrt hatte.

36 Stunden nach diesem Ereignis waren Durchfälle aufgetreten, die die Mutter veranlasst hatten, mit dem Töchterchen die Klinik aufzusuchen. Die PSV konnte an dem bereits in Zersetzung begriffenen Pilzstückchen noch Lamellen erkennen. Mikroskopisch fand sie leicht gespornte, stark dextrinoide Sporen um 5–6,5 × 3–3,5 µm, sodass sie von einer Lepiota aus der Sektion Stenosporae ausgehen konnte. Sie hat daraufhin sofort dem behandelnden Arzt mitgeteilt, dass die Gattung Lepiota hochtoxische Arten enthält und auf die Möglichkeit einer Amanitin-Vergiftung hingewiesen. Hierauf wurde das Phalloidin-Programm eingeleitet. Einige Stunden später wurde ihr der positive Amanitinnachweis im Urin mitgeteilt und dass eine Verlegung des Kindes in das Lebertransplantationszentrum Hannover erwogen würde, die dann aber nicht erforderlich wurde.

Frau Lotz-Winter weist auch an Hand einer weiteren Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz eines 9-jährigen Jungen nachdrücklich darauf hin, dass man der Aussage, das Kind habe nichts geschluckt, wie in beiden Fällen behauptet, nicht trauen darf.

Prof. Dr. Siemar Berndt, DGfM-Toxikologe