Der Wolfgang-Beyer-Preis 2018 wurde während der Internationalen DGfM-Tagung in Möhnesee (NRW) an Axel Schilling für seine enormen Verdienste im Bereich der mykologischen Kartierung verliehen.

 

Laudatio von Jörg Albers

Es hat mich ganz besonders gefreut, dass am 7. Oktober 2018 während der Mykologischen Tagung in Möhnesee Axel Schilling, einem der besten Pilzkenner und eifrigsten Pilzkartierer Norddeutschlands, der „Wolfgang-Beyer-Preis“ verliehen wurde. Insbesondere seine Verdienste um die ökologische Kartierung der Pilze und verschiedene digitale Erfassungsmethoden sowie Plattformen prädestinieren ihn geradezu für diese Auszeichnung.

Als gegen Ende der 1970er Jahre Bernt Grauwinkel den Pilzkundlichen Arbeitskreis im Naturwissenschaftlichen Verein zu Bremen neu etablierte – die „Gesellschaft für heimische Pilz- und Pflanzenkunde“ hatte sich wenige Jahre zuvor nach fast 50 Jahren aufgelöst – gehörte Axel zusammen mit Bernt, Georg Müller (Ganderkesee), Günter Finschow, Dr. Martha Nordkemper und Wilhelm Syamken (alle Bremen) zu den wenigen Gründungsmitgliedern und beeindruckte schon damals durch überaus gute Pilzartenkenntnisse. Auf vielen Exkursionen durch Niedersachsen, auf DGfM- und Mykologischen „Dreiländertagungen“ etablierte sich diese kleine Gruppe und wuchs beständig.

Schon früh in den 1980er Jahren wirkte er an der Kartierung der damals noch westdeutschen Pilzflora unter German J. Krieglsteiner sehr aktiv mit und war in Zusammenarbeit mit Dieter Seibt maßgeblich an der Entwicklung des Erfassungsprogramms „Ökologische Pilzkartierung 2000“ der DGfM beteiligt und hat dieses System viele Jahre betreut und stetig weiterentwickelt und verbessert. In diese Zeit fällt auch die wissenschaftliche Erfassung und Revision der Makromyceten-Daten Bremens und Niedersachsens sowie die Bearbeitung des „Pilzherbars“ des Übersee-Museums Bremen aus historischen Quellen, beides ebenfalls für die DGfM.

Später entwickelte Axel das Bestimmungs- und Kartierungs-Programm SynopWin sowie die Kartierungs-Plattform der Pilze Niedersachsens, in der über 150.000 Funddaten digital erfasst sind (Stand 2004) und abgerufen werden können. Die meisten Fundpunkte wurden von Klaus und Knut Wöldecke sowie Axel über die Jahre zusammengetragen. Aber auch die unermüdliche Sammeltätigkeit von Einzelpersonen und der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaften aus Bremen, Hamburg, Braunschweig, Nienburg, Norden oder Hannover haben dieses Ergebnis erst möglich gemacht. Diese Datenbank stellt einen bemerkenswerten Fundus von mykologischen Informationen dar und ist eine Quelle für alle Personengruppen, die an der Pilzflora Niedersachsens und darüber hinaus interessiert sind.

Darauf aufbauend entwickelte Axel die deutschlandweite digitale Plattform „Pilzkartierung 2000 Online“, auf der registrierte Benutzer ihre Pilzfunde melden können.

Auch die Datenbank „pilze-deutschland“ wurde mit – wie wir es nannten – „plausiblen Daten“ von Axel als Landeskoordinator für Niedersachsen und Bremen in Zusammenarbeit mit Dr. Geert Schmidt-Stohn (Bienenbüttel) und dem Autor dieser Zeilen mit Daten aus Niedersachsen gefüttert.

Ich selbst lernte Axel im Jahre 1995 auf der ostfriesischen Insel Norderney kennen, nachdem er den Bremer Arbeitskreis kurz zuvor aus beruflichen Gründen in Richtung Hannover verlassen hatte.

Als damaliger „Neuling“ in der Gruppe durfte ich das erste Mal an der seinerzeit schon traditionellen Mykologischen Insel-Tagung des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen teilnehmen. Auf dieser, seit 1980 alljährlich stattfindenden, Veranstaltung war er nahezu in jedem Jahr dabei und trug so maßgeblich zu deren Gelingen und der sehr großen Menge an mykologischen Daten der Ostfriesischen Inseln bei. Dieses Treffen stellt zumeist den pilzkundlichen Höhepunkt eines Pilzjahres und oft auch Jahresabschluss der Nordwestdeutschen Pilzfreunde dar – die allermeisten Zusammenkünfte fanden aufgrund des dort herrschenden milden Meeresklimas erst zwischen Mitte Oktober und Anfang November statt.

Auf unzähligen, oft auch nächtlichen Diskussionsrunden wurde von und mit Axel so manche kritische, neue oder auch kryptische Art entlarvt. Ich freue mich immer besonders, dass wir nahezu alle Artengruppen des mykologischen Spektrums beachten und auch vor kleinen braunen Telamonien der Kriechweidengebüsche oder den ebenfalls kleinen braunen Galerinen aus den Weiten der „Weißen“, „Grauen“ und „Braunen“ Inseldünen nicht zurückschrecken.

Lieber Axel, herzlichen Glückwunsch zum „Wolfgang-Beyer-Preis“! Ich hoffe auf viele weitere gemeinsame Jahre, in denen wir die unerschöpfliche Welt der Pilze in den verschiedensten Naturräumen erforschen und über diese diskutieren können, auch im Namen aller anderen und insbesondere der norddeutschen Mykologen.

 

Veröffentlicht in den DGfM-Mitteilungen 2019/2

Bilder

Wolfgang-Beyer-Preis 2018 für Axel Schilling

Wolfgang-Beyer-Preis 2018 für Axel Schilling | Bild: Felix Hampe