Der Wolfgang-Beyer-Preis 2020 ging an Hans Bender für seine zahlreichen Studien zur Gattung Coprinus s.l. und anderen Pilzgattungen sowie seine enormen Verdienste bei der mykologischen Kartierung.

 

Laudatio von Karl Wehr

Als Peter Karasch mir mitteilte, dass der Fachausschuss Kartierung und Naturschutz den Wolfgang-Beyer-Preis 2020 an Hans Bender vergeben möchte, habe ich mich sehr für Hans gefreut.

Nicht viele Hobbymykologen können auf nahezu 45 Jahre intensive Beschäftigung mit Pilzen zurücksehen, und Hans ist bis zum heutigen Tag sicherlich einer der Eifrigsten von ihnen.

Einen Namen machte sich Hans Bender erstmals durch die Spezialisierung auf die Gattung Coprinus (Tintlinge). Für seine ausgezeichneten Leistungen auf diesem Gebiet wurde ihm im Jahr 1989 der Adalbert-Ricken-Preis überreicht (Wehr & Siepe 2014). Inzwischen hat sich Hans ein beeindruckendes Wissen über zahlreiche Artengruppen angeeignet, wozu auch Corticiaceen, Ascomyceten, Myxomyceten und allgemein Pilze auf Dung zählen.

Weniger bekannt dürfte sein, dass Hans schon seit Beginn seiner Tätigkeit auch eifriger Pilzkartierer war. Der älteste von ihm bestimmte und erfasste Pilzfund war der Hohlfuß-Röhrling (Boletinus cavipes) am 01.11.1978.

Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Niederrhein (APN) erfasste Hans unermüdlich die Pilze in seiner Heimatstadt Mönchengladbach und der näheren Umgebung, welche Eingang in den Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands (West) fanden. Später gehörte er zu den ersten Anwendern des Programms PILZKARTIERUNG 2000 und bald auch des Kartierungsprogramms Mykis. Wertet man die Datenbank der Funde Nordrhein-Westfalens aus, so geht für beeindruckende 600 Arten das Erstnachweisdatum jeweils auf Hans Bender zurück und die anschließende Tabelle mag zeigen, dass sein Forscherdrang nach in NRW unbekannten Arten unvermindert weiterbesteht.

Vollname Fundort Funddatum
Achroomyces disciformis (Fr.) Donk 1958 NW, Mönchengladbach Schloß Wickrath 14.02.2020
Cryptocline taxicola (Allesch.) Petr. 1925 NW, Mönchengladbach Genhausen 18.02.2020
Coprotus winteri (Marchal) Kimbrough 1967 NW, Mönchengladbach Volksgarten 18.03.2020
Subulicystidium longisporum (Pat.) Parmasto s. str. 1968 NW, Mönchengladbach Volksgarten 23.03.2020
Rhopalomyces elegans Corda 1839 NW, Mönchengladbach Volksgarten 13.04.2020
Chaetomium homopilatum Omvik 1955 NW, Mönchengladbach Hilderath 24.04.2020
Encoelia glaberrima (Rehm) Kirschst. 1935 NW, Rickelrath Umgebung 09.05.2020
Mollisia obscura (Rehm) Baral & Gminder 2008 NW, Dalheim Mühle 30.05.2020
Mollisia mediella (P. Karst.) Baral 2008 NW, Dalheim Mühle 07.06.2020
Albotricha miniata subsp. schoenoplecti Raitv. 1988 NW, Dalheim Mühle 13.06.2020


Viele bemerkenswerte Funde werden unter der Rubrik „Pilz der Woche“ auf der Homepage von Hans Bender www.bender-coprinus.de vorgestellt und es sollte erwähnt werden, dass sich darunter auch Erstnachweise für Deutschland befinden. Dass Hans auf Reisen ebenso aktiv ist wie daheim, zeigen diverse Fundmeldungen aus anderen Bundesländern. In jüngerer Zeit hat sich Hans wieder seiner alten Liebe zugewandt, auch wenn die Arten der Gattung Coprinus inzwischen zum überwiegenden Teil in die Gattungen Coprinellus, Coprinopsis und Parasola überführt wurde. Die modernen molekularen Methoden sind nicht spurlos an seinem privaten Herbar vorbeigegangen, und man darf gespannt sein, ob sich darunter noch die ein oder andere unbeschriebene Art verbirgt.

Ein Ergebnis wurde inzwischen bekannt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Hans immer die Auffassung vertreten hat, dass es sich bei Parasola nudiceps (vormals Coprinus nudiceps) um eine gute Art handelt und er sie von Parasola schroeteri unterscheiden kann. Im Index Fungorum, in Mycobank und folglich auch in der Taxref-Liste von Mykis wurde die Art jedoch nur als Synonym geführt. Die Sequenzierung eines seiner Funde hat Hans recht gegeben. Ob es sich dabei tatsächlich um Parasola nudiceps handelt, wäre zwar nur durch eine Untersuchung des Typus endgültig bewiesen, jedoch hat sich die Auffassung von Hans, die auf seiner unendlichen Erfahrung beruht, bewiesen.

Für die kommenden Jahre wünsche ich meinem Freund Hans weiterhin ein ungebrochenes Interesse an den Pilzen, viele weitere interessante Funde und vor allem eine gute Gesundheit.

 

Literatur

  • Wehr K, Siepe K (2014) Laudatio: Hans Bender zum 70. Geburtstag. Z. Mykol. 80(2): 424-427.

 

Veröffentlicht in den DGfM-Mitteilungen 2021/1, darin fälschlicherweise als Laudatio zum Wolfgang-Beyer-Preis 2019 statt 2020 – wir bitten dies zu entschuldigen.

Bilder

Karl Wehr (links) übergibt Hans Bender die Urkunde und DGfM-Tasse anlässlich des Wolfgang-Beyer-Preis 2019

Karl Wehr (links) übergibt Hans Bender die Urkunde und DGfM-Tasse anlässlich des Wolfgang-Beyer-Preis 2019 | Bild: Jochen Maaßen