Pilz des Jahres

Seit 1994 wird von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie jeweils ein "Pilz des Jahres" ausgewählt. Die präsentierte Art soll stellvertretend für die Pilze allgemein den Blick der Öffentlichkeit auf die wichtige Bedeutung der Pilze für unser Ökosystem richten. 

Der "Pilz des Jahres" setzt eine schon länger bestehende Tradition der Wahl von Organismen des Jahres fort:

2017: Auricularia auricula-judae (Bull.) Wettst. 1886, Judasohr

 

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat das Judasohr (Auricularia auricula-judae (Bull.) Wettst. 1886) zum Pilz des Jahres 2017 gewählt. Der Speisepilz hat die Form einer Ohrmuschel und ist auch für unerfahrene Pilzsammler leicht zu bestimmen. Da der Fruchtkörper mehrfach komplett austrocknen und wieder aufquellen kann, regt das Judasohr dazu an, sich mit der Ökologie der Pilze zu beschäftigen.

2016: Lepista personata (Fr.) Cooke 1871, Lilastieliger Rötelritterling

Lilastieliger Rötelritterling, Pilz des Jahres 2016

Mit dem Lilastieligen Rötelritterling stellt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V. einen Pilz des Jahres vor, für dessen Erhalt Deutschland eine besondere Verantwortung hat. Der attraktive Pilz kommt verbreitet vor, hat aber durch die fortschreitende Grünlandintensivierung schon viele seiner Lebensräume verloren. Lepista personata, auch Masken-Ritterling genannt, ist mit seinem kräftigen, 5-25 cm großen hellockergrauen Hut und dem bei jungen Pilzen kräftig violetten Stiel ein gut charakterisierter und attraktiver Wiesenpilz.

2015: Artomyces pyxidatus (Pers.) Jülich (1982), Becherkoralle

Licht und Schatten der Klimapolitik: Die zunehmende Nutzung von abgestorbenem Holz aus den Wäldern zum Heizen schont die Vorräte an fossilen Brennstoffen, aber sie reduziert den natürlichen Lebensraum für viele wichtige und auch seltene Organismen. Um auf dieses Dilemma hinzuweisen, hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) die Becherkoralle zum Pilz des Jahres 2015 gewählt.

2014: Crucibulum laeve (Huds.) Kambly, Tiegelteuerling

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie möchte mit der Wahl des Tiegelteuerlings zum Pilz des Jahres 2014 auf die große Bedeutung der Pilze in den natürlichen Stoffkreisläufen aufmerksam machen. Es sind in erster Linie die oft im Verborgenen wirkenden Fadenwesen, die mit ihren Enzymen abgestorbene, organische Stoffe wie Holz, Blätter, Nadeln u. v. m. remineralisieren und somit wieder für die Pflanzenwelt verfügbar machen. Ohne diese Ökosystemleistung der Pilze würde in kürzester Zeit die gesamte Nahrungskette zusammenbrechen.

2013: Entoloma incanum (Fr.: Fr.) Hesler, Braungrüner Zärtling

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat den Pilz des Jahres 2013 gewählt. Der Braungrüne Zärtling kann in vielen Bereichen Deutschlands, Europas und darüber hinaus entdeckt werden.

2012: Cantharellus cinereus Pers.: Fr., Grauer Leistling

Ein unscheinbarer Geselle ist der Graue Leistling. Mit seinen graubraunen Tarnfarben ist er schwer im Herbstlaub auszumachen. Es sei denn, er wächst zwischen gelb verfärbten Hainbuchenblättern, wie auf unserem wunderschönen Bild des Pilzfotografen und Hobby-Mykologen Marco Gebert. Mit seinem trichterförmigen Hut, den grauen Leisten auf der Hutunterseite und dem braunen Stiel ähnelt er dem Trompeten-Pfifferling. Der Fachmann erkennt schon aus dem lateinischen Namen „Cantharellus cinereus“, dass der graue Leistling tatsächlich mit dem Pfifferling verwandt ist.

2011: Clathrus ruber Pers., Roter Gitterling

Bild von Clathrus ruber Pers.

Mit seinem geradezu außerirdischen Aussehen gehört der Rote Gitterling zu denjenigen Pilzen, die nicht zu übersehen sind. Seine fleischrote Gitterkugel schiebt sich etwa Tennisball groß aus einer schmutzig eierschalenfarbigen Hülle, dem Hexenei.

2010: Cortinarius praestans, Schleiereule

Schleiereule, Cortinarius praestans (Cord.) Gill., Bildvorlage: Edmund Garnweidn

Die Schleiereule ist eine leicht kenntliche Art aus der in Mitteleuropa mit weit über 700 Arten vertretenen Gattung der Schleierlinge. Sie ist in weiten Gebieten Deutschlands recht selten und fehlt in Norddeutschland völlig.

2009: Pulcherricium caeruleum (Lam.) Parmasto, Blauer Rindenpilz

Teranacaerulea, MTB 5317/3, Memelsberg Nähe Blasbach. Foto: Matthias Theiß

Krustenförmig wachsende Pilze aus der unnatürlichen Sammelfamilie der Corticiaceae sind nicht jedermanns Sache. Ihre Bestimmung kann in den allermeisten Fällen nur mikroskopisch bewerkstelligt werden. Zudem sind Corticiaceae oft recht unscheinbar und von ihrem Aussehen her unattraktiv. 

2008: Boletus aereus Bull.: Fr., Bronze-Röhrling

Boletus aereus

Der Bronze-Röhrling, auch Schwarzhütiger Steinpilz genannt, ist ein stattlicher Pilz aus der Verwandtschaft der Steinpilze. Mit ihm soll auf eine seltene und damit in ihrem Bestand gefährdete Pilzart aufmerksam gemacht werden. Der Fichten-Steinpilz (Boletus edulis) ist bei entsprechender Witterung in unseren Wäldern leicht zu finden, und er ist das Objekt der Begierde jedes Pilzsammlers.

2007: Cordyceps militaris (L.) Link, Puppenkernkeule

Cordyceps militaris (L.) Link

 

Orange-gelb leuchtet ein keulenförmiger Pilz im Grün der Wiese. Nur wenige Zentimeter ist er groß, fast hätten wir ihn übersehen. Ist es eine Keule der Familie Clavariaceae, also ein Ständerpilz (Basidiomycota)? Nein, das kann nicht sein, denn wir sehen die Öffnungen von dicht unter der Oberfläche liegenden Kammern (Perithecien), die angefüllt sind mit mikroskopisch kleinen Sporenschläuchen (Asci).

2006: Hericium coralloides (Scop.) Pers., Ästiger Stachelbart

Hericium coralloides (Scop.) Pers.

Wer das Glück hat, ihn zu finden, bleibt erstaunt stehen und überlegt: Wie kommen diese Korallen bloß hierher, in diesen deutschen Buchenwald? Bizarr geformt, unendlich verzweigt und blendend weiß - so wie sie sonst nur in einem Südseeatoll anzutreffen sind; hier thronen sie aber auf einem alten, dicken, halb vermoderten Buchenstamm? – Es ist ein Pilz!

2005: Astraeus hygrometricus (Pers.) Morgan, Wetterstern

Astraeus hygrometricus  (Pers.) Morgan

Eine zuverlässige Wettervorhersage ist ein alter Menschheitstraum. Jahrhunderte lang vertraute man auf den bekannten „Wetterfrosch“ im Glas, auf Fichtenzapfen, die ihre Schuppen spreizen, auf hoch oder tief fliegende Schwalben – und auf einen sternförmigen Pilz, dem man den ehrenvollen Namen Wetterstern verlieh.

2004: Serpula lacrymans (Wulfen) Schroet, Echter Hausschwamm

Serpula lacrymans  (Wulfen) Schroet

Seit jeher gehört der Echte Hausschwamm zu den gefürchtetsten Schädlingen in Gebäuden, gebärdet er sich doch nicht selten unberechenbar, selbst in Fällen, wenn er schon erfolgreich bekämpft schien. Schon 1789 wird im Allgemeinen Magazin für die bürgerliche Baukunst „Von der Verhütung und Vertilgung des laufenden Schwammes in dem Holzwerke der Gebäude“ berichtet. 1866, 1885 und 1912 erschienen umfangreiche Abhandlungen über Leben, Vorkommen und die zerstörerische Wirkungsweise des Pilzes, und auch heute noch wird an ihm geforscht.

2003: Hygrocybe psittacina (Schaeff.: Fr.) Kummer, Papageigrüne Saftling

Hygrocybe psittacina (Schaeff.: Fr.) Kummer

Man hat die bunten Saftlinge (Hygrocybe) schon mal die „Orchideen unter den Pilzen“ genannt: Knallrote, rosafarbene, gelbe, violette, braune, graue und weiße Arten gibt es – und eben ihn, den „papageigrünen“. Er ist ein exotisch anmutender Pilz mit feucht glänzendem grünem Hut, der im Alter oft ins Gelbliche ausblasst und selten breiter als 5 cm wird; mit gelben Lamellen und einem glatten, tiefgrünen bis ocker-orangefarbenen Stiel, der wie der Hut bei Feuchtigkeit schmierig-schleimig ist. Für den Kochtopf ist er nicht geeignet.

2002: Cortinarius orellanus (Fr.) Fr., Orangefuchsiger Rauhkopf

Cortinarius orellanus (Fr.) Fr.

Er gehört nicht zu den auffälligen Pilzen im Lande, und er kommt auch nicht überall vor. Dennoch sollte ihn jeder kennen, der beim Sammeln von Speisepilzen keine unliebsamen Überraschungen erleben will: Der Orangefuchsige Rauhkopf (Cortinarius orellanus) ist einer der gefährlichsten Giftpilze Europas und rangiert auf der Skala der lebensbedrohenden Arten gleichauf mit den gefürchteten Knollenblätterpilzen.

2001: Choiromyces maeandriformis Vittadini, Mäandertrüffel

Choiromyces maeandriformis Vittadini

"Theophrastus hatte die Trüffel als Werk von Blitz und Regen betrachtet, und Porphyrus als das der Götter selbst. Sie flößte allen, die sich mit ihr beschäftigten, Demut, Respekt und Bewunderung ein."

2000: Amanita regalis (Fr.) Michael, Königs-Fliegenpilz

Amanita regalis (Fr.) Michael

Den (roten) Fliegenpilz (Amanita muscaria) kennt jedes Kind, den Königs-Fliegenpilz dagegen kennt kaum jemand, er ist auf der Hutoberfläche nicht rot, sondern braun. Er ist wenig bekannt, weil er so selten ist. Die Seltenheit beruht auf der Tatsache, daß er nur im natürlichen Areal der Fichte vorkommt.

Dort, wo die Fichte nur angeforstet, aber nicht ursprünglich heimisch ist, findet man keine Fruchtkörper des Königs-Fliegenpilzes. Er ist also seinem Baumpartner nicht in fremde (Forst-) Gebiete gefolgt.

1999: Boletus satanas Lenz, Satanspilz

Boletus satanas Lenz

"Es war eine bange, grausenvolle Nacht." So resumiert Dr. Harald Othmar Lenz die Schilderung einer Vergiftung mit einem bis 1830 noch unbekannten Pilz. Er gibt ihm in seinem 1831 erschienen Buch "Die nützlichen und schädlichen Schwämme, nebst einem Anhange über die isländische Flechte" den Namen Satanspilz. Die Rache des Wissenschaftlers, die Erinnerung an einen Totenschädel, die der kahle weiße Hut erweckt, oder der Aasgeruch, den alte Fruchtkörper verströmen - aus dem Buch von Lenz geht nicht hervor, was ihn zu dieser Namensgebung bewogen hatte.

1998: Gomphus clavatus (Pers.: Fr.) S.F.Gray, Schweinsohr

Gomphus clavatus (Pers.: Fr.) S.F.Gray

Der beliebte, aber rare und immer seltener werdende Speisepilz ist ein naher Verwandter des bekannten Pfifferlings. Wie bei diesem besteht seine Fruchtschicht aus Leisten. Er kommt vor von der Tiefebene bis in montane und subalpine Hochlagen, wobei letztere deutlich bevorzugt werden. Wenn auch selten kommt das Schweinsohr in ganz Europa vor und gehört in Deutschland zu den geschützten Arten. Der Name ist von seiner eigentümlichen Form abzuleiten.

1997: Russula cyanoxantha Schaeff: Fr., Frauentäubling

Aber: Was ist eigentlich ein Täubling ?

Und: Warum heißt der Pilz des Jahres 1997 ausgerechnet Frauentäubling ?

1996: Sarcodon imbricatus, Habichtspilz

Sarcodon imbricatus

"Der Hut fleischig, nabelförmig, hellbraun mit dicken, fast aufrechten, dunkleren Schuppen bedeckt; die Unterseite des Hutes mit sehr spitzen, dichtstehenden, gelblichen Schuppen besetzt; der Strunk kurz, dick, glatt, gelblich, nicht in der Mitte des Hutes, sondern mehr seitwärts stehend. Wächst zur Herbstzeit in Nadelwäldern; ist eßbar."

1995: Fomes fomentarius (L.: Fr.) Fr., Zunderschwamm

Fomes fomentarius (L.: Fr.) Fr.

 

Er steht auf keiner "Roten Liste", ist weder ausgestorben noch vom Aussterben bedroht und auch nicht ernsthaft gefährdet. Trotzdem hat ihn die Deutsche Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres erkoren.

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