Der Adalbert-Ricken-Preis 2014 erging in Mettlach/Orscholz an Björn Wergen für seine systematische Bearbeitung der Ascomyceten, insbesondere der Kernpilze.

 

Laudatio von Dr. Wolfgang Prüfert

Ich habe heute die schöne Aufgabe, die Person vorzustellen, die für den Adalbert-Ricken-Preis 2014 ausgewählt wurde: Dieser Preis für junge Hobbymykologen geht an Björn Wergen aus Kreuzau in der Nordeifel für seine Leistungen zur Erforschung der Ascomyceten und seinen Einsatz bei der Pilzkartierung.

An dieser Stelle beginnt man die Laudatio gewöhnlich mit einem Lebenslauf. Bei der Ehrung eines Jung-Mykologen muss ich aber niemanden mit der Aufzählung unzähliger Lebensstationen langweilen, sondern darf es ganz kurz machen: Björn wurde am 30.7.1985 in der Eifel geboren, und hat sich schon als Kind für Pilze interessiert. Im zarten Alter von 16 Jahren hat er die Prüfung zum Pilzsachverständigen in Bad Laasphe abgelegt – eigentlich wollte er schon mit 15, aber Christa Münker hatte ihm empfohlen, noch ein Jahr zu warten. Dann ein Studium in Köln – einige, mit denen ich gesprochen hatte, nahmen an, Björn sei Biologe, was angesichts seiner Kenntnisse auch naheliegt. Tatsächlich hat er aber Mathematik und Geschichte auf Lehramt studiert, und dies letztes Jahr mit Erfolg abgeschlossen. Im Moment arbeitet er im Einzelhandel und ist in die Eifel, seine alte Heimat, zurückgekehrt.

Unter Mykologen ist Björn Wergen vor allem als Kenner der Ascomyceten bekannt. Auf seiner Webseite „funghiparadiese“ werden mittlerweile 800 Arten mit Bildern und Mikrofotos vorgestellt – das sind doppelt so viele, wie im ersten Band von „Pilze der Schweiz“ abgebildet sind. Unter den von Björn vorgestellten Arten sind viele Pyrenomyceten – schwarze Punkte, die von anderen Mykologen oft nicht beachtet werden. Zum Schwerpunktthema „Pyrenos“ arbeitet Björn mit Spezialisten aus mehreren europäischen Ländern zusammen. Ein anderes Arbeitsfeld ist die Ascomyceten-Funga auf Clematis (Waldrebe) als Substrat.

Björn ist mit seinen Interessen und Kenntnissen allerdings sehr viel breiter aufgestellt, wovon ich mich gestern auch selbst im Wald überzeugen konnte. Egal ob Blätterpilze oder Rindenpilze, Björn wusste zu fast allem etwas zu sagen. Er ist ambitionierter Pilzfotograf, Mikroskopiker und Pilzkartierer.

Auf mehreren Reisen nach Österreich ist eine Artenliste entstanden, die 2013 in der ÖZP abgedruckt wurde und die dortige Kartierung um die bisher fehlenden Ascomyceten ergänzte. Er ist noch immer in regem Austausch mit der Universität Wien, die ihm Proben zur Bestimmung zusendet und die er umgekehrt zur Sequenzierung dorthin schickt. In Kürze erscheint sein Buch über die „Pilze in Kerpen und Umgebung“, in dem die alten Aufzeichnungen von Walter Zenker aus 40 Jahren in Buchform gebracht werden.

Aber Björn stellt nicht nur auf seiner eigenen Webseite sein Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung – er moderiert auch eines der großen deutschen Pilzforen, das Forum „pilzbestimmung.eu“ und ist als Pilzsachverständiger aktiv in der Pilzberatung. Und auch die Pilzberatung übt er nicht einfach nur normal aus, sondern hat gleich ein Buch dazu geschrieben: „Der Pilzberater für unterwegs“ ist letztes Jahr im renommierten Ulmer-Verlag erschienen.

Björn, wir sind stolz und glücklich, einen so aktiven und vielseitigen Freizeitmykologen in unserer Gesellschaft zu haben. Mach bitte weiter so!

Veröffentlicht in den DGfM-Mitteilungen 2015/1