Pilz statt Tierhaut – das französische Traditionsunternehmen Hermès führt in seiner Herbst-/ Winterkollektion 2021/22 erstmals eine Tasche, die zu großen Teilen aus einem lederartigen Biotech-Material besteht, das aus feinem Pilzgeflecht hergestellt wird.

Bei Modefans ist Hermès für luxuriöse, hochwertig verarbeitete Lederartikel bekannt. Dagegen sind Menschen, denen am Tierwohl und an der Nachhaltigkeit liegt, von den in Frankreich produzierten Taschen und anderen Produkten weniger begeistert. Dies könnte sich künftig ändern: Mit der jüngst vorgestellten neuen Variante der Tasche „Victoria“ zeigt Hermès, dass es alternative Materialien gibt, die ohne Tieren zu töten auskommt.
 

Biotech-Material aus Pilzfäden

In der Taschenkollektion des Herstellers ist das Modell „Victoria“ lange etabliert. Bislang bestand es vollständig aus Leder. Darauf soll bald verzichtet werden, zumindest teilweise. Hierzu setzt Hermès auf „Sylvania“, ein Biotech-Material aus fadenförmigen Pilzzellen. Dessen Eigenschaften und Haptik soll tierischem Leder entsprechen: Es ist strapazierfähig, kann gefärbt und wie echtes Leder verarbeitet werden.

Bezogen wird das Lederimitat vom kalifornischen Unternehmen MycoWorks. Mit Pilzen hat man dort seit Jahren Erfahrung, einerseits als Kunstobjekte und andererseits als Materiallieferanten für nachhaltige Produkte in der Modeindustrie. Das in den USA produzierte Rohmaterial wird dann von Hermès in den eigenen Werkstätten gegerbt und weiterverarbeitet.

Die Tasche besteht zwar überwiegend aus Sylvania und Canvasstoff, aber ganz ohne tierisches Leder kommt die neue Variante noch nicht aus: Die Details sind weiterhin aus Kalbsleder.

 

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Die Reisetasche „Victoria“ besteht aus Sylvania und Canvas, die Details aus Kalbsleder.

Die Reisetasche „Victoria“ besteht aus Sylvania und Canvas, die Details aus Kalbsleder. | Bild: Coppi Barbieri