Janosch Deeg gibt in seinem Artikel „Unterschätzte Botanik: Die vernetzte Welt der Pflanzen“ auf spektrum.de einen umfassenden Überblick über die Vernetzung von Landpflanzen mittels feiner Pilzfäden im Boden. Manche Forscher vergleichen diese Pilznetzwerke sogar mit neuronalen Netzwerken.

Die Pilzfäden (Hyphen) ummanteln und durchwachsen die Spitzen von Pflanzenwurzeln und bilden so eine Mykorrhiza (= Pilzwurzel). Dort erhalten die Pilze leicht verwertbaren Zucker, den die Pflanzen via Fotosynthese herstellen. Ihnen selbst fehlen die nötigen Enzyme, um komplexe Kohlenhydrate abzubauen. Im Gegenzug liefern sie den Pflanzen Phosphor und Stickstoff. Zudem schützen sie die empfindlichen Wurzelspitzen vor Schädlingen.

Selbst benachbarte Pflanzen interagieren miteinander: Beispielsweise versorgen große und alte Bäume, sogenannte Mutterbäume, junge Schösslinge über das Pilznetzwerk mit Kohlenstoff – sogar wenn sie einer anderen Art angehören.

Doch es herrscht nicht immer eitel Sonnenschein: Beim Kampf um Ressourcen werde ausgebeutet, betrogen und sogar getötet. Beispielsweise vermögen Pflanzen giftige Moleküle über die Pilzfäden an andere Pflanzen zu senden, um deren Wachstum zu bremsen. Manche Pilze oder Pflanzen beginnen eine „Partnerschaft“ nur, um sie auszunutzen: Die Bandbreite reicht von einer ausgeglichenen Lebensgemeinschaft bis hin zu explizitem Parasitismus.

Einige Forscher halten Pflanzen gar für „soziale Lebewesen“. Tatsächlich konnten der Molekularbiologe und Botaniker František Baluška von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Kollegen zeigen, dass Wurzeln in ihren Spitzen eine neuronale Zone aufweisen, die ähnlich den Nervenzellen eines Gehirns Signale verarbeiten und weiterleiten:

Auf der Suche nach Wasser und Nährstoffen messen bestimmte Zellen in der Wurzelspitze ständig verschiedene Parameter wie Feuchtigkeit, Lichtstärke oder Sauerstoffgehalt. Jene sensorischen Informationen der Wurzelkappe müssen verarbeitet und gespeichert werden, so Baluška, damit die Pflanze reagieren kann, indem sie zum Beispiel in eine geeignete Richtung wächst.

Weitere spannende Aspekte rund um die Symbiose von Landpflanzen und Pilzen mit zahlreichen weiterführenden Links finden Sie im Artikel von Janosch Deeg.

Viel Vergnügen bei der Lektüre und zahlreiche Aha-Erlebnisse!

Bilder

Ektomykorrhiza an Buchenwurzel

Ektomykorrhiza an Buchenwurzel | Bild: Katrin Schulz