Wissenschaftler fanden 2020 im indischen Bundesstaat Meghalaya gleich mehrere unbekannte Pilzarten. Im Fall von Roridomyces phyllostachydis beeindruckt vor allem eine Besonderheit: Das Pilzgeflecht und die Stiele der filigranen Fruchtkörper leuchten im Dunkeln grünlich. Bei Tageslicht erscheinen die nur wenige Zentimeter großen Hutpilze dagegen unauffällig hellbraun bis schmutzigweiß.

Als möglichen Grund für das Leuchten vermuten die indischen und chinesischen Forscher, dass die Pilze damit an sie angepasste Insekten anlocken. Diese wahrscheinlich ebenfalls vornehmlich nachtaktiven Tiere könnten ihre Helfer beim Verteilen von Sporen sein. Um welche Insekten es sich handelt, ist bislang nicht bekannt.
 

Natürliche Taschenlampen

Obwohl R. phyllostachydis aus der Familie der Helmlingsverwandten (Mycenaceae) für die Wissenschaft neu ist, kennen etliche Bewohner von Meghalaya die Pilze seit langer Zeit. In dem für indische Verhältnisse relativ dünn besiedelten Bundesstaat gibt es noch viele intakte Wälder. Für manche einheimische Menschen sind tote Bambusstücke mit den darauf wachsenden Pilzen gewissermaßen Taschenlampen aus der Natur.

Weshalb die neu entdeckte Pilzart nach bisherigem Kenntnisstand ausschließlich auf Bambus wächst, bleibt noch zu klären. Als eine der naheliegendsten Erklärungen gilt, dass die Pilze aus dem abgestorbenen Pflanzenmaterial bestimmte für sie wichtige Nährstoffe beziehen können. Oder aber die Pilze finden nur auf totem Bambus die für sie idealen Wachstumsbedingungen.

Neben R. phyllostachydis konnten die Forscher während ihrer zweiwöchigen Expedition in dem Waldland weitere bislang unbekannte Pilzarten aufspüren. Sie gehen davon aus, dass in Indien nach wie vor zahlreiche spannende Pilzfunde auf ihre Entdeckung warten.
  

Biolumineszenz im Pilzreich

Nur ein Bruchteil der Pilzarten gilt als biolumineszent. Unter den circa 70 Arten gibt es evolutionsgeschichtlich betrachtet vier Abstammungslinien. Sie alle beruhen auf derselben Grundlage und gehen somit auf gemeinsame Vorfahren zurück.

Beobachten lassen sich nachts leuchtende Pilze nicht nur in Nordostindien, sondern beispielsweise auch in den Bergnebelwäldern Zentralamerikas oder in Südamerika. Bei uns in Mitteleuropa gehört beispielsweise der Honiggelbe Hallimasch (Armillaria mellea) zu den zur Biolumineszenz fähigen Pilzen. Bestimmte Witterungsverhältnisse vorausgesetzt, leuchtet sein Myzel nachts.

  

Literatur

Bilder

Die Stiele von Roridomyces phyllostachydis leuchten grünlich im Dunkeln.

Die Stiele von Roridomyces phyllostachydis leuchten grünlich im Dunkeln. | Bild: Steve Axford

Auch das Myzel von R. phyllostachydis ist luminescent.

Auch das Myzel von R. phyllostachydis ist luminescent. | Bild: Steve Axford

Exemplare von R. phyllostachydis wirken unscheinbar bei Tageslicht.

Exemplare von R. phyllostachydis wirken unscheinbar bei Tageslicht. | Bild: Steve Axford