34 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl sind einige Pilzarten vor allem in Süddeutschland nach wie vor stark mit Cäsium-137 belastet. Das geht aus dem aktuellen Pilzbericht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) hervor.

Er fasst die Ergebnisse eines Monitoringprogramms zusammen, bei dem wild wachsende Speisepilze an ausgewählten Standorten gesammelt werden und ihr Gehalt an radioaktivem Cäsium gemessen wird. Hierzu werden die Pilzproben im Labor getrocknet, gemahlen und mit Germanium-Detektoren untersucht.
 

Schwankende Cäsium-Werte

Die Belastung schwankt sehr stark je nach Pilzart und Standort. Mehr als 1.000 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse wurden in den letzten drei Jahren bei folgenden Arten gemessen:

  • Cortinarius caperatus – Reifpilz,
  • Craterellus tubaeformis – Trompetenpfifferling,
  • Hydnum repandum – Semmelstoppelpilz,
  • Hydnum rufescens – Rotbrauner Stoppelpilz,
  • Hygrophorus eburneus – Elfenbeinschneckling,
  • Hygrophorus discoideus – Braunscheibiger Schneckling,
  • Hygrophorus unicolor – Orangefalber Schneckling,
  • Imleria badia – Maronenröhrling,
  • Tricholoma columbetta – Seidiger Ritterling.

Spitzenwerte von über 4.000 Becquerel wurden 2019 bei Semmelstoppelpilzen am nördlichen Rand des Nationalparks Bayerischer Wald festgestellt. Das BfS will heuer untersuchen, ob sich diese unerwartet hohen Messwerte bestätigen und wodurch sie verursacht werden.
 

Verzehrhinweise

Das BfS rät Pilzsammlern und -sammlerinnen in den höher belasteten Gebieten Deutschlands, wie etwa dem Bayerischen Wald oder dem Alpenrand, sich über die radioaktive Belastung von Wildpilzen zu informieren. In diesen Gebieten trat nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl während des Durchzugs der radioaktiven Luftmassen Anfang Mai 1986 Regen auf, der radioaktive Partikel aus der Atmosphäre auswusch. Radioaktives Cäsium kann von Wildpilzen aus Waldböden leicht aufgenommen werden.

Dennoch müsse niemand negative gesundheitliche Folgen aufgrund der Radioaktivität befürchten, wenn selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen gegessen werden (etwa bis 250 Gramm pro Woche).

Unbedenklich hinsichtlich ihres Radioaktivitätsgehalts gelten unter anderem diese Arten:

  • Agaricus silvaticus – Blutender/Kleiner Waldchampignon,
  • Apioperdon pyriforme – Birnenstäubling,
  • Coprinus comatus – Schopftintling,
  • Infundibulicybe geotropa – Mönchskopf,
  • Meripilus giganteus – Riesenporling.

Auch angebaute Pilze wie gezüchtete Austernseitlinge oder Zuchtchampignons sind nur sehr gering radioaktiv belastet und können bedenkenlos gegessen werden.
 

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Symbolfoto: radioaktiv belasteter Maronenröhrling

Symbolfoto: radioaktiv belasteter Maronenröhrling | Bild: Andreas Kunze