In der Natur heißt es oft: Pilz gegen Pilz. Der Eichen-Leberreischling oder die Ochsenzunge (Fistulina hepatica), auf Englisch „beefsteak fungus“, enthält einen potenten Wirkstoff gegen bestimmte Schlauchpilze. Dieses neu entdeckte Biomolekül namens „Feldin“ könnte sich zudem als Helfer im Kampf gegen für Menschen gefährliche Pilze wie Candida albicans eignen.

Erforscht haben es Biologen von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) gemeinsam mit Kollegen aus Bochum, Göttingen und Frankfurt/Main. Dabei haben die Experten außerdem einen Pilz identifiziert, der künftig möglicherweise für die Feldin-Produktion genutzt werden könnte.
 

Wirkungsstarkes Biomolekül

Die vor allem an Eichen wachsenden, relativ langlebigen Fruchtkörper des Eichen-Leberreischlings sind für andere Pilze ein attraktives Substrat. Doch mit seiner eigenen Abwehrsubstanz kann sich der Beefsteak-Pilz bestens dagegen behaupten. Das zeigte sich in umfangreichen Laborversuchen, in denen er mit weiteren 34 Pilzarten auf ihre pilzabtötende Wirkung, ihre Effekte auf Backhefe (Saccharomyces cerevisiae) und einen weiteren Pilz überprüft wurde.

Das Rennen machte der Extrakt aus dem Leberreischling, denn er erwies sich als sehr wirksame Waffe gegen andere Pilze – mit einer wichtigen Ausnahme:

Uns überraschte, dass der Pilz Ustilago maydis, der die Pflanzenkrankheit ‚Maisbeulenbrand‘ auslöst und der in Düsseldorf intensiv beforscht wird, gegen Feldin unempfindlich ist,

erklärte Prof. Dr. Michael Feldbrügge vom Institut für Mikrobiologie der HHU. Genau darin liegt eine große Chance.
 

Biotechnologische Produktion

Würde Ustilago maydis zielgerichtet verändert, ließe er sich quasi als Fabrik für Feldin verwenden. Damit wäre der Weg zu einer biotechnologischen Produktion der Substanz geebnet. Davon könnten künftig viele Menschen profitieren. Denn es ist denkbar, dass auf Basis von Feldin ein Wirkstoff entwickelt werden könnte, der Candida albicans abzutöten vermag.

Dieser Hefepilz ist für zahlreiche Fälle teils tödlich verlaufender Pilzerkrankungen (Mykosen) bei Menschen verantwortlich. Unter anderem im Darm, in Mund und Rachen sowie in Gewebefalten auf der Körperoberfläche kann es zu Infektionen mit Candida albicans kommen, der auch als „Soorpilz“ bezeichnet wird.

 

Literatur

Bilder

Fruchtkörper des Eichen-Leberreischling (Fistulina hepatica)

Fruchtkörper des Eichen-Leberreischling (Fistulina hepatica) | Bild: Karl Wehr