Fliegenpilz, Roter Fliegenpilz
Amanita muscaria (L.) Lam. 1783

Der nahezu weltweit verbreite Fliegenpilz (Amanita muscaria) zählt zu den häufigsten Pilzarten Deutschlands. Er gilt als Glückssymbol, ist Gegenstand zahlreicher Mythen und kultiger Handlungen und der bekannteste Giftpilz schlechthin, den selbst kleine Kinder erkennen. Durch seine auffällige Gestalt, Größe und Farbe ist ihm ein Platz unter den schönsten Pilzen unseres Planeten sicher.

Als wichtiger Symbiosepartner vieler Laub- und Nadelbäume liefert der Fliegenpilz über die Baumwurzeln Wasser und Nährstoffe. Im Gegenzug erhält der Pilz Zuckerverbindungen, die er selbst nicht herstellen kann. Der Tauschhandel erfolgt an den Wurzelspitzen, die von den Pilzfäden schützend ummantelt werden.

Der bis zu 20 cm große Fliegenpilz hat einen weißen Stiel mit hängender Manschette und einen auffälligen roten Hut mit weißen Hüllresten. Nur unter der Huthaut ist das sonst weiße Fleisch gelb-orange gefärbt.
 

Der Giftpilz

Der Lamellenpilz ist zwar mit den Knollenblätterpilzen verwandt, aber kein tödlicher Giftpilz. Typisch nach Verzehr sind z. B. geweitete Pupillen, rasender Puls, bis hin zu Krämpfen und zentralnervösen Störungen.

Gezuckerte und eingeweichte Stücke des „Mückenschwammes“ dienten einst als Fliegenfänger: Die Insekten fielen nach dem Genuss berauscht in die Flüssigkeit und ertranken.
 

Der Kultpilz

In einigen Kulturen, besonders bei den Schamanenkulten in Sibirien, wurde und wird der Fliegenpilz als Rauschmittel verwendet. Hierfür ist Muscimol verantwortlich, das beim Trocknen der Fruchtkörper aus der Ibotensäure entsteht. Es trübt das Bewusstsein durch Sinnestäuschun-gen, verzerrt stark die Realität und führt seltener zu Tobsuchtsanfällen. Zugleich verursachen das Muscarin und die Ibotensäure Erbrechen und einen heftigen Kater.

Beide Stoffe schwinden stark im Urin, der noch mehr Muscimol enhält und deshalb bei rituellen Praktiken oft wiederholt getrunken wird. Auch Rentiere berauschen sich gerne an Fliegenpilzen. Heute wird die medizinische Wirkung jener Inhaltsstoffe wissenschaftlich untersucht.
 

Der Glückspilz

Ab 1900 taucht der Fliegenpilz verstärkt als Glückspilz, Schmuck und Kitsch in tausenden Varianten auf. Für die Natur ist er ein Glückpilz, da er im „Wood Wide Web“ Bäume über ihr Wurzelwerk miteinander verbindet, sogar verschiedene Arten.

 

Literatur und Weblinks

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Bilder

Typisch sind die Warzengürtel an der knolligen Stielbasis des Fliegenpilzes.

Typisch sind die Warzengürtel an der knolligen Stielbasis des Fliegenpilzes. | Bild: Andreas Kunze

Unter den Hüllresten kommt die leuchtend rot gefärbte Huthaut des Fliegenpilzes zum Vorschein.

Unter den Hüllresten kommt die leuchtend rot gefärbte Huthaut des Fliegenpilzes zum Vorschein. | Bild: Andreas Kunze

Junges, knubbeliges Exemplar eines Fliegenpilzes, das noch von der Gesamtülle umschlossen ist.

Junges, knubbeliges Exemplar eines Fliegenpilzes, das noch von der Gesamtülle umschlossen ist. | Bild: Andreas Kunze

Verbreitung des Fliegenpilzes in Deutschland (Stand 20.6.2021)

Verbreitung des Fliegenpilzes in Deutschland (Stand 20.6.2021) | Bild: www.pilze-deutschland.de