• Lindenkelchbecherling - Sarcoscypha jurana (Foto: Rainer Wald)
 

Feldmykologen erfreuen sich an der Naturbeobachtung. Das Reich der Großpilze ist mit mehr als 15.000 Arten allein in Deutschland so formen- und artenreich, dass ein Menschenleben sicher nicht ausreicht, um alle zu entdecken. Das macht die Faszination aus: Neues für sich zu erschließen und die Gemeinschaft daran teilhaben lassen. Denn nur was man kennt, kann man auch schätzen und schützen.

Die Möglichkeiten für freiberufliche Feldmykologen sind vielfältig: Sie beginnen mit flächen- oder objektbezogenen Feldstudien, in denen sie die Pilzarten anhand ihrer Fruchtkörper suchen und bestimmen. Hier dient die Datenerhebung wissenschaftlichen oder naturschutzfachlichen Zwecken. Auch das Erstellen von Gutachten wie z. B. die Roten Listen gehört zum Tätigkeitsprofil. Gleiches gilt für die Durchführung von Pilzexkursionen, Fortbildungen und Vorträgen.

 

Hintergrund

Pilze besiedeln alle Biotope unseres Planeten, vernetzen Organismengruppen und eignen sich deshalb gut als Zeigerorganismen für ökologische Fragestellungen. Um die „Fadenwesen“ künftig stärker bei Umweltgutachten, Forschungsprojekten etc. mit einzubeziehen, brauchen wir qualifizierte Fachleute. Doch aktuell gibt es weder eine Ausbildung noch eine Richtlinie, welche Kenntnisse notwendig sind und wie sie erworben werden können.

Ein weiterer Aspekt ist das hohe Alter der Kartierer/innen vieler Organismengruppen. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) befürchtet gar, dass die Artenkenner/innen „aussterben“ könnten. Gute Artenkenner/innen sind aber essenziell für die Beantwortung allgemeiner Naturschutzfragen bis hin zur Erstellung von Fachgutachten wie die Roten Listen.

Die DGfM will diesem Trend im Lebewesenbereich „Pilze“ durch eine 3-stufige Qualifizierung in der Feldmykologie entgegenwirken. Der Arbeitskreis Feldmykologie erarbeitet zurzeit die Details der Ausbildung. Falls Sie etwas beitragen möchten, wenden Sie sich bitte an Peter Karasch () oder Rita Lüder ().

 

Ziele der Ausbildung

  • Nachwuchsförderung in der Pilzkunde, im Naturschutz und in der Pilzkartierung,
  • Weiterbildung von taxonomisch orientierten Pilzliebhabern und Interessenten aus anderen biologischen Disziplinen,
  • Aufbau eines fachlichen Netzes von Feldmykologinnen und Feldmykologen, die als Gutachter/in eingesetzt oder auch wissenschaftlich tätig werden können.

 

Zielgruppen der Ausbildungsstufen

Stufe 1

Pilz- und Naturfreunde, PilzCoaches, die sich jenseits oder zusätzlich zur Speise- und Giftpilzthematik mit Pilzen beschäftigen möchten.

Stufe 2

Wie Stufe 1, zusätzlich Waldführer, Pädagogen und Feldbotaniker, die naturschutzrelevantes Fachwissen erlernen bzw. ein breiteres Spektrum an Pilzarten kennen lernen möchten.

Stufe 3

Pilzenthusiasten, Biologen mit Vertiefungsrichtung Mykologie und Fachberater für Mykologie, die in Teil- oder Vollzeit an professionellen Kartierungs- oder ökologisch geprägten Projekten mitarbeiten möchten.
Das Zertifikat „Feldmykologin/-mykologeDGfM 3“ könnte künftig von Projektverantwortlichen bei der Vergabe mykologischer Dienstleistungen im Feldmonitoring zur Erfüllung des Anforderungsprofils anerkannt werden.

 

Schwerpunkte des Lehrinhalts

Fundierte Pilzkenntnisse werden im Hinblick auf Kartierung und Naturschutz in Modulen ausgebildet und in 3 Stufen geprüft: Die erste Stufe beschränkt sich auf die Kenntnisse makroskopischer Merkmale, die 2. Stufe umfasst mikroskopische Grundkenntnisse und die 3. Stufe erfordert vertiefte mikroskopische Kenntnisse.
 

Artenkenntnis

  • Häufige und gut kenntliche Arten aller Verwandtschaftskreise unabhängig von der Speise- und Giftpilzthematik
  • Ökologisch aussagekräftige Arten (Zeigerarten für bestimmte Habitate)
  • Artenschutzrelevante Arten (Naturnähezeiger, Rote-Liste-Arten, Verantwortungs-Arten)

Ökologisches Wissen

  • Botanische Kenntnisse (Zeigerpflanzen, insbesondere Baumarten)
  • Vegetationskundliche Kenntnisse (Biotope, insbesondere FFH-Lebensraumtypen)
  • Klima- und Witterungsfaktoren,
  • Bodenkundliche Grundkenntnisse inklusive Wasserhaushalt

Methodik

  • Systematische Erhebungstechniken
  • Planung und Durchführung von Projekten
  • Finanzierungsmöglichkeiten von Projekten
  • Kenntnis und Umgang mit Kartierungs-Software und -datenbanken

 

Ausbildung und Zertifizierung

Die Ausbildung in den verschiedenen Stufen erfolgt wie bei den Pilzsachverständigen durch „freie Kurse“ zu den verschiedenen Prüfungsinhalten (z. B. ökologische Themen im Frühjahr, Fokus aufs Artenspektrum im Sommer und Herbst, Theorieblöcke nach Wahl, Spezialkurse wie Mikroskopie, Cortinariaceae, Sprödblättler, Ascomyceten, Phytoparasitische Kleinpilze, Botanik etc.). Die Inhalte können in jedem beliebigen Zeitrahmen erlernt werden.

Die Teilnahme an Kursen ist vorteilhaft, aber nicht verpflichtend. Jede/r, die/der das notwendige Wissen erworben hat, kann sich zu den Prüfungen anmelden. Nachfolgende Pilzschulen haben sich bereit erklärt, Kurse anzubieten bzw. bieten diese bereits an:


http://pilzschule-schwaebischer-wald.de/

https://pilzzentrum.de/

http://www.pilzkurs.de/kurstermine.html

http://www.pilzteam-bayern.de/

Pilzsachverständigen der DGfM wird auf Antrag die Stufe 1 bescheinigt.

Bilder

Hier werden Erstbesiedler von manipulierten Baumstämmen im Rahmen des BioHolz-Projekts des Nationalparks Bayerischer Wald untersucht.

Hier werden Erstbesiedler von manipulierten Baumstämmen im Rahmen des BioHolz-Projekts des Nationalparks Bayerischer Wald untersucht. | Bild: Rita Lüder

Feldmykologie ist nicht nur eine wissenschaftliche, sondern oft auch körperliche Herausforderung.

Feldmykologie ist nicht nur eine wissenschaftliche, sondern oft auch körperliche Herausforderung. | Bild: Rita Lüder

Untersuchung eines liegenden, finalmorschen Baumstamms

Untersuchung eines liegenden, finalmorschen Baumstamms | Bild: Peter Karasch

Kapitale Biotopfichte im Nationapark Bayerischer Wald

Kapitale Biotopfichte im Nationapark Bayerischer Wald | Bild: Peter Karasch

Installation von Messtechnik im Erdboden

Installation von Messtechnik im Erdboden | Bild: Peter Karasch

Messtechnik auf einer Untersuchungsfläche im Fichtenwald

Messtechnik auf einer Untersuchungsfläche im Fichtenwald | Bild: Andreas Kunze

Rindenpilzsuche mit Hilfe einer LED-Einschlaglupe

Rindenpilzsuche mit Hilfe einer LED-Einschlaglupe | Bild: Peter Karasch