6. bis 11. Oktober 2018 – Tagungsbericht von Hagen Graebner

Pilzveranstaltungen standen im trockensten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor gewaltigen Herausforderungen; Großpilze gab es, wenn überhaupt, nur an besonders feuchten Stellen, aber selbst etliche eigentlich verlässlich feuchte Gebiete waren ausgetrocknet. Das Problem betraf auch das eher regenreiche Sauerland um den Möhnesee, wo Anfang Oktober die Internationale Möhnesee-Tagung im Heinrich-Lübke-Haus stattfand.

War man bei den langfristigen Ankündigungen der Tagung noch davon ausgegangen, in der waldreichen, geologisch vielfältigen Umgebung zahlreiche Funde auch besonderer Arten machen zu werden, kam dann im Laufe des Sommers eher Pessimismus auf, weil auch die Hoffnung auf ergiebige Regenfälle zu Herbstbeginn enttäuscht wurde.
 

Top-Exkursionsplanung

Glücklicherweise kam es aber doch besser als gedacht, so dass die Fundlisten nicht aus lauter Verzweiflung nur mit diversen Mehltauen gefüllt werden mussten. Wobei es wahrscheinlich weniger Glück, als die gründliche Vorbereitung der Exkursionen durch Dietrich Smolinski, Gerhard Wölfel und ihrem Organisationsteam Bernhard Demel, Michael Ernst, Erhard Hellmann, Thomas Kalveram und dem Ehepaar Krauch war. Sie hatten Gebiete erkundet, die trotz der Trockenheit tolle Funde ermöglichten. Die täglichen Exkursionen waren hervorragend mit Bustransfer organisiert.
 

Arbeits- und Ausstellungsraum

Auch die räumlichen Voraussetzungen im Heinrich-Lübke-Haus waren mit Arbeits- und Ausstellungsraum gut, lediglich die Disziplin im Ausstellungsraum, was Beschriftung der Funde anging hätte besser sein können, die Zuordnung zu Findern und Fundgebieten war nicht immer möglich, was besonders bei „besseren Sachen“ schade war. Vielleicht kann man bei der nächsten Tagung eine Austellungsraumaufsicht organisieren, die nur korrekt beschriftete Funde auf die Tische lässt.
 

Mitgliederversammlung und Programm

Die Mitgliederversammlung und die Neuwahlen liefen trotz teils intensiver und kontroverser Diskussion sachlich und diszipliniert ab.

Neben den Exkursionen und der Mitgliederversammlung war das Rahmenprogramm aus Vorträgen, Postersession und Workshops vielfältig und interessant, besonders erwähnt seien der Täublings-Workshop des frisch gebackenen Adalbert-Ricken-Preisträgers Felix Hampe und der MykIS-Workshop von Frank Dämmrich.
 

Förderpreise und Ehrenmitglieder

Neben Felix Hampe, der wie erwähnt mit dem Adalbert-Ricken-Preis für seine Arbeiten zu Täublingen ausgezeichnet wurde, erhielten weitere DGfM-Mitglieder Ehrungen: Dr. Julia Kruse bekam den Oscar-Brefeld-Preis verliehen, der Wolfgang-Beyer-Preis ging an Axel Schilling, und Dr. Matthias Theiß wurde der Medienpreis zuteil. Neue Ehrenmitglieder der DGfM wurden: Prof. em. Dr. Reinhard Agerer, Karl-Heinz Baumann und Prof. em. Dr. Andreas Bresinsky.
 

Danksagung

Zum Schluss soll noch jemandem gedankt werden, der von den Exkursionen und Pilzen nicht viel hatte, ohne den aber die Tagung nicht gelaufen wäre: Peter Welt, der vom Empfangstisch aus den Laden hervorragend am Laufen hielt.

 

Veröffentlicht in den DGfM-Mitteilungen 2019/1, online abweichend illustriert.


 

Ankündigung der Tagung 2018

Die Internationale Tagung der DGfM wird vom 6.10.2018 bis zum 11.10.2018 im Heinrich-Lübke-Haus in Möhnesee am Nordrand des Sauerlandes (NRW) stattfinden.
 

Fußläufig von der Tagungsstätte schließt sich südlich der Arnsberger Wald an – ein riesiges zusammenhängendes Waldgebiet. Die Fichten- und Buchenforste sind von Bächen und Erlenbrüchen durchzogen. Bei Neuhaus gibt es eine Naturwaldzelle mit sehr alten Buchen. Nördlich in Richtung Soest liegen auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz große Magerwiesen und Gehölzparzellen auf Kalkmergel.

Kalkböden ziehen sich auch am Nordrand des Arnsberger Waldes und weiter nordöstlich entlang. In den dortigen Buchen- und Eichenwäldern, z. B. bei Warstein und Eringerfeld, sind zahlreiche Raritäten zu Hause, wie der Jungfernschirmling (Leucoagaricus nympharum) oder der Weinrötliche Schleimschirmling (Limacella vinosorubescens), und auch viele Täublinge (Russula spp.). Auf dem Höhenrücken im Süden des Arnsberger Waldes finden sich auf über 500 Höhenmetern mehrere Quellmoore, teilweise mit Moorbirken, und weitere totholzreiche Buchen- und Fichtenwälder.

Die Mitglieder in der Region unter Leitung von Gerhard Wölfel und Dietrich Smolinski haben bereits mit der Planung der Exkursionsgebiete begonnen. Vielen Dank für die Unterstützung! Wir sind sicher, dort ein abwechslungsreiches Exkursions- und Vortragsprogramm für alle Mitglieder vom PilzCoach bis zum Universitätsmykologen anbieten zu können.

Bitte merken Sie sich schon jetzt den Termin für 2018 vor. Sofern Sie selbst Termine anbieten, achten Sie bitte darauf, unnötige Überschneidungen zu vermeiden.

Dokumente

Bilder

 Trockenheit auch im Sauerland: Niedrigwasser im Möhnesee

Trockenheit auch im Sauerland: Niedrigwasser im Möhnesee | Bild: Dr. Josef Simmel

Rötender Runzelschichtpilz (Stereum rugosum)

Rötender Runzelschichtpilz (Stereum rugosum) | Bild: Peter Karasch

Schwarze Lorchel (Helvella atra)

Schwarze Lorchel (Helvella atra) | Bild: Peter Karasch

Klapperschwamm (Grifola frondosa)

Klapperschwamm (Grifola frondosa) | Bild: Andreas Kunze

Luftbild des Tagungshauses

Luftbild des Tagungshauses | Bild: Heinrich-Lübke-Haus

Jungfernschirmling (Leucoagaricus nympharum) im Eringerfelder Wald

Jungfernschirmling (Leucoagaricus nympharum) im Eringerfelder Wald | Bild: Gerhard Wölfel