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Das Ausbringen von Gülle auf Wiesen und Feldern beeinflusst den natürlichen Stickstoffkreislauf. Über die Luft gelangen die Nährstoffe ungewollt sogar in Schutzgebiete mit mageren Rasengesellschaften. Das reduziert die Zahl der Pilzarten deutlich, wie u. a. eine Untersuchung aus Oberbayern belegt.
 

Nitrat im Trinkwasser ist schon lange ein wichtiges Gesundheitsthema, denn es ist medizinisch nachgewiesen, dass die Folgeprodukte von Nitraten den menschlichen Organismus negativ beeinflussen. Nicht umsonst gibt es Nitrat-Grenzwerte für Trinkwasser, Mineralwasser und Babynahrung. Die katastrophalen Auswirkungen der überhöhten Stickstoff- und Phosphatkonzentration in unseren Böden gelangen dagegen kaum in den medialen Fokus, auch wenn Fachbehörden wie z. B. das Umweltbundesamt immer wieder darauf hinweisen.

Das gesamte Bodenleben einschließlich der Pilze ist seit Jahrmillionen eher auf Nährstoffarmut ausgelegt. Die Pilze haben ihre Nische in allen Ökosystemen als Stoffwandler und Regulatoren der Nährstoffkreisläufe. Sie bauen organische Stoffe wie Blätter und Holz in anorganische, pflanzenverfügbare Nährsalze um. Mehr als 90 % aller Landpflanzen haben Pilze als Symbiosepartner, die ihnen Wasser und darin gelöste Nährstoffe im Tausch gegen Zuckerverbindungen liefern.

Manipulation des Stickstoffkreislaufs

Die nachfolgende Grafik zeigt den natürlichen Stickstoffkreislauf. Vereinfacht zusammengefasst wird der atmosphärische Stickstoff durch Knöllchenbakterien im Boden gebunden. Pilze lösen gemeinsam mit Bakterien Stickstoffverbindungen aus dem Dung von Tieren. Mehrere hundert auf den Abbau von Dung spezialisierte Pilzarten sind bekannt. Von Menschen ausgebrachte Kunstdünger, Gülle und organische Abfälle aus Kläranlagen bringen dieses natürliche System massiv aus dem Gleichgewicht.
 

Natürlicher Stickstoffkreislauf

Grafik: Natürlicher Stickstoffkreislauf
Autor: Johann Dréo (User:Nojhan), nachbearbeitet: Burkhard (User:Drahkrub), Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA-3.0
 

Rückgang beliebter Speisepilze

Bis in die 1980er Jahre dachte man, der starke Rückgang beliebter Speisepilze wie z. B. der Pfifferling sei auf übermäßiges Absammeln der Fruchtkörper zurückzuführen. Heute wissen wir, dass die Ursachen in den starken Stickstoffüberschüssen liegen (vgl. Kuyper 2013). Ähnlich wie bei Landpflanzen gibt es nur wenige Pilzarten, die (stark) erhöhte Nährstoffkonzentrationen im Boden tolerieren.

In der Folge brechen die natürlichen Artengemeinschaften ein (vgl. Karasch 2014) und auch die Vitalität der einzelnen Pilzmyzelien lässt stark nach. Wo unter natürlichen Nährstoffverhältnissen dutzende bis hunderte Fruchtkörper gebildet werden könnten, finden wir bei erhöhten Stickstoff- und Phosphatgehalten im Boden keine oder nur noch sehr wenige Fruchtkörper. Während an naturnahen, artenreichen Standorten im Wurzelbereich der Bäume weniger als 10 kg Stickstoff/ha normal sind, erreichen regelmäßig mit Gülle berieselte Vergleichsflächen Werte von bis zu 200 kg (Karasch 2015).

Die nachstehenden Diagramme zeigen die Korrelation von Pilzvorkommen und Bodenstickstoffgehalten auf ausgewählten Versuchsflächen im Gemeindegebiet Bernried (aus Karasch 2015):
 

Diagramm: Stickstoffwerte Intensiv/Extensiv
 

Diagramm: Pilzarten gesamt intensiv/extensiv
 



Das gesamte Ökosystem wird also durch diese Wirtschaftsweise stark beeinträchtigt. Algen, Bakterien, Pflanzen, Pilzen und Tieren werden ihre natürlichen Lebensgrundlagen entzogen. Auch Naturschutzgebiete, insbesondere Magerrasen und Halbtrockenrasen, sind betroffen, denn reaktiver Stickstoff (Stickoxide und Ammoniak) wird über die Luft transportiert und auf diesem Weg auf den Flächen abgelagert. Ganz zu schweigen von Gebieten in Senken, in die Nährstoffeinträge von angrenzenden Landwirtschaftsflächen mit dem Oberflächenwasser eingeschwemmt werden.

Was muss geändert werden?

  • Die Düngeverordnung zur Gülledüngung muss zeitnah verschärft werden, um deutlich größere Schutz- und Pufferzonen entlang von Gewässern, Wäldern und weiteren naturschutzfachlich wertvollen Flächen zu erzielen.
  • Sofortstopp von Gülleimporten aus dem Ausland wie beispielweise den Niederlanden, die bereits eine deutlich strengere Düngeverordnung als Deutschland haben.
  • Die gesamten Förderkonzepte der EU müssen generell auf umweltverträgliche Land- und Forstwirtschaft ausgelegt werden.
  • Starke Einschränkungen von Futtermittelimporten.
  • Stopp von Billigfleischexporten in Nicht-EU-Länder, da unsere übersubventionierten Agrarprodukte die dortigen kleinbäuerlichen Strukturen schwächen und zerstören.

Was können wir persönlich tun?

  • Das eigene Konsumverhalten überprüfen und ggf. anpassen.
  • Produkte aus Massentierhaltung ablehnen.
  • Als Multiplikatoren medienwirksam in Schulen, auf Ausstellungen, bei Pilz- und Naturwanderungen auf diese Missstände hinweisen und Verbesserungen fordern.
  • Gemeinschaftsaktionen wie Unterschriftenaktionen und Demonstrationen unterstützen.

Quellen

Bilder

Pfifferlinge waren noch bis 1950 weit verbreitete Marktpilze, die in feuchten Jahren massenweise Fruchtkörper bildeten. Heutzutage gibt es nennenswerte Vorkommen nur noch in Großwaldgebieten, wo die Stickstoffbelastungen noch nicht so hoch sind.

Pfifferlinge waren noch bis 1950 weit verbreitete Marktpilze, die in feuchten Jahren massenweise Fruchtkörper bildeten. Heutzutage gibt es nennenswerte Vorkommen nur noch in Großwaldgebieten, wo die Stickstoffbelastungen noch nicht so hoch sind. | Bild: Peter Karasch

Der Granatrote Saftling ist ein Beispiel für Dutzende von stark gefährdeten Arten aus nährstoffarmen Offenlandbiotopen. Ein Großteil der Lebensräume wurde in den letzten 60 Jahren zerstört, verbliebene Lebensräume werden durch Nährstoffeinträge bedroht.

Der Granatrote Saftling ist ein Beispiel für Dutzende von stark gefährdeten Arten aus nährstoffarmen Offenlandbiotopen. Ein Großteil der Lebensräume wurde in den letzten 60 Jahren zerstört, verbliebene Lebensräume werden durch Nährstoffeinträge bedroht. | Bild: Peter Karasch

Der Parasol ist ein sehr beliebter Speisepilz. Er lebt als Saprobiont auf Wiesen und in Wäldern und gilt als stickstofftolerant. Auf stark mit Gülle berieselten „Löwenzahnwiesen“ oder Hochleistungsgrasland mit Weidelgras ist er jedoch nicht zu finden.

Der Parasol ist ein sehr beliebter Speisepilz. Er lebt als Saprobiont auf Wiesen und in Wäldern und gilt als stickstofftolerant. Auf stark mit Gülle berieselten „Löwenzahnwiesen“ oder Hochleistungsgrasland mit Weidelgras ist er jedoch nicht zu finden. | Bild: Peter Karasch

Der Blaue Korkstacheling reagiert sehr empfindlich auf Stickstoffeinträge in seine Lebensräume und gilt als vom Aussterben bedroht. Letzte Rückzugsgebiete der früher weit verbreiteten Nadelwaldart befinden sich in den Alpen.

Der Blaue Korkstacheling reagiert sehr empfindlich auf Stickstoffeinträge in seine Lebensräume und gilt als vom Aussterben bedroht. Letzte Rückzugsgebiete der früher weit verbreiteten Nadelwaldart befinden sich in den Alpen. | Bild: Peter Karasch

Der Satansröhrling benötigt ältere, traditionsreiche und nährstoffarme Habitate. Eine Kombination, die heutzutage immer seltener wird und einige Dickröhrlinge zu bedrohten Arten gemacht hat.

Der Satansröhrling benötigt ältere, traditionsreiche und nährstoffarme Habitate. Eine Kombination, die heutzutage immer seltener wird und einige Dickröhrlinge zu bedrohten Arten gemacht hat. | Bild: Rainer Wald

Die Spindelige Wiesenkeule ist in Deutschland vom Aussterben bedroht, weil in den letzten 60 Jahren mehr als 90 % ihrer ursprünglichen Lebensräume (Halbtrockenrasen) durch Intensivierung der Nutzung zerstört wurden.

Die Spindelige Wiesenkeule ist in Deutschland vom Aussterben bedroht, weil in den letzten 60 Jahren mehr als 90 % ihrer ursprünglichen Lebensräume (Halbtrockenrasen) durch Intensivierung der Nutzung zerstört wurden. | Bild: Peter Karasch

Der Rosafarbene Rötling ist eine von mehreren hundert Arten, die auf nährstoffarme Trockenrasengesellschaften spezialisiert ist und einen Großteil ihres ursprünglichen Lebensraumes eingebüßt haben.

Der Rosafarbene Rötling ist eine von mehreren hundert Arten, die auf nährstoffarme Trockenrasengesellschaften spezialisiert ist und einen Großteil ihres ursprünglichen Lebensraumes eingebüßt haben. | Bild: Peter Karasch