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Die Eichenrotkappe, der erste Pilz des Jahres | Foto: Andreas Kunze

Seit 1994 wählt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie alljährlich den „Pilz des Jahres“. Die präsentierte Art soll stellvertretend für alle Pilze den Blick der Öffentlichkeit auf die wichtige Bedeutung der Pilze für unser Ökosystem richten.

Das Judasohr besiedelt vor allem Schwarzen Holunder. Die elastischen Fruchtkörper erinnern an Ohrmuscheln.

Judasohr, Holunderpilz
Auricularia auricula-judae (Bull.) Wettst. 1886

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat das Judasohr zum „Pilz des Jahres 2017“ gewählt. Der Speisepilz hat die Form einer Ohrmuschel und ist auch für unerfahrene Pilzsammler leicht zu bestimmen. Da der Fruchtkörper mehrfach komplett austrocknen und wieder aufquellen kann, regt das Judasohr dazu an, sich mit der Ökologie der Pilze zu beschäftigen.

Die Intensivierung und Bebauung von Grünland machen dem Lilastiel-Rötelritterling zu schaffen.

Lilastiel-Rötelritterling, Masken-Ritterling
Lepista personata (Fr.) Cooke 1871

Mit dem Lilastiel-Rötelritterling stellt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie einen „Pilz des Jahres“ vor, für dessen Erhalt Deutschland eine besondere Verantwortung trägt. Der attraktive Pilz kommt verbreitet vor, hat aber durch die fortschreitende Grünlandintensivierung schon viele seiner Lebensräume verloren.

Die Becherkoralle ist auf das Totholz von abgestorbenen Baumstämmen angewiesen.

Becherkoralle, Kandelaberkoralle
Artomyces pyxidatus (Pers.) Jülich 1982

Licht und Schatten der Klimapolitik: Die zunehmende Nutzung von abgestorbenem Holz aus den Wäldern zum Heizen schont die Vorräte an fossilen Brennstoffen, aber sie reduziert den natürlichen Lebensraum für viele wichtige und auch seltene Organismen. Um auf dieses Dilemma hinzuweisen, hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) die Becherkoralle zum „Pilz des Jahres 2015“ gewählt.

In den Fruchtkörpern des Tiegel-Teuerlings liegen linsenförmige Sporenpakete.

Tiegelteuerling
Crucibulum laeve (Huds.) Kambly 1936

Die DGfM möchte mit der Wahl des Tiegelteuerlings zum „Pilz des Jahres 2014“ auf die große Bedeutung der Pilze in den natürlichen Stoffkreisläufen aufmerksam machen. Es sind in erster Linie die oft im Verborgenen wirkenden Fadenwesen, die mit ihren Enzymen abgestorbene, organische Stoffe wie Holz, Blätter oder Nadeln remineralisieren und somit wieder für die Pflanzenwelt verfügbar machen. Ohne diese Ökosystemleistung der Pilze würde in kürzester Zeit die gesamte Nahrungskette zusammenbrechen.

Der Braungrüne Zärtling riecht nach „Mäuseklo“ und verfärbt auf Druck blau-grün.

Braungrüner Zärtling, Braungrüner Rötling
Entoloma incanum (Fr.) Hesler 1967

Der Braungrüne Zärtling kann in vielen Bereichen Deutschlands, Europas und darüber hinaus entdeckt werden. Neben seinen prächtigen Farben hat er auch einen sehr markanten Geruch nach verbranntem Horn oder Mäusekot, den seine Finder noch lange im Gedächtnis behalten. Als Lebensräume sind basenreiche, aber stickstoffarme Magerwiesen bekannt, die in unserer durch intensive Landwirtschaft überdüngten Landschaft leider stark beeinträchtigt sind. Der EU-geförderte Energiepflanzenanbau gefährdet auf diese Weise noch die letzten Lebensräume von Tausenden Pflanzen-, Pilz- und Tierarten.

Der unscheinbare Graue Leistling lebt mit diversen Laubbäumen in Symbiose.

Grauer Leistling, Graue Kraterelle
Cantharellus cinereus (Pers.) Fr. 1821

Ein unscheinbarer Geselle ist der Graue Leistling. Mit seinen graubraunen Tarnfarben ist er schwer im Herbstlaub auszumachen. Es sei denn, er wächst zwischen gelb verfärbten Hainbuchenblättern, wie auf unserem wunderschönen Bild des Pilzfotografen und Hobby-Mykologen Marco Gebert. Mit seinem trichterförmigen Hut, den grauen Leisten auf der Hutunterseite und dem braunen Stiel ähnelt er dem Trompeten-Pfifferling. Der Fachmann erkennt schon anhand des lateinischen Namens „Cantharellus cinereus“, dass der Graue Leistling tatsächlich mit dem Pfifferling verwandt ist.

Der Rote Gitterling lockt mit Aasgeruch Insekten zur Sporenverbreitung an.

Roter Gitterling
Clathrus ruber P. Micheli ex Pers. 1801

Mit seinem geradezu außerirdischen Aussehen gehört der Rote Gitterling zu denjenigen Pilzen, die nicht zu übersehen sind. Seine fleischrote Gitterkugel schiebt sich etwa Tennisball groß aus einer schmutzig eierschalenfarbigen Hülle, dem Hexenei. Der Gitterkugel entströmt nach ihrer Entfaltung ein aasartiger Geruch, der Fliegen anlockt. Diese Kreatur sieht eher aus wie ein Alien aus einem Science-Fiction-Horrorfilm. Ist das überhaupt ein Pilz? Wenn ja, warum sieht er so aus und warum stinkt er so bestialisch? Ist er giftig oder sogar gefährlich? Lockt er die Fliegen an, um sie zu fressen wie eine fleischfressende Pflanze? Die Phantasie projiziert in uns bei der Betrachtung des Roten Gitterlings Angst und Ekel, aber auch Interesse und Bewunderung.

Der Bestand der Schleiereule wird durch den Rückgang naturnaher Wälder bedroht.

Schleiereule, Eulenauge, Blaugestiefelter Schleimkopf
Cortinarius praestans (Cord.) Gill. 1874

Die Schleiereule ist eine leicht kenntliche Art aus der in Mitteleuropa mit weit über 700 Arten vertretenen Gattung der Schleierlinge. Sie ist in weiten Gebieten Deutschlands recht selten und fehlt in Norddeutschland völlig. Mit über 20 cm Hutbreite ist die Schleiereule nicht nur die größte Art der Gattung; sie ist auch sehr wohlschmeckend und in der Schweiz und in Frankreich ein beliebter Marktpilz. Schwermetallbelastung der Fruchtkörper und die Möglichkeit der Verwechslung mit anderen hochgiftigen Schleierlingsarten lassen die Schleiereule jedoch in einem zweifelhaften Licht erscheinen. Vom Sammeln zu Speisezwecken ist deshalb dringend abzuraten.

Durch die indigofarbenen Fruchtkörper ist der Blaue Rindenpilz unverkennbar.

Blauer Rindenpilz
Terana caerulea (Lam.) Kuntze 1891

Krustenförmig wachsende Pilze aus der künstlichen Sammelfamilie der Corticiaceae sind nicht jedermanns Sache. Ihre Bestimmung kann in den allermeisten Fällen nur mikroskopisch bewerkstelligt werden. Zudem sind Corticiaceae oft recht unscheinbar und von ihrem Aussehen her unattraktiv. Den Blauen Rindenpilz kann man jedoch schon aufgrund seiner wunderschönen indigofarbenen Fruchtkörper einfach nicht übersehen. Der Altmeister unter den Corticiologen, der Schwede John Eriksson, sagt vom Blauen Rindenpilz: „Es ist die Corticiacee, die am einfachsten zu erkennen ist“.